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Foto: Matthias Stutte
Foto: Matthias Stutte

Es ist ein gigantisches Puzzlespiel

Christoph Erpenbeck ist Chefdisponent am Theater Krefeld und Mönchengladbach und hat somit eine der vielschichtigsten Theater-Dispositionsstellen Deutschlands inne: zwei Häuser, drei Sparten (Schauspiel, Ballett, Oper), aber nur ein Orchester, einen Chor und pro Sparte nur ein Ensemble. Wir haben mit ihm über all die Dinge gesprochen, die er unter einen Hut bzw. in einen Plan bekommen muss..

Interview: Sabrina Forst

Foto: Matthias Stutte
Foto: Matthias Stutte

Was ist Ihre Aufgabe am Theater?

Der Chefdisponent macht die Jahres- und die Monatsplanung für beide Häuser, was Vorstellungen, Proben und Räume betrifft. Die Leiterin des Künstlerischen Betriebsbüros und ihre Mitarbeiterin setzen das im Laufe der Spielzeit in die Wochen- und Tagesplanung um.

Wie sieht so eine Jahresplanung aus?

Wir fangen lange vor Beginn einer Spielzeit mit der Planung für das ganze Jahr an. Ich arbeite mit einer extrem umfangreichen Excel-Tabelle, in der alle relevanten Orte vermerkt sind: die Krefelder Bühne, die Heeder Studiobühne, die große Bühne Mönchengladbach, das Studio Mönchengladbach, der Konzertsaal, alle Proberäume, zwei Probebühnen in Krefeld für das Schauspiel, eine große Probebühne in MG sowie ein alter Chorsaal hier im Mönchengladbacher Haus, der von verschiedensten Institutionen für Proben genutzt wird. Die Jahresplanung für diese Räume bis hin zum Konzertsaal beginnt damit, dass ich mit der Orchestergeschäftsführerin die Termine für die Sinfoniekonzerte festlege, denn zuerst müssen die Hallen gebucht und für die Chorkonzerte die Kirchen angefragt werden.

Foto: Matthias Stutte
Foto: Matthias Stutte

Warum ist das der erste Schritt?

Wir haben sieben Sinfoniekonzert-Wochen an unserem Haus. Erst wenn ich die Termine für diese Wochen weiß, entscheidet sich, an welchen Tagen das Orchester zur Verfügung steht und an welchen nicht. Steht es in einer Woche nicht zur Verfügung, kann ich dort nur das Schauspiel planen. Oder eine Ballettproduktion, bei der die Musik von Band kommt. Wir haben jedes Jahr zwei neue Ballettproduktionen, eine davon mit und eine ohne Orchester, extra für unsere besonderen Bedürfnisse. Wenn die Sinfoniekonzerte stehen, werden die Premieren aus den Bereichen Schauspiel, Ballett und Musiktheater gesetzt.

Es ist ein gigantisches Puzzlespiel Welche Puzzlesteine müssen Sie dabei zusammenfügen?

Ich muss insbesondere auf die Abonnements achten. Wir haben in jeder Stadt verschiedene Abosysteme – in Krefeld gibt es 10 Abonnements, in Mönchengladbach sind es 13. Diese sind fast alle an bestimmte Tage gebunden. Wenn ich z. B. am Mittwoch in Krefeld das Schauspiel ansetze, kann ich in Gladbach gleichzeitig nur Ballett oder Musiktheater wählen. Musiktheater allerdings nur, wenn es sich nicht um eine Sinfoniekonzertwoche handelt, denn dann habe ich ja kein Orchester zur Verfügung. Zwischen den einzelnen Vorstellungen für die Abonnenten sollen zudem nach unten und nach oben gewisse Teitabstände eingehalten werden, die nicht zu klein und nicht zu groß werden sollen. Ebenfalls zu bedenken sind die Feiertage, an denen zwar Vorstellungen stattfinden, aber keine Proben. Wenn dann der Feiertag auf Donnerstag oder Freitag liegt, möchten die Zuschauer lieber ins lange Wochenende und die Vorstellung wird sich schlechter verkaufen. Auch das berücksichtige ich, wenn es geht. Darüber hinaus ist zu bedenken, dass bei den Proben vor der Premiere das Bühnenbild schon Mal bis zu zwei Wochen aufgebaut bleibt. Wenn es gar nicht anders geht, bauen wir aber ab und schieben eine Vorstellung dazwischen.

Foto: Matthias Stutte
Foto: Matthias Stutte

Spielen die Ensemblemitglieder und Mitarbeiter in Ihrem Plan auch eine Rolle?

