Ein Kind beugt sich über viele selbstgemalte Bilder die auf einem Tisch liegen Ein Kind beugt sich über viele selbstgemalte Bilder die auf einem Tisch liegen
Foto: © Stadt MG
Beim Kulturkreisel machen die Kinder auch ihre eigenen künstlerischen Erfahrungen.
05.06.2024
Aktuelles

„Kulturkreisel“- Mönchengladbacher Kultureinrichtungen bereichern den rhythmisierten Ganztag

Beim "Kulturkreisel" setzen Kultureinrichtungen und Grundschule nicht darauf, dass die Kinder Museen, Musikschule und Co. besuchen. Die Kultureinrichtungen kommen in die Schule und wecken erfolgreich Neugier auf mehr.

An den vier Grundschulen mit einer rhythmisierten Ganztagsklasse dreht sich seit Beginn des zweiten Schulhalbjahres der "Kulturkreisel". Im Rahmen dieses Pilotprojektes bieten fünf Kultureinrichtungen aus Mönchengladbach jeweils vier Unterrichtseinheiten in einem rollierenden System an. Das bedeutet, alle Grundschulen mit einer rhythmisierten Ganztagsklasse (GGS Mülfort-Dohr, GGS Waisenhausstraße, EGS Pahlkestraße und KGS Untereicken) erhalten jeweils viermal Besuch einer Kulturpädagogin oder eines Kulturpädagogen aus den Kultureinrichtungen Museum Abteiberg, Museum Schloss Rheydt, Musikschule, Stadtarchiv und Zentralbibliothek. Um den Kindern einen guten Einblick in die Themen und Inhalte der Kultureinrichtungen zu ermöglichen, wurden spannende und abwechslungsreiche Unterrichtseinheiten kreiert.

"Die Schülerinnen und Schüler erleben hier Kultur zum Anfassen", beschreibt Claudia Funke, Schulleiterin der Grundschule Waisenhausstraße das Projekt. "Wir entdecken Stärken bei den Kindern, die sonst im Unterrichtsalltag vielleicht nicht zum Vorschein kommen. Im besten Fall suchen die Kinder dann auch künftig die Angebote in ihrer Umgebung auf, weil die Neugier geweckt wurde."

Das Museum Abteiberg bietet den Kindern über das Medium Poster-Puzzle einen Einblick in das Museum und ermöglicht den Kindern über das Portraitieren der Skulptur "Sitzender Mensch" und das expressionistische Portraitieren der "Frau mit Hut" künstlerisch aktiv zu werden. "Die meisten Kinder haben noch nie etwas von einem Museum gehört, geschweige denn von einem Museum der Gegenwartskunst. Wenn, dann denken die Kinder eher an ein naturkundliches Museum mit Dinosauriern und ähnlichen Ausstellungsstücken", berichtet Corinna Greven, Kulturpädagogin Museum Abteiberg. "Wenn wir dann verschiedene Ansichten des Museums Abteiberg gepuzzelt haben, ist die Neugier meist groß und alle möchten alles "in echt" sehen."

Mit dem Museum Schloss Rheydt geht es für die Schülerinnen und Schüler auf eine Reise in frühere Zeiten. Sie erfahren mehr über die früheren Bewohnerinnen und Bewohner und können in deren Kleider schlüpfen, lernen das Leben der Ritter und die Verteidigung des Schlosses kennen.

Die Musikschule bringt den "Karneval der Tiere" in die rhythmisierten Ganztagsklassen.

Das Stadtarchiv gestaltet die Unterrichtseinheiten mit den Themen Schrift, Wappen, Siegel und Papier/ verschiedene Schreibutensilien. Alle Themen beinhalten einen großen praktischen Teil, in dem die Kinder sich und den Umgang mit den Materialien ausprobieren können.

Die Zentralbibliothek stellt den Ort mit Hilfe eines Bibliothek-Memory vor und arbeitet mit den Kindern zu deren Lieblingsbüchern. Die Kinder lernen spielerisch den Brockhaus und das Bilderbuchkino kennen und erweitern unter anderem durch Bluebots kindgerecht ihre digitale Medienkompetenz.

"Der Kulturkreisel ist ein großartiges Angebot. Die Kinder werden herausgefordert. Sie lernen die Vielfalt kultureller Angebote in dieser Stadt kennen", stellt auch Schulleiterin Anke Müller der Evangelischen Grundschule Pahlkestraße heraus. "Gerade die Kinder aus den bildungsfernen Familien kommen so mit Kunst, Musik und diesen besonderen Orten in Kontakt."

