Magazin-Rubriken

September 2017

Aktuelle Ausgabe als PDF - September 2017
Aktuelle Ausgabe
PDF
Weitere Ausgaben
Archiv

Veranstaltungen

< September 2017 >
Mo Di Mi Do Fr Sa So
        1 2 3
4 5 6 7 8 9 10
11 12 13 14 15 16 17
18 19 20 21 22 23 24
25 26 27 28 29 30  
VfL-Trainer André Schubert.
VfL-Trainer André Schubert.

Zuwendung im Gegenwind

Durch den miesen Start in die Rückrunde hat André Schubert seinen Zauber noch nicht ganz verloren, aber den Bonus aufgebraucht.

Dass der Schatten des Ex-Trainers lang und die Fußstapfen von Lucien Favre groß sein würden, das dürfte André Schubert von Beginn an klar gewesen sein. Der Cheftrainer des VfL hat seinen Zauber zwar noch nicht ganz verloren, doch sein Bonus schien bereits nach den ersten Spielen der Rückrunde in der Bundesliga aufgebraucht. Spätestens nach der enttäuschenden Vorstellung samt 2:3-Niederlage der Fohlen beim Hamburger SV muss Schubert Gegenwind ertragen – erwarteten Gegenwind.

Welch ein Unterschied! Favre wurde nach den ersten zwölf Spielen als VfL-Coach unter seiner Regie auf Händen getragen. Er rettete nicht nur den VfL mit 20 Punkten in der Rückserie vor dem Abstieg, er rettete auch Sportdirektor Max Eberl und vermutlich den meisten der anderen Verantwortlichen sprichwörtlich den Hals. Die „Initiative Borussia“ – heute in der Erinnerung mehr Lachnummer denn ernste Alternative für die Chefetage Borussias – hatte nach der fulminanten Rettung und des Auftrittes der Borussen unter Favre keine Chance, das Ruder an sich zu reißen. Eine Initiative gegen irgendeinen Borussen wäre auch heute chancenlos, aber Schubert darf sich nicht annähernd über eine solche Zuwendung der Mönchengladbacher Fußballfans freuen, die Favre vermutlich länger im Amt hielt, als er selbst gedacht hatte.

Schuberts Einstand: Wunderbar!
Dabei hat Schubert einen noch weitaus erfolgreicheren Einstand gefeiert: in zwölf Spielen holte er neun Punkt mehr als der Ex-Trainer, 29 Zähler zum Ende der Hinrunde nach fünf Niederlagen zum Auftakt, das schien wunderbar. Und es war wunderbar, das zeigt sich in diesen Wochen. Der Winter ist für den VfL durchaus als grau zu bezeichnen, drei Schlappen in den ersten vier Rückrundenspielen und das Abrutschen auf den siebten Tabellenplatz vor dem Derby gegen den 1. FC Köln kommen den fünf Pleiten zu Saisonbeginn recht nahe.

Einer von vielen Abwehrspielern, die in dieser Saison bereits zum Zuge kamen und nicht immer zu überzeugen wussten: Nico Elvedi.
Abwehrspieler Nico Elvedi.

Das Pokalaus und in der Summe dann auch das Ausscheiden aus der Champions League machen die zumindest zwischenzeitliche Enttäuschung so richtig erklärbar. Der Sportdirektor hatte vor Saisonbeginn einen einstelligen Tabellenplatz als durchaus respektabel erklärt – wohlgemerkt noch mit Favre als Trainer. Doch so richtig ernst nehmen die VfL-Fans dieses niederrheinische Understatement nicht, und auch intern gibt es andere Verlautbarungen. Ungeachtet des weiteren Saisonverlaufes sind sich die heimischen Fußballfreunde mittlerweile gewiss, dass sich einiges geändert hat unter Schubert. Vor dessen Ära war eine 1:0-Führung Borussias in den allermeisten Fällen gleichbedeutend mit einem Sieg. Die Abwehr stand so sicher, dass irgendwann auf der anderen Seite ein glücklicher Moment für drei Punkte reichte. Schubert lässt aggressiver und offensiver spielen, zudem ist gerade die Hintermannschaft durch viele Verletzungen gebeutelt, das allzu oft wechselnde Personal lässt viel zu viele Gegentore zu. Und das, obwohl Yann Sommer im Tor erneut eine sehr solide Runde spielt. Noch schlimmer, die Fahrlässigkeit in der Abwehr bringt die Borussen oft in Rückstand; und ist das erste Gegentor kassiert, liegt das zweite häufig schon in der Luft. Wenn dann in der Offensive solche Tormöglichkeiten ungenutzt bleiben, wie beispielsweise beim 0:1 beim FSV Mainz 05, dann darf man sich nicht mehr über (vermeidbare) Niederlagen wundern.

Trübsal blasen ist unangebracht
Und trotzdem: Trübsal blasen ist unangebracht, schon im März kann der VfL einen großen, einen riesigen Schritt in die richtige Richtung machen. Gegen Wolfsburg und Schalke geht es gegen die direkte Konkurrenz, nimmt man Eberls Saisonziel als Maß, dann ist dagegen eher der VfB Stuttgart im ersten Heimspiel des Monats ein Team auf Augenhöhe. Und Eintracht Frankfurt hat einen im Angriff, der Abwehrfehler gnadenlos bestraft; solch einen wie Alex Meier hätten die Borussen sicher auch gerne, auch wenn man sich über das Offensivduo Lars Stindl und Raffael vermutlich die wenigsten Sorgen machen muss. Nicht ganz sorgenfrei sind die VfLFans, die bislang noch keine Tickets für die restlichen Heimspiele dieser Saison haben: Für die Partie gegen Leverkusen am vorletzten Spieltag stehen schon seit zwei Wochen keine Tickets mehr für Heimfans zur Verfügung. Bei den Begegnungen gegen Eintracht Frankfurt (11.-13. März), Hertha BSC (1.-3. April) und 1899 Hoffenheim (22.-24. April) sind in mehreren Bereichen ebenfalls alle Tickets ausverkauft. In der Zuschauertabelle rangiert Borussia in etwa dort, wo die Fans ihr Team auch am Ende der Saison stehen sehen wollen: auf dem fünften Platz. Den sollte Schubert anpeilen, Rang sechs wäre gefühlt das Mindeste, der siebte Rang eine herbe Enttäuschung, einstellig hin oder her. Und es spricht für Schubert und dessen Mannschaft, dass auch der Traum von der Champions League nach dem erneut miesen Start in eine Halbserie in dieser Spielzeit noch lange nicht ausgeträumt ist.

TEXT: INGO RÜTTEN

FOTOS: BORUSSIA/SIWE

Zurück

Diese Webseite verwendet Cookies. Weiterlesen …