05.07.2024
Aktuelles

Stadt unterstützt zukünftige Gedenkstätte für die Jüdische Gemeinde Mönchengladbach-Viersen

Die Stadt Mönchengladbach wird zukünftig die Gedenkstätte für die Jüdische Gemeinde Mönchengladbach-Viersen finanziell unterstützen. Der Rat hat in seiner jüngsten Sitzung (3. Juli) einstimmig beschlossen, dass ein noch zu gründender Förderverein für die Finanzierung der Nebenkosten sowie des Instandhaltungsbedarfs des historisch bedeutsamen Gebäudes "Rektoratstraße" jährlich 10.000 Euro erhalten wird.

Das Gebäude mit der heutigen Anschrift "Rektoratstraße 10, 41747 Viersen" wurde im Jahr 1862 erbaut. Nach dem Kauf durch Nathan Liefmann wurde es seit dem 11. März 1863 als jüdische Volksschule genutzt. Außerdem befand sich ein Betsaal in dem Haus. Am 13. März 1895 ging das Gebäude in das Eigentum der jüdischen Spezialgemeinde Viersen über.

Am 14. April 1942 erfolgte die öffentliche Enteignung. Die Stadtwerke Viersen wurden Eigentümer und Nutznießer von Haus und Grundstück, bevor sie die Immobilie an private Nutznießer weiterveräußerten, die dieses Haus dann als privates Wohnhaus nutzten. Eine an der Außenmauer des Hauses angebrachte Gedenktafel erinnert an die jüdische Vergangenheit des Hauses.

Da die derzeitigen Eigentümer aufgrund ihrer persönlichen Lebensumstände eine Verkaufsbereitschaft signalisiert haben, besteht erstmalig nach der Enteignung in der Zeit des NS-Regimes die Möglichkeit, dieses Gebäude anzukaufen und in Würdigung seiner historischen, kulturellen und religiösen Bedeutung künftig als Gedenkstätte und Ort der aktiven und öffentlich wahrnehmbaren Erinnerungskultur in der Region zu nutzen.

Die Ausgestaltung des Konzeptes einer an der Rektoratstraße möglichen Gedenkstätte legt räumlich und inhaltlich Anknüpfungspunkte mit regionalen Institutionen und Angeboten nahe. Die Jüdische Gemeinde Mönchengladbach-Viersen möchte dort als Ergänzung zu der Synagoge in Mönchengladbach dem kulturellen und historischen Teil der Erinnerungskultur für alle Opfergruppen der NS-Zeit eine Heimat geben.

Auch wenn der konkrete Ort auf dem Gebiet der Stadt Viersen liegt, ergeben sich vielfältige Möglichkeiten der Teilhabe für Menschen beider Städte. Denkbar sind beispielsweise die Durchführung von erinnerungskulturellen Angeboten für Schulklassen, Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen sowie Workshops.

Da die Jüdische Gemeinde ebenfalls für beide Gebietskörperschaften zuständig ist, bietet sich an, dass auch beide Kommunen das Projekt unterstützen. Die Jüdische Gemeinde arbeitet zurzeit an der Gründung eines Fördervereins für die Trägerschaft der Gedenkstätte, der dann auch Empfänger der Zuwendungen der beiden Städte werden sollte.

Für Oberbürgermeister Felix Heinrichs ist dies ein wichtiger Baustein in Bezug auf die Erinnerungskultur: "In der heutigen Zeit sind stärkere Ausprägungen von Nationalismus, Antisemitismus und allgemein eine zunehmende rechte und rechtsradikale Tendenz in Politik und Gesellschaft spür- und messbar. Die Städte Mönchengladbach und Viersen beziehen mit demokratiestärkenden und antifaschistischen Statements und Demonstrationen eindeutig Stellung. Eine Gedenkstätte, die Ursachen, Wirken und Folgen des nationalsozialistischen Systems (1933 bis 1945) im lokalgeschichtlichen Kontext und mit eindeutigem räumlichen Bezug darstellt, bietet die Möglichkeit, präventiv tätig zu werden, einen dauerhaft wahrnehmbaren Ort der Erinnerungskultur zu etablieren und zugleich für eine starke Gemeinschaft zwischen Mönchengladbach und Viersen einzutreten."

Quelle: Stadt Mönchengladbach