In der Jahres-Disposition werden auch die Mitarbeiter mit ihren freien Tagen erfasst. Bei unserer Doppelhaus-Situation müssen wir darüber hinaus jeweils 45 Minuten Fahrzeit zwischen den Häusern für eine Strecke einplanen, etwa für die Fahrt zu Proben. Die Ensemblemitglieder werden dann mit Bussen hin- und hergefahren und wir müssen dabei auch gesetzliche Ruhezeiten zwischen den Proben und Vorstellungen einhalten. Ich plane, wann an einem beliebigen Tag der Spielzeit morgens dieBeleuchtung mit der Arbeit anfängt, wann die Probe beginnt und endet, wann die Pause ist, wann ein Beamer eingerichtet wird, wann das Orchester dazukommt und so weiter. Diese Planung geschieht in Absprache mit allen Abteilungen in langen Sitzungen. Etwa 35 Leute sind dabei in Diskussion mit mir und jeder hat eigene Wünsche. Es ist ein gigantisches Puzzlespiel, bei dem es viel mehr Zwänge als Freiheiten gibt. Deshalb ist es für uns auch nicht in jeder Situation möglich, spontan irgendetwas mit ins Programm zu nehmen oder das Programm zu ändern, denn alles hängt mit allem zusammen. Unser Intendant nennt es immer treffend „das prinzip der kommuzierenden Röhren“.

Wie weit im Voraus steht so eine Jahresplanung?

Ich habe der Orchestergeschäftsführerin heute für die Spielzeit 2019/2020 Terminvorschläge für die Konzerte geschickt, weil wir jetzt schon die Räume buchen müssen. Für 2018/2019 sind die Buchungen schon durch – zumindest was die Konzertsäle betrifft – und für 2017/2018 haben wir natürlich die komplette Disposition schon fertig.

Foto: Matthias Stutte
Foto: Matthias Stutte

Und nach der Jahresplanung kommt die Monatsplanung?

Im Laufe einer Spielzeit ändern sich auch oft die Bedürfnisse. Man weiß genauer, wie die Produktion aussehen wird, wie das Bühnenbild zu handhaben ist – vielleicht ist es schwerer als gedacht und man muss die Aufbauzeiten verändern. All das wird in den Monatssitzungen korrigiert, die immer mit drei Monaten Vorlauf stattfinden. Danach gibt es für den gleichen Zeitraum auch noch die Wochenplansitzung, vorbereitet vom künstlerischen Betriebsbüro. Nach dieser Sitzung werden die Dienstpläne geschrieben. Die sich anschließenden Tagespläne dann sind der tägliche Feinschliff, der ebenfalls vom künstlerischen Betriebsbüro ausgearbeitet wird.

Wie merken Sie sich all die Details während der Planung?

Wenn ich im Büro schnell etwas aufschreiben muss, notiere ich das auf die Schreibtischunterlage. Was abgearbeitet ist, wird durchgestrichen. Und wenn das Blatt voll ist, dann reiße ich es ab und weiter geht es. Mein Computerbildschirm ist außerdem rundum mit Post-Its bestückt, auf denen Dinge stehen, die bald auf mich zukommen und die ich auf keinen Fall vergessen darf. Die Hauptarbeit aber leisten dann Kopf und Gedächtnis.

Haben Sie eigentlich schon immer gerne organisiert?

Ursprünglich komme ich ja gar nicht vom Organisieren. Ich bin studierter Opernsänger. Ich sage immer: Der Gesang ist mein Beruf – im Sinne von Berufung – und die Chefdisposition ist mein Job. Ich singe immer noch Konzerte und unterrichte Gesang. Die künstlerische Leidenschaft ist also immer noch vorhanden woanders, aber Begeisterung und Zufriedenheit, wenn meine Dispositionen gut funktionieren, entwickeln durchaus auch ihre eigene Leidenschaft.

Das neue Spielzeitheft erscheint!

Ab Ende April ist das Programm für die Saison 2017/18 erhältlich.

Generalintendant Michael Grosse und sein künstlerisches Team starten 2017/18 bereits in ihre achte Spielzeit am Niederrhein und noch immer sind die Pläne der Theatermacher frisch und überraschend wie eh und je. Pünktlich zur Präsentation des neuen Spielplans erscheint auch das druckfrische Spielzeitheftmit allen Veranstaltungen. Beim Abo-Cocktail am 9. Mai in Mönchengladbach und am 23. Mai in Krefeld gibt es zudem erste szenische und musikalische Kostproben.

Das neue Programm ist in den beiden Theaterhäusern in Krefeld und Mönchengladbach sowie in allen bekannten Vorverkaufsstellen und Institutionen kostenlos erhältlich.

Wer sich das Spielzeitheftzuschicken lassen möchte, kann sich telefonisch an den Besucherservice oder an die Theaterkassen wenden. Außerdem steht die neue Broschüre ab Ende April auch auf der Homepage des Theaters als Download zur Verfügung. Das Konzertjahresheft erscheint Anfang Mai.

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