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Jeffrey berät heute auch andere Musiker, die von der Musik leben wollen. / Foto: Jeffrey Kolkman
Jeffrey berät heute auch andere Musiker, die von der Musik leben wollen. / Foto: Jeffrey Kolkman

Vom Straßen-Musiker zum Musiker-Coach

2013 trafen wir den Musiker Jeffrey Kolkman zum ersten Mal. Damals kannte ihn jeder Gladbacher als der Junge, der auf der Hindenburgstraße Musik macht. Vier Jahre später erzählt er uns, was sich seitdem verändert hat, von neuen Projekten und ob sein Traum, in Paris auf der Straße zu spielen, wahr geworden ist.

Interview: Chiara Porada

 

Was hat sich inzwischen bei Dir geändert?

Als ich die Schule nach der 10. Klasse beendet habe, hatte ich bereits großes Vertrauen in die Musik-Sache, da ich ja schon viele Jahre Straßenmusiker war und oft auf Hochzeiten gespielt hatte. Seit September 2013 kann ich von meiner Musik leben – da war ich auf einmal frei. Kurz darauf habe ich meine CD herausgebracht und das erste richtige Konzert im BIS gegeben. Damit hat es angefangen, professionell zu werden und ich habe einfach gemacht. Heute hat alles wieder mehr Struktur, auch dadurch, dass ich jetzt ein Team um mich herum habe.

Wie kam es dazu?

Ein paar Management-Firmen haben bei mir angefragt, aber ich wollte mich nie unter ihren Bedingungen an sie binden. Gleichzeitig hatte ich den Wunsch, Menschen um mich herum zu haben, die mit mir an Projekten arbeiten. Ich bin zum Beispiel sehr kreativ, aber es fällt mir schwer, den Überblick zu behalten. Also habe ich vor kurzem mit einem Video bei Facebook einen Aufruf gemacht, dass sich alle bewerben können. Insgesamt sind wir jetzt sieben Leute und komplett in Deutschland verteilt, sodass wir über das Internet zusammen arbeiten.

Musst Du als hauptberuflicher Künstler auf Dinge verzichten?

Natürlich, aber ich habe eine Wunschliste, mache das, was mich weiterbringt, so kann ich mir Dinge der Wunschliste leisten. Im letzten Jahr habe ich mich beispielsweise gefragt, was ich eigentlich möchte. Reisen! Ich habe meine Wohnung aufgegeben, meine Sachen verkauft und bin los. Da ich mit voller Leidenschaft dabei und dazu bereit bin, in schlechteren Zeiten mehr zu üben, zu schauen, warum die Leute mich nicht buchen, weiß ich, dass ich Schwierigkeiten gut meistere - und zur Not habe ich auch immer finanzielle Rücklagen.

Du sagst, Du bist den Gladbachern dankbar. Inwiefern?

Ich war mit der Straßenmusik auch in anderen Städten unterwegs, aber ohne MG wäre ich nicht dort, wo ich heute bin. Die Gladbacher haben mir die Möglichkeit gegeben, hier eine Bühne zu haben und mich über die Jahre so herzlich und offen mit Applaus, Spenden und Zuspruch unterstützt. Ich werde heute noch angesprochen, weil mich so viele Menschen vor Jahren täglich gesehen haben.

Was machst Du, wenn man Dich nicht mit Gitarre auf der Straße sieht?

Ich habe entdeckt, dass ich Menschen helfen und insbesondere Musikern zeigen möchte, wie sie mit ihrer Musik Geld verdienen können. Also haben wir uns entschlossen, bis Mitte August kostenlose Vorträge, beispielsweise in Musikschulen, anzubieten, um so viele Menschen, wie möglich, zu erreichen. Ich sage nicht, Ihr müsst das und das machen, sondern gebe Tipps, wie man ohne großen Aufwand und viel Geld einfach startet, wie man sich seine Auftritte selbst besorgt oder wie man Social Media für sich nutzen kann. Ein anderes Projekt, das es schon lange gibt, ist „Unser Song“, bei dem wir einen persönlichen Song für Brautpaare schreiben. Das Brautpaar schickt uns eine Anfrage, wir skypen und besprechen, was in dem Song vorkommen soll, ob mit Gitarre, Klavier, auf Deutsch oder Englisch, lustig, ruhig, wie es das Paar möchte. Da wir aus Zeitgründen nur sehr wenige Hochzeiten live besuchen können, stecken wir alle Power in eine professionelle Aufnahme und produzieren CDs davon, Anzahl und Design sprechen wir mit dem Brautpaar ab. So können wir überall vom DJ gespielt werden und man hat direkt tolle Gästepräsente.

Hat sich das Leben als Straßenmusiker durch Youtube & Co. verändert?

Online hat man viele Möglichkeiten, Massen an Menschen zu erreichen, aber es ersetzt niemals den persönlichen Kontakt, den ich offline mit der Straßenmusik habe. Deswegen denke ich, wird Straßenmusik trotz Internet und Social Media weiter bestehen. Ich merke auch, dass viele mich nach Konzerten fragen und diese persönliche Atmosphäre feiern. CDs sind vor allem wichtig, wenn ich live spiele, da viele die CD dann als Erinnerung kaufen. Cool ist dann wiederum, wenn man in die CD noch einen Download-Link hereinschreibt und so online und offline wieder verbindet.

Was war ein besonderes Erlebnis als Straßenmusiker?

Es war ja ein Wunsch von mir, in Paris auf der Straße zu spielen. Dort auf den Treppen der Sacré-Coeur mit Blick über die Stadt, war auch tatsächlich der schönste Ort, an dem ich je gespielt habe – mit totalem Künstlerfeeling zwischen Musikern, Malern etc. Manchmal halte ich auf der Straße auch eine kleine Rede zu den Songs. Einmal hat mich ein Mädchen mit Tränen in den Augen angeschaut und gesagt: „Danke, dass du mich an meine Träume erinnert hast“. Das waren für mich keine fünf Minuten Aufwand, aber so eine Reaktion zu bekommen, ist unglaublich.

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