Und die kulturelle Bildung setzt sich für die Klassen innerhalb des Pilotprojekts "Rhythmisierter Ganztag" nach dem "Kulturkreisel" fort: Die Kinder können sich im Anschluss auf das Programm "Kulturstrolche" freuen. Hier lernen sie bis einschließlich zur vierten Klasse die Kultureinrichtungen in der Realität oder, wie sie es formulieren würden, "in echt" kennen. Insgesamt ist dies dann ein Gewinn für alle Beteiligten, erklärt die Beigeordnete für Bildung, Kultur und Sport Christiane Schüßler: "Sich mit unserer Geschichte auseinanderzusetzen, die Möglichkeit kennenzulernen, zum Beispiel Gefühlen oder Meinungen Ausdruck in Kunst, Musik und Literatur zu verschaffen oder den Umgang mit unterschiedlichsten Medien zu erlernen, für all das schafft das Projekt Kulturkreisel erste Grundlagen. Und unsere Kultureinrichtungen können hier schon früh vermitteln, dass sie offen sind für alle Menschen in der Stadt und alle einen Zugang dazu finden können."

Information "Rhythmisierter Ganztag"

Zu Beginn des laufenden Schuljahres (2023/2024) ist an vier Grundschulen der Stadt das Piliotprojekt "Rhythmisierter Ganztag" gestartet. Die vier Grundschulen sind:

  • GGS Mülfort-Dohr
  • GGS Waisenhausstraße
  • EGS Pahlkestraße
  • KGS Untereicken

Dabei ist jeweils ein erstes Schuljahr als rhythmisierte Ganztagsklasse gestartet.

Im Rhythmisierten Ganztag verbringt die Klasse – anders als im Offenen Ganztag – den Vor- und Nachmittag gemeinsam. Der besondere Charakter liegt in der rhythmischen Gestaltung des Unterrichtstages. Der Unterricht wird über den ganzen Tag verteilt und wechselt sich ab mit Übungs- und Freiarbeitszeiten sowie Entspannungs- und Freizeitphasen und individuellen Fördermaßnahmen. Die Trennung zwischen Unterricht am Vormittag und Freizeit- und Lernphase (Hausaufgaben) am Nachmittag wird aufgehoben.

Durch den rhythmischen Wechsel von Anspannung und Entspannung lässt sich der Unterricht besser an die Konzentrationsphasen der Kinder anpassen. Die Möglichkeit, zusätzliche Lernzeiten einzurichten, in denen die Kinder ihrem Lernstand entsprechend gefördert werden können, trägt außerdem zur Verbesserung der Bildungschancen einzelner Kinder bei. Im rhythmisierten Ganztag agieren Lehrkraft und pädagogische Fachkraft gemeinsam und auf Augenhöhe über die meiste Zeit des Tages in der Klasse. Unterstützt werden sie stundenweise durch eine Ergänzungskraft. Externe Honorarkräfte, z.B. aus den Bereichen Sport, Kultur o.a. führen AGs durch. Wichtig ist allerdings eine Ausgewogenheit, denn die Kinder dürfen nicht überfrachtet werden. Zeiten von Ruhe und Entspannung dürfen nicht fehlen.

Hausaufgaben im herkömmlichen Sinne gibt es nicht mehr. Die Hausaufgaben werden durch Lernzeiten abgelöst.

Die Klassen im rhythmisierten Ganztag sind an fünf Tagen in der Woche jeweils von 8.00 Uhr bis 16.00 Uhr in der Schule. Diese Zeiten sind verpflichtend. Ein Ferienprogramm wird ebenfalls angeboten, hier ist die Teilnahme freiwillig. Das Ferienprogramm wird in der Regel mit den Kindern aus dem offenen Ganztag gemeinsam gestaltet.

Die aktuellen ersten Schuljahre im rhythmisierten Ganztag wechseln im kommenden Schuljahr in die zweite Klasse. Gleichzeitig werden an den bisherigen vier Pilotschulen jeweils ein weiteres erstes Schuljahr im rhythmisierten Ganztag gestartet. Eltern haben bereits bei der Schulanmeldung die Möglichkeit ihr Kind für einen Platz anzumelden. Nach aktueller Sachlage wird im kommenden Schuljahr eine fünfte Schule in das Pilotprojekt aufgenommen.

Quelle: Stadt Mönchengladbach