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André Hahn, Foto: Borussia/SiWe
André Hahn, Foto: Borussia/SiWe

Endspurt: Zahlt sich die Einkaufspolitik des Vfl jetzt aus?

Borussias Langzeitverletzte und ehemalige Stammspieler müssen sich gedulden, um wieder einen Platz in der Startelf zu erhalten.

In der ersten Halbserie dieser Bundesligasaison durften sich die VfL-Fans mehrfach die Augen reiben: Die unfassbare Niederlagenserie zu Beginn, der sensationelle Lauf nach den fünf Pleiten und der Rücktritt von Lucien Favre, aber auch das knappe Ausscheiden in der Champions League mit einigen tollen Auftritten. Das sorgte für Anerkennung, vor allem deswegen, weil Borussia vor der Winterpause gefühlt nach jedem Spiel einen neuen Langzeitverletzten beklagen musste. So richtig bemerkbar gemacht hat sich dieses Verletzungspech im DFB-pokal, da zeigte die verbliebene Mannschaft ohne allzu viele zum Zuschauen verdammte Leistungsträger dann doch, dass sie lange Zeit am Limit agiert hatte. Das 3:4 gegen Werder Bremen ist rückblickend dennoch die Ausnahme von der Regel.

In diesen Wochen zeigt sich, welchen hervorragenden Spielerkader Sportdirektor Max Eberl in den vergangenen Jahren zusammengestellt hat. Nicht, dass Borussia jedes Spiel gewinnen könnte. Aber die Art und Weise, wie sie oft die Gegner beherrscht und sogar wie dumm sie manch- mal die Spiele verliert, nötigt Respekt ab. Nach und nach lichtete sich in den zurückliegenden Wochen das Lazarett, und dass dies manchmal unmerklich geschah, liegt auch an der Tatsache, dass der vermeintlich zweite Anzug des VfL bestens passt und damit die ehemaligen Stammspieler auf die Bank zwingt. Borussia hat sicher nicht den Superstar in ihren reihen, zumal nicht im Vergleich zu den anderen Teams und Clubs, die regelmäßig um die von den Borussen avisierten Tabellenplätze mitspielen. Hierbei sei betont, dass das „regelmäßig“ im Satz zuvor die Überraschungsmannschaften wie Hertha BSC Berlin und Mainz 05 ausschließen soll, und nicht zuletzt sei von den internen Zielen des VfL gesprochen und nicht von jenen, die vor allem Eberl und Trainer André Schubert in die Öffentlichkeit transportieren.

Erwartungshaltung niedrig halten!

Die beiden Verantwortlichen sind natürlich daran interessiert, die Erwartungshaltung niedrig zu halten. Nach der fulminanten Leistung und dem aberwitzigen 1:2 auf Schalke hatte der „Erfolgsdruck“ wohl vereinsintern für schlechte Stimmung gesorgt. Doch das Umfeld reagiert normalerweise immer nur auf Entwicklungen und die ist nicht nur erst in diesem Jahr erneut eine positive bei Borussia. Ein Saisonfinale jenseits der Europapokalplätze ist auch für die Verantwortlichen nicht schönzureden, intern – da darf man sich sehr sicher sein – wird nicht nur die Hoffnung auf mehr, sondern auch das Streben nach mehr kommuniziert. Zu recht, denn auch ohne den Superstar – oder gerade deswegen – hat der VfL einen Spielerkader beisammen, der passt. Wie sehr ein Team in die Bredouille kommen kann, wenn dem nicht so ist, hat Borussia Dortmund in der vergangenen Saison bewiesen. Nach etlichen Verletzungen zeigte sich, dass die zweite Garnitur den hohen Anspruch nicht halten kann. Anders der VfL in dieser Saison: Selbst unangefochtene Stammspieler kommen nach ihren Verletzungen nicht wieder zu- rück in die Startelf. Fragen Sie mal bei Patrick Herrmann nach, der nach seiner Kreuzbandverletzung zunächst einmal den Joker spielen muss – und es spricht für sich, dass er das äußerst erfolgreich macht. Fragen Sie mal Julian Korb, der sich einst durchaus überraschend hinten rechts den platz sicherte; auch das ist meilenweit weg, Nico Elvedi hat ihm längst den rang abgelaufen, wobei auch ein anderes Spielsystem dem jungen Schweizer zugute kommt.

Tony Jantschke wird selbst gespannt sein

Gespannt wird vermutlich auch Tony Jantschke selbst sein, ob und auf welcher Position er wieder zum Stamm der Mannschaft gehören wird. Schon vor seiner Knieverletzung (Teilriss des Kreuzbandes) schien Schubert nicht so sehr auf den Allrounder zu stehen. Beim 5:0 gegen Hertha BSC feierte Jantschke sein Comeback, aber nicht in der Innenverteidigung und nicht als Rechtsverteidiger, sondern ab der 81. Minute im defensiven Mittelfeld, wo er einst einmal seine Laufbahn beim VfL begonnen hatte. Nach dem 5:0 hatten noch andere in den Hauptrollen agierende Borussen Grund, den Konkurrenzkampf und die Qualität im Spielerkader herauszuheben. André Hahn zum Beispiel, mehrere Monate verletzt, kam nur in die Startelf, weil seinerseits angeschlagen Raffael fehlte. Und Hahn nutze seine Chance, zumindest um auf sich aufmerksam zu machen, denn nicht jeder Akteur mag sich mit seiner derzeitigen ( Reservisten-) rolle zufrieden geben.

Spielerkader international auf Rotation ausgelegt

Dieser Borussenkader ist natürlich darauf ausgelegt, dass die Teilnahme am Europapokal viele Einsätze erforderlich und dem Trainer eine gewisse Rotation möglich macht. Insofern trifft es den einen oder anderen Borussen vor allem in der Rückrunde hart. Roel Brouwers, Marvin Schulz oder Branimir Hrgota; drei Namen, die nach Vergangenheit klingen und vermutlich auch für die Zukunft keine rolle mehr spielen werden. Auch das ist ein Indiz für eine gelungene Einkaufspolitik, die es auch verkraftet, wenn ein erhoffter Leistungsträger nicht in der nötigen Form ist und gesund auf der Bank sitzt. Thorgan Hazard zum Beispiel beweist in diesen Wochen, dass sich warten lohnen kann, für beide Seiten, auch Havard Nordtveit hat das in dieser Spielzeit schon bewiesen. Warten wir also das Saisonfinale ab und prüfen dann, ob unsere Erwartungshaltung zu groß oder doch der Konkurrenzkampf in der Mannschaft größer war?

Text: Ingo Rütten

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