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Foto: Sabrina Forst
Foto: Sabrina Forst

Der neue Borussen -Kodex

Simon Bender und „Jogi“ haben am neuen Borussen-Kodex für die Nordkurve mitgearbeitet. Im Interview erklären sie, was es damit auf sich hat und wie die Passagen zu verstehen sind.

Interview: Sabrina Forst

Was ist der Borussen-Kodex?

Jogi: Der erste Kodex wurde zur Winterpause 2006/2007 geschrieben. Wenn man so will, sind das Verhaltensregeln, die wir uns in der Nordkurve selber auferlegen. Deswegen hat auch ein Querschnitt aus der kompletten Fanszene bei der Überarbeitung mitgemacht. Ultras, Kutten, die Alten, „Normalos“ - wenn man es so ausdrücken will.

Warum war eine neue Version dieser Verhaltensregeln notwendig?

Simon: Es gab Formulierungen, bei denen Leute aus den unterschiedlichen Gruppierungen der Fanszene gesagt haben, dass sie nicht mehr zeitgemäß sind. In den letzten 10 Jahren ist generell sehr viel passiert, denn seit der WM 2006 sind immer mehr Fans in die Nordkurve gekommen. Und dann gab es noch ein paar neue und aktuelle Themen, zum Beispiel die Kommerzialisierung.

Was ist diesbezüglich Eure Position?

Jogi: Kommerz hat bei uns in der Kurve nichts zu suchen. Keine Sponsor-Fähnchen mit der Raute und Sponsor-Logo, keine Postbank-Bälle, die ins Publikum geschossen werden...

Simon: Die Nordkurve ist kein Werbeträger, sondern gehört einzig und allein den Fans.

„Keiner hat das Recht, sich an der Fanszene privat zu bereichern“, heißt es in einer anderen Passage. Was hattet Ihr hier im Sinn?

Simon: Es ist nicht okay, wenn jemand selbst kreierte Schals oder T-Shirts im Internet verkauft und sich das Geld in die Tasche steckt. Mit der Raute ist das zwar eh verboten, aber man kann durchaus auch mit Schriftzügen und Farben tricksen. Hier im Supporters-Club gibt es einen eigenen Shop, in dem Merchandise verkauft wird, im Stadion hat auch die Ultra-Szene ihren eigenen Kram, der verkauft wird. Die Gewinne fließen aber allesamt wieder zurück in die Nordkurve, vom Supporters-Club auch in den eigenen Betrieb, aber da bereichert sich ja niemand persönlich dran. Bei den Ultras werden davon die Choreos und Fahnen finanziert, die man im Stadion sieht. Alles, was zurückfließt oder einem guten Zweck dient, ist nicht gemeint, lediglich die private Bereicherung.

Lasst uns mal einige Aussagen durchgehen. Was bedeutet der Satz „Unsere Farben sind schwarz-weiß-grün“? Geht es da um andersfarbigen Trikots?

Jogi: Nicht nur, denn wenn ich zu Borussia gehe, werde ich nie etwas anderes tragen als Schwarz, Weiß, Grün oder eventuell noch Grau, aber niemals irgendwas Rotes. Das stört das Gesamtbild und passt einfach nicht. Man drückt mit den Farben schließlich seine Zugehörigkeit aus.

Simon: Es gibt immer mal wieder Leute, die nicht daran denken, dass eine rote Jacke in der Nordkurve beim Spiel gegen Köln gar nicht geht. Andererseits wollen wir auch den Hinweis geben, dass Gästefans in der Nordkurve falsch sind. Da nimmt dann der Borussen-Fan seinen Arbeitskollegen mit, der im Bayer-Trikot rumläuft. Das geht in der Nordkurve nicht.

„Vor allem die Blöcke 15, 16 und 17 sind für die Borussia-Fans reserviert, die aktiv Stimmung machen wollen“. Warum habt Ihr das extra in den Kodex geschrieben?

Jogi: Es gibt zum Beispiel Leute, die sich beschweren, wenn die Jungs ihre Fahnen schwenken, weil sie dann nichts sehen. Aber das ist nun mal so. Wenn mich das stört, dann muss ich mich eben woanders hinstellen.

Simon: Ein anderer Punkt ist, dass in der Nordkurve niemand nur rumstehen und zuschauen soll. Hier wird Stimmung gemacht, hier stehen die akustischen Mitarbeiter, jeder muss seinen Teil beitragen.

Ihr verurteilt Ausgrenzung, Gewalt und Diskriminierung in jeglicher Form. Ist das angesichts aktueller politischer Entwicklungen ein großes Thema in der Nordkurve?

Jogi: Nein. Borussia hatte noch nie eine politische Szene, weder links, noch rechts. Jeder hat privat seine Gesinnung, aber Politik hat bei uns nie eine Rolle gespielt. Trotzdem fanden wir die Aussage wichtig. Was bedeutet „Wir lassen uns nicht spalten“?

Simon: Es gibt immer mal Themen, bei denen man unterschiedlicher Meinung ist, die in der Fanszene auch für Kontroversen sorgen. Zuletzt gab es das Beispiel, dass die Ultra-Szene Palaver mit dem Verein hatte und bei den letzten beiden Heimspielen nicht mehr supportet hat. Wir wollen darauf hinweisen, dass wir selbst bei solchen Dingen eine Fanszene bilden, und die Dinge erst untereinander und nicht in der Presse klären sollten.

Im Kodex steht, dass Ihr sportlichen Erfolg wollt, aber nicht um jeden Preis. Welcher Preis ist gemeint?

Jogi: Da gibt es viele Möglichkeiten. Eine wäre, den Stadionnamen zu verkaufen…

Simon: … Anteilsverkäufe, Stehplätze abschaffen, um die Sitzplätze teurer zu verkaufen, Vereinsname oder Wappen ändern. Es gibt viele Möglichkeiten, noch mehr Geld zu machen, um zu den ganz Großen aufzuschließen, aber mit diesen Maßnahmen würde man dann vielleicht auch ein Stück weit die Seele des Vereins und das, was den Verein ausmacht, verkaufen.

Was heißt „Fußball ist für uns kein Event, sondern Sport“?

Simon: Es gibt einige Leute, die den Fußball in Deutschland nach amerikanischem Vorbild verwandeln wollten - mit großem Rahmenprogramm, einer Halbzeitshow, wo der Sport nur zum Beiwerk wird. Das gab es ja jetzt erst beim Pokalfinale, als Helene Fischer in der Halbzeit aufgetreten ist, bei Bayern Anastacia. Das hat aber mit unserem Spiel, das wir lieben gelernt haben, nichts zu schaffen und auch nichts dort zu suchen.

Und jeder, der neu ist in der Nordkurve, bekommt den Borussen-Kodex ausgehändigt?

Simon: Es gab eine Verteilaktion, bei der der neue Kodex auch den Nordkurven-Gängern in die Hand gedrückt wurde, aber in erster Linie hängt er überall aus. Sobald man in die Nordkurve geht, sieht man ihn.

Weitere Infos und den gesamten Kodex gibt es unter www.borussen-kodex.de

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