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Kostümbildnerin Petra Wilke / Foto: Matthias Stutte
Kostümbildnerin Petra Wilke / Foto: Matthias Stutte

Hüte, Schuhe, Hasenohren

Ende Oktober ist das Weihnachtsmärchen „Der Sängerkrieg der Heidehasen“ angelaufen. Wir sprachen mit der Kostümbildnerin Petra Wilke über den schönsten Beruf, den sie sich vorstellen kann, verzwickte Hasenohren und den Zauber von Märchen.

Interview: Chiara Porada

Woher kommt Ihre Leidenschaft für Kostüme?

Ich habe ein Faible für Literatur, Mode und Architektur und bin ein sehr visueller Mensch. Daraus hat sich früh eine Schnittmenge ergeben und schon mit 16 war mir klar, dass ich Kostümbildnerin werden möchte. Nach dem Abi habe ich eine Schneiderlehre begonnen und Anfang der 80er Jahre in der Schaubühne in Berlin hospitiert. Seit 96 bin ich freie Kostümbildnerin.

Was macht den Beruf aus?

Ich kann mir keinen schöneren Beruf vorstellen. Man ist jedes Mal mit einem anderen Thema beschäftigt, hat immer ein anderes Umfeld, kann wahnsinnig viel erfinden und arbeitet mit anderen zusammen. Ich halte zum Beispiel immer auch Absprache mit Maske und Requisite, da Frisuren, Kopfbedeckungen, Brillen, Accessoires oder Schmuck zueinander und zur Kleidung passen müssen. Natürlich gibt es aber auch eine Herausforderung, keine Frage.

Illustrationen: Petra Wilke
Illustrationen: Petra Wilke

Und zwar?

Die Frage, wie man es realisiert. Macht man ein Shakespeare-Stück beispielsweise zeitgenössisch oder historisch, abstrakt oder im Straßenlook. Das hat Auswirkungen auf die Inszenierung und im Idealfall auch auf die Schauspieler. Das Kostüm hilft ihnen, sich in die Rolle einzufinden. Und dann muss es natürlich den Bewegungen standhalten. Das gilt besonders für Tänzer, aber auch bei Steigungen oder Treppen darf man keine Überlänge haben, um das Stolpern zu vermeiden. Mir ist es wichtig, dass die Schauspieler die Kostüme schon früh im Probenprozess tragen, in sie hereinwachsen können und es kein Fremdkörper ist. Wenn ein Schauspieler sagt: „Seitdem ich den Mantel habe, kann ich besser spielen“, ist das für mich das größte Kompliment.

Wie wird aus einer Idee das Kostüm bei der Premiere?

Meist ist es so, dass ich erstmal mit Regie, Bühne und Dramaturgie zusammensitze und wir uns grob verständigen, in welche Richtung ein Stück gehen soll. Das kreist dann erstmal etwas in meinem Kopf herum und sobald die Ideen konkreter werden, zeichne ich sie auf – unter Umständen auch einige Male, bis ich zufrieden bin. Während der Proben gibt es oft erst Probenkostüme, die die Kostüme andeuten, bis die Originale fertig sind. Dann gibt es erste Anproben und Änderungen bis es letztendlich steht. Manchmal wandern die Probenkostüme auch allmählich ins Original, das ist ein Prozess, der beim Proben entsteht.

Was ist für Sie das Spannende am „Sängerkrieg der Heidehasen“?

Die spannendste Frage war, wieviel Hase und wieviel Mensch wir darstellen wollen. Wir waren uns aber schnell einig, dass wir keine Schauspieler in Fell-Overalls stecken möchten, um auf Biegen und Brechen Hasen auf die Bühne zu bringen. Andererseits war uns direkt klar, dass wir eine eigene Welt dieser hasenähnlichen Wesen haben wollen. Also versuchen wir, eine gute Mischung aus ernstzunehmenden Schauspielern und Hasenattributen wie Fellohren zu kreieren, über die man sich nicht lustig macht, sondern die einen in diese Welt mitnehmen.

Illustrationen: Petra Wilke
Illustrationen: Petra Wilke

Erinnern Sie sich an ein besonders aufwändiges Kostüm?

Die Hasen jetzt gehören definitiv dazu. Allein schon die Ohren! Die müssen gebaut werden, das Nicci-Material gekauft und in 20 verschiedene Farben gefärbt werden, weil jeder Hase seine persönliche Fellfarbe hat. Dann mussten wir überlegen, welcher Hase einen Hut bekommt, welcher eine Perücke; dann werden die Ohren an den Perücken befestigt, was auch kompliziert war. Nach der Premiere werde ich auch mit der Werkstatt ein dickes, fettes Kuchenessen veranstalten, die machen ganz großartige Arbeit.

Ist „Der Sängerkrieg der Heidehasen“ ein Kinderstück?

Es ist ab Kindergartenkindergröße gedacht, aber ich fände es schön, wenn es auch Erwachsene toll finden. Wir, die an der Produktion beteiligt sind, haben zumindest Spaß wie wahnsinnig. Irgendwie merkt man dann, dass einen dieses Märchenflair, dieses Eintauchen in fremde Welten, nie ganz losgelassen hat und es sehr wärmend und beglückend ist.

TERMINE

Der Sängerkrieg der Heidehasen
von James Krüss
Eine Heldengeschichte über Freundschaft für die ganze Familie

Ab dem 27. Oktober im Theater Mönchengladbach

Weitere Termine:
Sonntag, 5.11,. 15 Uhr
Samstag, 25.11., 16 Uhr
Sonntag, 26.11., 11 Uhr
Montag, 25.12., 15 Uhr

Tickets unter 02166/6151-100 und www.theater-mg.de

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