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Fotos: Matthias Stutte; Thomas Esser
Fotos: Matthias Stutte; Thomas Esser

„LOHENGRIN“ Wagner am Niederrhein

Ende Januar feiert die romantische Wagner-Oper „Lohengrin“ Premiere in MG. Wir sprachen mit dem Solotrompeter Jonathan de Weerd unter anderem darüber, warum das Stück gerade für Bläser ein besonderes ist.

Interview: Chiara Porada

Jonathan de Weerd / Foto: Lena Obst
Jonathan de Weerd / Foto: Lena Obst

Wann hast Du angefangen, Trompete zu spielen?

Mit sieben hatte ich zum ersten Mal eine Trompete in der Hand und habe dann schnell in einem Blasorchester gespielt. Das ist in kleinen niederländischen Dörfern so gängig. In meiner Familie gibt es auch einige Musiker, mein Onkel ist z.B. Klarinettist, dirigiert einige Blasorchester und gibt Unterricht.

Wie wurde es mehr als ein Hobby?

Mit 15 habe ich eine bestimmte Prüfung gemacht, danach hätten meine Eltern viel mehr für den Unterricht zahlen müssen. Erst habe ich für ein Jahr aufgehört, aber dann hat es mir richtig in den Fingern gekribbelt und ich habe wieder angefangen zu spielen. An der Musikhochschule Amsterdam bin ich zum ersten Mal mit klassischer Musik in Berührung gekommen und habe mir im ersten Jahr dort über 100 CDs gekauft, um mich zu orientieren. Außerdem haben wir immer versucht, Sprinttickets für die Konzerthalle zu ergattern, also die Restkarten, die man eine Viertelstunde vor Beginn bekommt.

Fotos: Matthias Stutte; Thomas Esser
Fotos: Matthias Stutte; Thomas Esser

Hast du vor Auftritten ein Ritual?

Wir als Blechbläser spielen uns immer ein. Das ist quasi Standard, um sich körperlich zu aktivieren. Fünf bis zehn Minuten reichen mir aber schon. Ich kontrolliere, ob alles an seinem Ort ist, sehe schwierige Stellen noch einmal durch und spiele mich frei. Dann gehe ich nochmal in die Kantine, trinke etwas und habe noch ein wenig Zeit für mich.

 

Bekommt Ihr im Orchestergraben eigentlich etwas vom Stück mit?

Da wir ja sehr tief und teilweise überdeckt sitzen, bekommen wir den szenischen Teil des Stücks nicht mit aber natürlich die Handlung vor allem bei wichtigen Passagen schon, damit wir die Musik richtig gestalten können.

Fotos: Matthias Stutte; Thomas Esser
Fotos: Matthias Stutte; Thomas Esser

Spielst du lieber eine Oper oder ein Sinfoniekonzert?

Wagner spiele ich gerne, aber an sich bin ich mehr Fan von sinfonischer Musik. Da stehen wir als Orchester mehr im Mittelpunkt und werden oft noch mehr gefordert. Wenn wir eine Oper begleiten, kann es vorkommen, dass gerade wir Bläser 20 Minuten Pause haben – dann kann es schon mal etwas lang werden. Jetzt bei „Lohengrin“ ist die Musik aber so schön durchkomponiert und fließt, dass die Zeit total schnell vergeht.

Fotos: Matthias Stutte; Thomas Esser
Fotos: Matthias Stutte; Thomas Esser

Warum ist „Lohengrin“ ein besonderes Stück für Bläser?

Wagner macht Blechbläsern vor allem Spaß, weil es hier lange musikalische Phrasen hat, bei denen sich der Klang im Blech richtig entfalten kann. Beispielsweise gleich am Anfang, wo die Aura des Grals dargestellt wird und das Blech den mächtigen Höhepunkt darstellt. Das hat eine sehr kräftige Wirkung. „Lohengrin“ ist ja eine Sage, bei der die Trompeten mehrmals königliche Signale auf der Bühne spielen. Am Anfang sichtbar durch die vier großen Königstrompeten und später dann, beim Zwischenspiel, bei dem man in der Geschichte aus der Entfernung Trompetensignale vom Turm hört. Die Königstrompeten sind übrigens außergewöhnliche, lange Trompeten, die wir speziell für „Lohengrin“ vom Festivalorchester Bayreuth ausgeliehen haben.

 

Für wen eignet sich das Stück?

Robert Lehmeier, der es inszeniert hat, hat eine politisch heutige Sicht auf das Stück, sodass es weniger märchenhaft ist. Die Oper eignet sich nicht nur für die klassischen Wagnerianer, sondern für alle, die einmal eine große, musikalisch bombastische Oper mit ergreifender Handlung erleben wollen. Man braucht bei den vier Stunden ein wenig Geduld, aber es lohnt sich. Es ist wirklich ein wahnsinniges Opernerlebnis, das von der Presse nach der Krefelder Premiere das „Wagnerwunder vom Niederrhein“ genannt wurde.

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