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Max Eberl, (Foto: SiWe)
Max Eberl, (Foto: SiWe)

Den letzten Beweis geliefert

André Schubert wird nur ein kleines Kapitel in der Vereinshistorie bekommen.

André Schubert ist Geschichte! Selbst wenn Sportdirektor Max Eberl bis zur Veröffentlichung dieser Ausgabe keinen Nachfolger präsentiert hätte, selbst wenn er zu Beginn der Rückrunde nur eine Interimslösung parat gehabt hätte – ja, und selbst wenn Schubert bis zum Saisonende von Borussias Führungsriege „das Vertrauen“ ausgesprochen bekommen hätte: und es dann irgendwie geschafft, hätte, das Schlimmste zu vermeiden. André Schubert wird in der Vereinshistorie nur ein kleines Kapitel bekommen, eines, das verheißungsvoll begann und dann doch nur dazu taugt, den letzten Beweis zu liefern, was der VfL an Lucien Favre gehabt hat. Während der Schweizer indes in Frankreich bei OGC Nizza seine Klasse erneut unter Beweis stellt, muss Eberl hoffen, mit dem Nachfolger Schuberts einen vernünftigen Besen gefunden zu haben oder zu finden, der nicht nur am Anfang gut kehrt.

Borussias Spielerkader ist in den vergangenen Jahren zunehmend qualitativ gewachsen. Doch er ist noch nicht so gut, und wird es angesichts der Umstände im Profifußball vermutlich nie werden, dass er einen mittelmäßigen Trainer aushalten könnte. Gute Trainer gibt es, junge wie alte, doch die stehen in der Regel unter Vertrag. Und so musste Eberl im Spätherbst zwei Dinge tun: Erstens, Schubert Rückendeckung geben, um selbst in Ruhe die Weichen in andere Richtungen zu stellen, und zweitens versuchen, den Wunschkandidaten davon zu überzeugen, dass dieser Winter genau der richtige Zeitpunkt ist, um seinen Verein in Richtung Niederrhein zu verlassen. Oder aber doch einen der „auf dem Markt befindlichen“ Trainer zu engagieren, wie er es dann getan hat.

Pech mit den Wunschkandidaten

Borussia hatte zuletzt etwas Pech mit den Wunschkandidaten fürs Traineramt und den Zeitpunkten, wann diese den Wechsel zum VfL vollziehen konnten oder wollten. Thomas Tuchel galt lange als potenzieller Nachfolger Favres (für den Fall der Fälle), auch wenn die halbe Liga hinter ihm her war. Oft hieß es, einig sei man sich bereits. Favre flüchtete fünf Niederlagen zu spät, Tuchel wollte wohl nicht mehr warten und hatte den Job bei Borussia Dortmund angenommen, den eigentlich auch Favre wollte und haben konnte; hätte die richtige Borussia ihn damals in der Sommerpause der Saison 2015/16 freigegeben. Ein Jahr später sollte Markus Weinzierl sein Können bei Borussia schleifen, doch Schubert, gefühlt immer mehr ertragen als geliebt, schaffte es, mit Borussia den vierten Platz in der Abschlusstabelle der Bundesliga zu belegen und damit die Chance auf die Champions League zu bewahren. Ein denkbar schlechter Moment für einen Club, der seine Ziele recht zurückhaltend formuliert, den Trainer vor die Tür zu setzen. Warum auch? Schubert hatte Erfolg, Borussia hatte sich offensichtlich unter dem Nachfolger des verehrten Favres nicht verschlechtert.

Vfl-Maskottchen Jünter scheint André Schubert schon zu verabschieden, (Foto: SiWe)
Vfl-Maskottchen Jünter scheint André Schubert schon zu verabschieden, (Foto: SiWe)

Hatte sie nicht? Schuberts Siegesserie als Interimstrainer ließ kaum eine andere Möglichkeit offen, als ihn zum Chef zu machen, auch wenn nur wenige bei Borussia von seiner Eignung für diesen Job einhundertprozentig überzeugt waren. Neun Siege, zwei Unentschieden und 29 Punkte holte der glatzköpfige ehemalige U23-Coach nach einem desolaten Saisonstart – heute wissen wir, dass es mehr die Mannschaft war als der Coach, dieses möglich zu machen. Schon die anschließende Rückrunde deutete an, worauf sich alles zuspitzen würde – nicht unverdient, aber unterstützt durch die schlechten Ergebnisse der direkten Konkurrenten, sicherte sich Borussia trotzdem den Qualifikationsplatz für die Königsklasse.

Was hat(te) Schubert vorzuweisen?

Aber hat Schubert nicht dennoch etwas vorzuweisen? in dieser Spielzeit hat Borussia in der Champions League zumindest den dritten Platz in der „Todesgruppe“ geschafft und liegt auch noch im DFB-Pokal auf Kurs. Ja, aber dass sich Borussia gegen Celtic Glasgow in der Königsklasse durchsetzt, ist keine Leistung, die auf dem Briefkopf gewürdigt werden muss. Und der DFB- Pokal hielt mit dem SC Drochstersen/Assel und dem VFB Stuttgart (zuhause in Mönchengladbach) noch keine Hammerlose bereit. Also muss Schubert anhand der Leistungen in der Bundesliga beurteilt werden, und da fehlt es den Borussen nicht nur an Punkten, da fehlt es an allem.

Für wenige ist diese Entwicklung eine Überraschung. Und niemand muss sich schämen, eine andere Erwartungshaltung zu haben, ja Schuberts Kopf gefordert zu haben – wie es nach der 0:1-Pleite beim FC Augsburg aus der Fankurve der Gäste zu hören war. Dass Max Eberl diese „Schubert raus“-Rufe nicht mehr verurteilte wie ein paar Pfiffe von der Tribüne ein paar Spiele zuvor, dürfte auch Schubert selbst die Gewissheit gegeben haben, dass seine Tage gezählt und der VfL-Sportdirektor möglicherweise seinem Nachfolger einen Wechsel in den Borussia-Park schmackhaft gemacht hatte.

Wenn Sie diesen Text lesen, ist Schubert bereits Ex-Trainer Borussias. Nehmen Sie diese Zeilen als Fazit und Erklärung, warum das so gekommen ist. Wünschen wir Sportdirektor Eberl die Weisheit für eine gute Entscheidung, und in der Folge dem neuen VfL-Trainer Dieter Hecking viel Erfolg. Die letzten Jahre haben richtig Spaß gemacht, viel mehr als die Darbietungen der letzten Monate, die sich am tristen Dasein in der Bundesligatabelle ablesen lassen.

Text: Ingo Rütten

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