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Borussias Sportdirektor Max Eberl fand deutliche Worte in seiner Kritik an den eigenen Fans, nach dem 3:1 Heimsieg gegen den Hamburger SV. / Foto: VFL Borussia Mönchengladbach
Borussias Sportdirektor Max Eberl fand deutliche Worte in seiner Kritik an den eigenen Fans, nach dem 3:1 Heimsieg gegen den Hamburger SV. / Foto: VFL Borussia Mönchengladbach

Luxus-Ärger...

… aber hat diese VfL-Mannschaft tatsächlich immer ihr Potenzial ausgeschöpft?

Text: Ingo Rütten

Max Eberl ist ein Freund deutlicher Worte, das hat er mal wieder eindrucksvoll nach dem 3:1-Heimerfolg gegen den Hamburger SV bestätigt. In eigentlich unangemessener Wortwahl beschimpfte er Teile der VfLFans, die zuvor wiederum seine Mannen ausgepfiffen hatten. Und natürlich blieb dieses Thema in den nächsten Tagen rund um das Pokalspiel gegen Bayer Leverkusen heiß, möglicherweise hatte der VfLSportdirektor genau deswegen so derb zugeschlagen. Eberls Kritik an den eigenen Fans ist nachvollziehbar, und doch sind auch die Pfiffe verständlich. Denn viele der VfL-Fans dürften häufig genug in den vergangenen Monaten gezweifelt haben, ob diese VfL-Mannschaft tatsächlich immer ihr Potenzial ausgeschöpft hat.

Vermutlich wird kein Fußballprofi der Welt absichtlich schlecht spielen. Wenn, dann steht sein Club ganz sicher nicht auf einem Tabellenplatz im oberen Drittel des Tableau. Dass Borussia auf dem sechsten Rang dort überwintert, darf angesichts der gezeigten Leistungen in der Hinrunde getrost als Erfolg gewertet werden. Eine Tabelle aber wird im Stadion selten bejubelt oder ausgepfiffen, es sind häufiger die Leistungen der Akteure, die ein direktes Feedback von den Rängen abrufen. Und spätestens, wenn sich eine gewisse Unzufriedenheit eingestellt hat, dann reflektieren Fußballfans nicht mehr, ob ein 18-Jähriger oder der erfahrene Nationalspieler einen als unnötig eingestuften Rückpass spielt.

Erwartungshaltung der Fans tatsächlich zu hoch

Das Problem ist ganz einfach zu benennen: Aber ist die Erwartungshaltung der Fans tatsächlich zu hoch? Nimmt man die letzten anderthalb Jahre zum Maßstab, dann vermutlich ja. Geht man etwas weiter zurück, dann eher nein – zumal auch keiner der anderen Clubs, mit denselben Ansprüchen wie der VfL, sich in dieser Zeit sonderlich hervorgetan hat. Das allerdings spricht erneut für Eberl, denn es ist nicht ganz so einfach, Wunsch und Realität so anzunähern, dass alle im Verein und alle drumherum happy sind; fragen Sie mal in Dortmund nach.

Die Pfiffe beim Spiel gegen den HSV kamen auch unter dem Eindruck der 0:1-Niederlage des VfL ein paar Tage zuvor in Freiburg zustande. Wie immer präsentierte sich Borussia im Breisgau in Geberlaune, zu keinem Zeitpunkt der Partie hatte man den Eindruck, Borussia könne etwas mitnehmen aus Freiburg. Schon zuvor in Wolfsburg beim 0:3 ließ das Team von Trainer Dieter Hecking die Chance auf den zweiten Tabellenplatz ungenutzt, und im Heimspiel gegen Schalke 04 lief der Spielverlauf auch darauf hinaus, dass Borussia am Ende über den einen Punkt beim 1:1 froh sein musste, und nicht am Konkurrenten aus Gelsenkirchen in der Tabelle vorbei ziehen konnte.

Bei solchen Ereignissen und Ergebnissen vergisst die Fanseele mitunter, dass es eigentlich doch ganz gut läuft beim VfL. Während die Nordkurve sich also an der Punkteausbeute im Goßen und Ganzen erfreut, denken sich andere im Stadion, dass da noch viel mehr möglich sein muss. Das sind vielleicht auch jene von Eberl benannten Besucher, die nicht jedes Spiel sehen, vielleicht nur die richtig schlechten im Kopf haben: und pfeifen. Das ist nicht schön, aber damit muss die Mannschaft leben können, denn zweifelsohne hat sie in der Hinrunde schlechte Spiele gezeigt. Trotzdem hat Eberl Recht, und abgesehen von der Wortwahl darf er sich auch entsprechend äußern. So etwas kann sich ohnehin nur jemand erlauben, der in der Vergangenheit mehr richtig als falsch gemacht hat und demzufolge fest im Sattel sitzt.

Borussia liegt in Schlagdistanz

Borussia liegt in Schlagdistanz zu den Tabellenplätzen, die am Ende der Saison internationalen Fußball ermöglichen. Hecking hat die Mannschaft stabilisiert, mit dem Coach punktet Borussia kontinuierlich – und so darf der Fan erwarten, dass in weniger als einem halben Jahr eine ähnliche Platzierung heraus kommt. Sieht man sich den Spielerkader des VfL an, dann darf man aber auch behaupten, dass dies in etwa der Erwartungshaltung entsprechen sollte. Jetzt kann man sagen, Dortmund und Leipzig sind – natürlich neben den Bayern – besser aufgestellt, aber gilt das auch für Leverkusen und Schalke?

Vielleicht gelingt es Borussia mit ein bisschen mehr Glauben an die eigene Stärke, mit einem bisschen mehr Mut, mir weniger Verletzten und großer Fanunterstützung doch noch, den einen oder anderen Platz nach oben zu klettern. Nicht nur, wenn die anderen patzen, sondern dauerhaft . Leipzig ist in der Europa League zunächst weiter doppelbelastet, Schalke und Leverkusen müssen ihre gute Hinserie auch erst einmal wiederholen. Wäre da ein bisschen mehr Erwartung, vielleicht sogar ein wenig Druck seitens der sportlichen Führung Borussias nicht angebracht?

Nach außen hin nicht, das tut selten gut. Aber intern sollte Eberl über die Pfi ff e der Fans – egal wo sie im Borussia-Park sitzen oder stehen – anders reden als vor den Mikrofonen der Journalisten.

Wie gut, dass es zum Rückrundenauft akt am 14. Januar direkt die Möglichkeit gibt, die Fanseelen auf Dauer glückselig zu machen, das Derby in Köln steht an. Vermutlich eine bessere Gelegenheit für die Hecking-Elf, zu punkten als in den beiden Spielen danach gegen Augsburg und in Frankfurt; aber wer weiß, vielleicht ändert sich an dieser Logik in der Rückrunde ja etwas?

TERMINE IM JANUAR

Bundesliga So. 14.01. 15:30 1. FC Köln - BORUSSIA
Bundesliga Sa. 20.01. 15:30 BORUSSIA – FC Augsburg
Bundesliga Fr. 26.01. 20:30 Eintr. Frankfurt – BORUSSIA

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