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Walli / Foto: Ralph Paulus
Walli / Foto: Ralph Paulus

Walli weiß Alles!

Wenn sich jemand mit Borussia auskennt, dann ist es Walli. Sie heißt eigentlich Waltraut Hamraths und war schon in Sachen Borussia unterwegs, als der VfL noch in der Oberliga West spielte. Von Anfang an hat sie sich im FPMG Supporters Club e. V. (ehemals Fanprojekt MG) eingebracht, indem sie zum Beispiel jeden Nachmittag in Eicken den Fanladen betreute, sich um Eintrittskarten und Fanartikel kümmerte. Noch heute ist sie beim FPMG aktiv und – wann immer es geht – bei den Spielen der Fohlenelf dabei. Wir sprachen mit ihr über ihr Leben als Borussia-Fan und ihren Einsatz für den Fan-Nachwuchs.

Interview: Sabrina Forst

 

Foto: Ralph Paulus
Foto: Ralph Paulus

Wie sind sie Borussia-Fan geworden?

Nach dem Krieg hattest du ja nichts anderes, es gab ja nichts. Du warst froh, dass du überhaupt mal wohin gingst, dann gingst du zu Borussia. Ich habe später 20 Jahre in Eicken gekellnert – beim Vereinshaus von Borussia. Mein Mann und mein Sohn waren leidenschaftliche Tischtennisspieler, meine Tochter und ich Fußballfans. Meine Tochter ging damals auch schon in die Nordkurve.

Wie kann man sich den damaligen Fanladen in Eicken vorstellen?

Das war ein richtiger Laden mit einer langen Theke, einem kleinen Büro und einer Toilette. Unten waren die Kellerräume, ein Treffpunkt für Jugendliche. Es gab nicht diesen reinen Konsum wie heute. Alle haben mitgemacht und mussten helfen. Man bekam auch nicht überall Fan-Artikel zu kaufen. Viele Sachen waren selbstgemacht. Damals durften wir ja noch die Raute einfach verwenden. Heute ist das verboten. Es kamen viele Jugendliche, die vielleicht sonst auf die schiefe Bahn geraten wären, mit denen haben wir gelesen, gerechnet - einer wurde von zuhause rausgeschmissen, nachdem die Mutter neu geheiratet hatte, der kam auch immer und ist heute ein Pfundskerl geworden. Thomas Ludwig wohnte auch in Eicken. Der war jeden Tag da, der hatte kein Fernsehen zuhause, da hat der bei uns geguckt.

An was erinnern sie sich besonders gerne?

Eben an das Gemütliche. Du hattest mehr Kontakt untereinander. Heute hast Du nicht mal 5 Minuten, wo Du Dich mal mit jemandem unterhältst. Es kommen ständig andere Leute. Damals wurden auch nicht so viele Karten verkauft. Die Karten verkaufte Spiecker. Manchmal hab ich gesagt: „Komm, wir machen halbe/halbe, gleich kommen ein paar Jugendliche, die haben kein Geld und dann kannst du die damit beglücken.“ Wenn sie brav waren die ganze Woche und die Schularbeiten gut gemacht haben, dann bekamen sie eine Karte von mir. Noch heute sagen mir manche: „Weißt du, dass ich von dir die erste Karte gekriegt habe?“ Früher wurden in der Halbzeit auch noch die Tore aufgemacht. Da konnten die rein, die keine Karte hatten und wenigstens noch die zweite Halbzeit sehen. Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen.

Foto: Ralph Paulus
Foto: Ralph Paulus

Der Mythos zieht um“, hieß das Motto des von Borussia Mönchengladbach und dem FPMG am 30. Juli 2004 organisierten Fanumzugs vom Bökelberg zum neuen Nordpark. Wie haben Sie den Umzug erlebt?

Was haben wir geweint! Wir wollten doch in Eicken nicht weg. Beim Umzug sind wir zu Fuß gelaufen. Es war brütend heiß. Ein Stück bin ich auf einem Wagen mitgefahren und beim Aufstehen fast umgekippt. Ein Jugendlicher hat mir ein Glas Wasser gebracht. Aber es war schön. Und dann habe ich auch mit auf dem Spielfeld gestanden und die Fahne geschwungen.

Was hat sich seit Beginn des Fanprojekts verändert?

Ich bin immer noch gern dort, aber früher war es anders, mehr wie eine Familie. Die Jugendlichen kamen jeden Tag und fragten: „Walli, sollen wir heute was tun?“ Und auch die ganzen Trainer besuchten uns und die Borussen kamen in Eicken in die Fankneipe. Heute kannst Du nicht mehr einfach zum Eberl gehen und „Hallo“ sagen.

Sie Sind heute mit über 80 noch immer bei den Auswärtsspielen dabei und bringen von jeder Fahrt Anstecker mit. Welcher ist ihr liebster?

Ich habe drei Mützen, voll mit Pins bestimmt 200 Stück. Ich fahr am liebsten nach Liverpool. Wenn der Graham hier ist, gehen wir mit ihm frühstücken. Und wir tauschen uns mit den Fans aus. Wenn ich in Liverpool bin, bring ich was mit, und andersherum bringen sie mir was mit.

Viele weitere Infos zum Fanprojekt und einige liebvolle Stimmen zu „Walli“ gibt es auf der Webseite des FPMG unter: www.fp-mg.de/de/beitrag-zwei/unser-team/ waltraud-walli-hamraths.html

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