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Die berliner BorussiaFanclubs zeigen Flagge bei Spielen der Borussia/ Foto: Spreeborussen`86
Die berliner BorussiaFanclubs zeigen Flagge bei Spielen der Borussia/ Foto: Spreeborussen`86

Ferne Liebe

Wie ist es, wenn man hunderte Kilometer von der eigenen Kurve entfernt lebt? Regisseur Martin Zeising portraitiert in seinem Film „Ferne Liebe“ Fußballfans verschiedener Clubs in Berlin, u.a. auch die Spreeborussen `86 mit ihrem Gründer Theo Weiß.

Interview: Chiara Porada

Der Auswärtsblock im berliner Olympiastadion/ Foto: Spreeborussen`86
Der Auswärtsblock im berliner Olympiastadion/ Foto: Spreeborussen`86

Worum geht es im Film?

Martin Zeisig: Zuerst gucken wir uns bei den einzelnen Fanclubs in Berlin um und erleben die Spieltage mit ihnen – in ihrer Kneipe, auf der Autobahn auf dem Weg zum Spiel etc. Am Ende findet das Kickerturnier „Siege statt Hiebe“ statt, bei dem die Fanclubs in Trikots, Schals und mit Schlachtengesängen am Kickertisch gegeneinander antreten. Und sie feiern, bei aller Rivalität und sportlichem Ehrgeiz, ein friedliches Fußballfest. Man hört ja viel von bösen Fußballfans, die betrunken grölen oder sich prügeln und daher dachte ich, muss man mal in die Welt hinaustragen, dass es eben auch gewaltfrei und respektvoll geht.

Wie kamst Du auf Berlin?

Martin Zeisig: Ich lebe in Berlin und bin auch selbst dort Exilfan vom 1.FC Nürnberg. Berlin ist eine Stadt der Zugezogenen. Die Leute kommen wegen des Studiums, der Arbeit oder der Liebe in die Hauptstadt und bringen ihren Lieblingsverein mit. Außerdem ist Berlin groß genug, dass es dort genügend Leute eines Vereins gibt, um sich in Kneipen zu treffen und einen eigenen Fanclub zu gründen.

"Rosa" - das Sparschwein der Spreeborussen in ihrer berliner Stammkneipe/ Foto: Spreeborussen`86
"Rosa" - das Sparschwein der Spreeborussen in ihrer berliner Stammkneipe/ Foto: Spreeborussen`86

Wie bist du Borusse geworden, Theo?

Theo Weiß: Meine Mutter kommt aus Korschenbroich und ich bin in Siegen großgeworden. Als Jugendlicher war ich oft auf dem Bökelberg und ab 18 bin ich dann jahrelang zu jedem Spiel gefahren. Mittlerweile fahre ich noch zu etwa sechs Spielen pro Saison. Highlights sind dann z.B. der Europapokal, denn: Es ist nicht mehr so schön, heute zum Fußball zu gehen. Die Stadien sind 0-8-15, man ist immer irgendwo am Stadtrand, bekommt nicht mehr viel von der Stadt mit und wird, wenn man am Bahnhof ankommt, als Auswärtspulk direkt zum Shuttle geschleust.

Was unterscheidet das Exil-Fansein vom Fansein vor Ort?

Theo Weiß: Das Gemeinschaftliche zählt, dass man seine Sinnesgenossen trifft, zusammen feiert und das über die Jahre auch zu tiefen Freundschaften führt. Letztendlich macht es keinen großen Unterschied, ob es in der Stadt selbst ist oder in einer anderen, alle haben die gleiche Leidenschaft, diskutieren und fiebern mit. Wenn wir uns in der Kneipe, im Spree-Eck, treffen, ist es so, als würden wir die Live-Atmosphäre aus dem Stadion nachspielen – wenn denn keine Schwierigkeiten entstehen, z.B. dass die Fankneipe schließt oder es Probleme mit Sky gibt. Es ist einfach eine Ecke mehr Aufwand und man muss organisatorisch mehr auf die Reihe bekommen, als sich mal eben in die Regionalbahn zu setzen. Wenn man 600 km bewältigen muss, ist das auch meistens mehr als ein Tagesausflug, in der Regel geht das Wochenende drauf. Und je nachdem, zu wie vielen Spielen man fährt auch der Jahresurlaub und das Geld.

Foto: Spreeborussen`86
Foto: Spreeborussen`86

Wo seid Ihr denn lieber – im Stadion oder in der Kneipe?

Theo Weiß: Klar im Stadion! Da sehe ich das Spiel ohne Werbung, wie ich es sehen will, und nicht, wie der Sky-Regisseur es zusammenschneidet.

Martin Zeisig: Es gibt auch keinen, der das nicht sagt. Also auch die Kneipengänger in den Fanclubs würden, wenn es denn ginge, viel öfter im Stadion sein.

Welche Erfahrungen hast Du beim Dreh gemacht?

Martin Zeisig: Das Grundlegendste war: Egal, für wen die Fans fiebern, eigentlich schlägt nur das Herz in einer anderen Farbe, aber alle sind mit der gleichen Leidenschaft dabei. Was manchmal selbst in Berlin auffällt, sind die regionalen Unterschiede. Bei den Schwaben ist z.B. alles durchorganisiert, während es beim Pauli-Fanclub eher nach dem Motto „Wir machen das schon irgendwie“ läuft. Was ich persönlich bemerkenswert fand, war, dass wann immer man Fans gefragt hat, was sie gerade mit ihrem Verein verbindet, sie immer erst mit den Leidensmomenten anfangen. Vielleicht bedeutet das ja, dass Fußballleidenschaft wirklich von Leiden kommt.

Mehr Infos zum Film:
www.exilfans.de/ferne-liebe-2

Fanclub Spreeborussen `86
www.spreeborussen86.de

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