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Vermutlich braucht er unsere Tipps nicht, aber VfL-Trainer André Schubert freut sich vielleicht über manche Bestätigung seiner Ansichten.
VfL-Trainer André Schubert

Trainer, Thesen, Temperamente

Die Rückrunde in der Fußball-Bundesliga läuft, Borussia kämpft um den Einzug in den Europapokal – wir wissen, wie es geht.

Wir Fußballfans sind bekannt dafür, zumindest im Nachhinein alles besser zu wissen als die verantwortlichen Trainer. Wir schießen härter und genauer als die Spieler, wir gehen gezielter in die Zweikämpfe und haben die ausdauerndere Kondition. Wir, das sind wir alle; wir VfL-Anhänger, die unbedingt wieder dorthin kommen wollen, wo es diese schicke Hymne vor den Spielen gibt: in die Champions League, mindestens aber in die Europa League. Und da der Rückrundenauftakt zwar schon hinter uns, aber etliche weitere „Endspiele“ und damit die entscheidende Saisonphase noch vor uns liegt, wagen wir an dieser Stelle einen Ausblick, geben die vermeintlich richtigen Tipps und stellen erfolgsversprechende Thesen auf.

Die erste These ist vermutlich die einfachste; auch braucht VfL-Trainer André Schubert wohl keinen Tipp, wen er denn zwischen die Pfosten stellen sollte. Zwar hat Borussia derart viele Gegentore hinnehmen müssen, dass Yann Sommer vielleicht bei Außenstehenden zumindest mal ein kleines Fragezeichen verpasst bekommen könnte. Doch wissen jene, die sich halbwegs mit dem VfL beschäftigen, dass die vielen Gegentreffer erstens eher mit der neuen taktischen Ausrichtung in der Post-Favre-Ära und zweitens mit dem ständig wechselnden Personal in der Hintermannschaft zusammenhängen. Noch lange werden Nico Schulz, Álvaro Dominguez und Tony Jantschke verletzt fehlen – und damit hat einzig Oscar Wendt weiterhin einen Freifahrtschein. Nein, nicht alle Hobby-Trainer sind Fans des Schweden, zu arglos präsentiert sich der zum „Borussen der Hinrunde“ gewählte Außenverteidiger in der Defensive dafür. Dennoch gehört er zurecht zur ersten Wahl in der Viererkette, die in Martin Hinteregger ein neues Gesicht in der Winterpause erhalten hat.

Publikumsliebling Ibrahima Traoré
Publikumsliebling Ibrahima Traoré

Martin Stranzl dagegen darf froh sein, wenn er gesund bleibt
Hinteregger und Andreas Christensen werden Innen verteidigen, Martin Stranzl dagegen darf froh sein, wenn er gesund bleibt, Roel Brouwers spielte unter Schubert ohnehin bisher keine Rolle. Steht Hinteregger nicht seinen Mann, wird Havard Nordtveit nach hinten rücken, zumindest solange sein Wechsel nach England noch nicht als perfekt gemeldet wird. Julian Korb dürfte sich dann auch freuen, wäre er doch weiterhin auf der rechten Verteidigerposition gesetzt. Mit Nordtveit wird auch Granit Xhaka am Ende der Saison den VfL Richtung England verlassen, bis dahin wird der Schweizer noch zweimal wegen Gelbsperren und einmal wegen einer Gelb-Roten Karte pausieren müssen. Somit kommt Xhaka nur noch auf elf Spiele für Borussia – ehe sich Sportdirektor Max Eberl über die fetteste Einnahme in der Clubgeschichte und viel Arbeit bei der Nachfolgesuche für zwei richtig gute „Sechser“ freuen darf. Weniger Emotionen und Kontobewegung werden im kommenden Sommer die Transfers von Josip Drmic und Thorgan Hazard verursachen, die beide eine enttäuschende Halbserie hinlegen werden und sich neue Herausforderungen suchen (müssen). Neuzugang Jonas Hofmann schlägt ein, André Hahn kommt gestärkt zurück und auch das Knie von Patrick Herrmann hält; der schnelle Flügelspieler wird nach mächtigem Anlauf zum Ende der Saison wieder in Bestform sein, so dass Eberl eine weitere Baustelle bearbeiten muss. Die Stammbesetzung auf den Flügeln bilden aber in der Rückrunde wieder Fabian Johnson und Ibrahima Traoré – und das wird richtig gut!

Vorne toben sich Stindl und Raffael aus
Ganz vorne toben sich bis auf Weiteres Lars Stindl und Raffael aus – ihre Treffsicherheit wird mitentscheiden, ob der VfL in der kommenden Saison wieder international spielen wird oder ob es nur zum Saisonziel von Eberl reicht: „einstelliger Tabellenplatz“. Das klingt schon sehr nach Tiefstapelei und wäre aus heutiger Sicht auch eher enttäuschend. Damit das nicht passiert, muss auch VfL-Trainer Schubert Tipps annehmen und bestenfalls auf unnötige Rotation verzichten – das hat sich hoffentlich durch die fehlende Dreifachbelastung ohnehin erledigt. Gefühlt brauchen beispielsweise Nico Elvedi und Marvin Schulz noch ein bisschen Zeit, um wirklich Alternativen zu sein. Doch: Fußball ist nicht vorhersehbar und manche Formkurve kann in beide Richtungen verlaufen. Wer weiß, vielleicht spielt Branimir Hrgota seine beste Rückrunde, seitdem er bei Borussia ist, und alle Verantwortlichen ärgern sich am Ende der Spielzeit, dass sein Vertrag aus- und er davonläuft? Wünschenswert ist vor allem, dass das Verletzungspech der Hinserie nicht anhält, denn wenn der VfL eine erfolgreiche Halbserie spielen will, dann darf das nicht wieder passieren. Ob, und wenn ja wer, von den Langzeitverletzten noch einmal an Bord kommt, ist genauso unklar wie viele der Thesen oben im Text – einzig das ungezügelte Temperament Xhakas scheint sicher. Da sind wir uns doch einig, oder?

FOTOS: BORUSSIA/SIWE
TEXT: INGO RÜTTEN

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