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Foto: Merle Meuleneers
Foto: Merle Meuleneers

Das wichtigste Utensil ist die Sicherheitsnadel

Ohne die Garderobenabteilung würden die Schauspieler am Theater Krefeld Mönchengladbach ohne frisch gewaschene Kostüme da stehen und auch schnelle Kostümwechsel wären kaum möglich. Der Krefelder Grafik-Designer Peter Schmitz leitet die Abteilung seit 2007 und wirft mit uns unter anderem einen Blick in die Trickkisten hinter der Bühne.

Interview: Sabrina Forst

Foto: Matthias Stutte
Foto: Matthias Stutte

Was sind die Aufgaben der Garderobenabteilung?
Wir kümmern uns um die Pflege der Kostüme – bügeln sie auf oder bessern kleinere Mängel aus – bereiten die Garderobenständer für die Stücke vor, helfen den Schauspielern, Sängern und Tänzern als Ankleider beim Kostüm und beim Kostümwechsel. Und wir kümmern uns darum, dass die Kostüme nach dem Gebrauch in die Wäscherei kommen und am nächsten Tag wieder frisch zur Verfügung stehen.

Hat jeder Schauspieler seinen eigenen Ankleider hinter der Bühne?
Nein, wir sind nur 19 Leute in der Abteilung und wir betreuen mehrere Stücke an zwei Spielorten, in Krefeld und in Mönchengladbach. Wenn man bedenkt, dass ein Stück wie beispielsweise „Das Ballhaus“ fast 200 Kostüme hat, wird schnell klar, was die Koordination für ein Kraftakt ist. In manchen Situationen braucht man zwei bis drei Ankleider für einen Kostümwechsel, dann wieder nicht. Das geht alles Hand in Hand. Manchmal wird es richtig eng, vor allem, wenn jemand krank wird. Wir müssen ja auch immer die Fahrzeiten zwischen den beiden Häusern einrechnen. Die Wäscherei für die Kostüme, auch für die aus Mönchengladbach, befindet sich in Krefeld.

Dann freuen Sie sich wahrscheinlich jedes Mal, wenn es in einem Stück nur wenige Kostüme und Kostümwechsel gibt, oder?
Einerseits schon, was die Koordination angeht, aber es ist vor Ort viel angenehmer, wenn es auch wirklich etwas zu tun gibt. Es gibt Produktionen, da richten die Kollegen alles ein, warten und räumen nach zweieinhalb Stunden wieder ab, das war es dann. Da vergeht die Zeit langsam und das macht auch nicht so viel Spaß.

Welche Eigenschaften müssen Ihre Mitarbeiter mitbringen?
Sie müssen einfühlsam und diskret sein. Schließlich ziehen sich die Künstler vor ihnen aus und müssen eine gewisse Nähe zum Ankleider zulassen. Wenn man während der Vorstellung – besonders im Sommer unter heißen Scheinwerfern – im dicken Kostüm schwitzt, kann das Umziehen unangenehm sein und da ist es gut, wenn zum Ankleider, der die Klamotten wegpackt und das Handtuch reicht, ein Vertrauensverhältnis besteht. Manche Schauspieler sind auch nervös und müssen ein wenig aufgefangen werden. Ich versuche im Rahmen der Möglichkeiten, Ankleider und Schauspieler zusammenzubringen, die sich kennen und gut verstehen.

Foto: Matthias Stutte
Foto: Matthias Stutte

Es gibt doch bestimmt Tricks und Kniffe, damit der Kostümwechsel schneller geht?
Bei schnellen Umzügen sind die Kostüme natürlich entsprechend vorbereitet. Es gibt viele Klettverschlüsse, Druckknöpfe und Blender. Das bedeutet, das Hemd, das der Schauspieler trägt, ist gar kein Hemd. Es wird nur schnell ein Stoff in der Jacke befestigt. Fliegen oder Krawatten werden vorgebunden und mit einem Klettverschluss hinten geschlossen. Statt der Schnürsenkel verwenden wir manchmal Gummis, damit der Darsteller nur in die Schuhe schlüpfen muss.

Welche Aufgaben haben Ihre Leute noch während der Vorstellung?
Es kommt vor, dass sich jemand verletzt. Dann sind wir auch gefragt, besorgen Pflaster oder kühlen Prellungen. Wenn am Kostüm etwas reißt, reparieren wir es provisorisch. Jeder Mitarbeiter hat eine Art Erste-Hilfe-Kästchen dabei mit verschiedenen Garnen, Scheren und Nadeln. Das wohl wichtigste Utensil ist aber die Sicherheitsnadel. Bei größeren Schäden geben wir das Kostüm dann nach der Vorstellung zur professionellen Reparatur in die hauseigene Schneiderei.

Sind Sie als Leiter der Abteilung bei den Proben dabei und weisen Ihre Leute an?
Ja, klar. Es geht aber nicht darum, dass ich die Kollegen kontrolliere, sondern darum, Abläufe effektiv zu gestalten. Wenn die Kollegen beispielsweise für einen raschen Kostümwechsel mehr Platz an einer Stelle hinter der Bühne brauchen, kümmere ich mich darum, rede mit dem Bühnenmeister und der Technik. Während der Vorstellungen helfe ich hinter der Bühne mit wie die anderen.

Wie sind Sie eigentlich damals als Künstler und Grafikdesigner zum Theater gekommen?
Mit 15 habe ich zum ersten Mal als Statist auf der Bühne in Krefeld mitgespielt. So kam ich zum Theater. Dort bin ich irgendwann als Student angesprochen worden, ob ich nicht Lust hätte, im Ton zu arbeiten. Da wiederum hat mich der damalige Leiter der Garderobenabteilung gesehen und gefragt, ob ich in der Garderobe aushelfen möchte. Ich wurde also im Laufe der Jahre von der studentischen Hilfskraft zum Leiter der Garderobenabteilung. Heute wäre ein solcher Einstieg kaum noch möglich. Meine Mitarbeiter sind alle festangestellt. Wir arbeiten nur noch ganz selten mit Aushilfen.

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