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Andreas Christensen / Foto: Borussia
Andreas Christensen / Foto: Borussia

Sommerpause diesmal ohne Euphorie

Borussia muss die richtigen Schlüsse ziehen und sich je nach sportlichem Ziel in der Spitze verstärken.

Text: Ingo Rütten

Es ist schon eine Weile her, dass Borussia mit einem derart schlechten Gefühl und in Summe enttäuscht in eine Sommerpause geht. 2013 verpasste der VfL nach einem Jahr in der Europa League auf Rang acht der Abschlusstabelle den erneuten Sprung nach Europa. Doch da lag ein Jahr zuvor eine Sensationssaison mit Platz vier und eine bis dato ungewohnte Doppelbelastung hinter den Borussen, von Enttäuschung also keine Spur. Zudem stand in Lucien Favre ein Trainer an der Seitenlinie, der vermutlich auch 15. hätte werden können, nachdem, was er für den Club in den anderthalb Jahren zuvor erreicht hat.

Na klar, Favres Hinterlassenschaft mit zweimal Champions League und Plätzen in der Meisterschaft zwischen sechs und drei haben die Erwartungshaltung nach oben katapultiert. So ist es einerseits verständlich, dass hier und da Offizielle des VfL den 9. Platz in diesem Jahr zum Selbstschutz als Erfolg verkaufen möchten, andererseits spiegelt das nicht das Selbstverständnis wider, dass sich Borussia in den vergangenen Jahren aufgebaut hat. Die (latente) Unzufriedenheit der Fans ist da schon nachvollziehbarer – und Dieter Hecking tut gut daran, als aktueller Borussentrainer seine Enttäuschung nicht allzu sehr zu verstecken. „Ich habe gesagt, dass wir selber unsere Hausaufgaben lösen müssen. Hätten wir sie gelöst, wären wir jetzt sechster. Das haben wir nicht gemacht und von daher bin ich schon enttäuscht“, meinte Hecking im Nachgang zum 2:2-Unentschieden am letzten Spieltag gegen Darmstadt 98. Es war die letzte von drei Punkteteilungen gegen Abstiegskandidaten nacheinander, und der letzte Beweis, dass es diese Borussia irgendwie auch nicht imstande war, sich für einen internationalen Wettbewerb in der kommenden Spielzeit zu qualifizieren. Man müsse ehrlich sagen, „dann hast du es letztlich auch nicht verdient, dass mehr dabei herauskommt“, nannte Hecking das, im Wissen, was die geschundene Fanseele gerne hören mag.

Trainer Dieter Hecking / Foto: Borussia
Trainer Dieter Hecking / Foto: Borussia

Vielzahl hochkarätiger Chancen liegen gelassen

Auch Borussias Spieler waren überwiegend enttäuscht, zu viele Chancen hatten die Gladbacher nicht nur während der 90 Minuten regelmäßig auf dem Feld liegen lassen, sondern auch tabellarisch immer wieder dadurch verbockt. „Wir haben eine Vielzahl hochkarätiger Chancen liegen gelassen, wo wir die Konsequenz hätten zeigen müssen, das Spiel zu entscheiden“, sagte Hecking nach dem Darmstadtspiel und hätte damit rund die Hälfte der Rückrundenpartien meinen können. „Und dann daddelst du auch noch in der Defensive rum und lädst den Gegner förmlich ein“, ärgerte sich der Coach weiter – auch nicht zum ersten Mal, seitdem er in Mönchengladbach das sportliche Sagen hat.

Die VfL-Fans, die ihrerseits alleine durch die Pfiffe gegen Mo Dahoud auch keine sonderlich ambitionierte Darbietung boten, ehe diese merkwürdige Saison ein Ende nahm, dürfen recht sicher sein, dass Hecking alles versuchen wird, den VfL wieder ein paar Plätze weiter nach oben in der Tabelle zu hieven. Zumindest insofern macht die Rückrunde schon Mut, auch wenn die Leistung insgesamt weniger erfreulich als die Punkteausbeute (28) war. Natürlich haben auch die Verletzungssorgen, die ebenfalls eine Konstante in der vergangenen Spielzeit waren, ihren Teil dazu beigetragen, dass Borussia wie Schalke und Leverkusen mit leeren Händen dasteht. Und natürlich sollten alle froh sein, dass es nach der Hinserie unter Coach André Schubert nicht noch schlimmer gekommen ist: Wolfsburg lässt grüßen.

Nicht alleine mit Pech zu erklären

Doch die Art und Weise, wie Borussia mit ihren Chancen umgegangen ist, aus einer eher schlechten, eine richtige gute Saison zu machen, ist besonders enttäuschend. Das Aus in der Europa League gegen Schalke war so unnötig wie ärgerlich, und die Niederlage im DFB-Pokal reiht sich ein in eine Serie, die nicht alleine mit Pech im Elfmeterschießen zu erklären ist. Hecking muss Sportdirektor Max Eberl nun deutlich aufzeigen, dass Eberl wiederum die Erwartung etwas nach oben schrauben sollte und seinerseits bei den Entscheidern im Club die finanziellen Möglichkeiten dafür schaffen muss. Will heißen, Borussia sollte sich jetzt überlegen, ob sie das kommende feine Vereinshotel auch in der Woche zu Europapokalspielen belegt haben möchte, oder ob Rang neun ausreicht? Im letzteren Fall reicht es, mit Talenten aus dem In- und Ausland für die Zukunft zu planen, andernfalls muss auch mal etwas in die Spitze des Kader investiert werden.

Die Problemzonen sind bekannt. „Hinten konzentriert arbeiten und vorne die Konsequenz haben, das Spiel zu entscheiden“, umschreibt es der Trainer. Dumm nur, dass in Andreas Christensen der vermutlich beste Defensivakteur des aktuellen Spielerkaders nach zwei Jahren wieder nach England geht. Hier muss dringend nachgebessert werden. Und im Angriff bringt Masse eben doch weniger als Klasse – diese Aufgabe dürfte für Eberl noch schwieriger zu lösen sein. Die nächste Saison bietet ohne die Zusatzbelastung aber auch eine Chance, sich wieder zu berappeln. Denn sind wir ehrlich, die nächste Saison muss Borussia wieder nutzen, um die vor dem VfL platzierten Teams aus Köln, Berlin, Freiburg und Bremen zu zeigen, dass das nur dieses einzige Mal möglich für sie war. So viel Selbstbewusstsein darf erlaubt sein, auch und gerade nach den Erfahrungen der zurückliegenden Monate – allerdings nur dann, wenn daraus die richtigen Schlüsse gezogen werden. Die Sommerpause dieses Mal ist also weniger geprägt von Euphorie, spannend wird sie trotzdem.

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