20.01.2023
Aktuelles

Vorstellung digitales Archiv Museum Abteiberg

Öffentliche Vorstellung und Publikumsdiskussion, Sonntag, 29. Januar 2023, 15 Uhr mit dem Produktionsteam Susanne Rennert & Susanne Titz, Lukas von Monkiewitsch & Tobias Sawitzki, Studio von Monkiewitsch und Petra Hollenbach & als Förderer und eingeladener Gast Guido Kohlenbach, Leiter des Fachbereichs Regionale Kulturarbeit des Landschaftsverbands Rheinland Das Museum Abteiberg präsentiert eine neue Website: Die Ausstellungen und Kassettenkataloge des Städtischen Museums Mönchengladbach 1967–1978, www.museum-moenchengladbach-1967-1978.de.

Es ist ein digitales Archivprojekt, das die Vorgeschichte des Museums Abteiberg und das berühmt gewordene Ausstellungs- und Vermittlungsprogramm des Museumsdirektors Johannes Cladders (1924-2009) im alten Städtischen Museum an der Bismarckstraße dokumentiert und vergegenwärtigt. Am 29. Januar wird die Veröffentlichung dieser historischen Grundlagenarbeit in einer offiziellen Veranstaltung mit den Mitwirkenden und eingeladenen Gästen vorgestellt und gefeiert.

Mit diesem Pilotprojekt werden die Ergebnisse der umfassenden Forschungsarbeit sichtbar, die seit 2016 von der Düsseldorfer Kunsthistorikerin Susanne Rennert für das Museum Abteiberg unternommen wird. Nach der Printpublikation Die Kassettenkataloge des Städtischen Museums Mönchengladbach 1967–1978" im Jahr 2020 liefert die digitale Veröffentlichung nun einen nochmals tieferen Einblick in das Mönchengladbacher Museumsprogramm der Jahre 1967 bis 1978 – mit vielen bisher unbekannten Dokumenten und aufwändig recherchierten Erkenntnissen.

Das digitale Archiv ist ein pilotartiges Konzept, dessen Entwurf und Umsetzung durch das Förderprogramm Museum Digital des Landes Nordrhein-Westfalen ermöglicht wurde. Im Vorlauf stand das – von Susanne Titz, Susanne Rennert und Olivier Foulon kuratierte – Ausstellungs- und Veranstaltungsprojekt "VON DA AN. Objekte, Räume, Vergegenwärtigungen des Antimuseums 1967-1978" im Jahr 2017/18, das durch den Landschaftsverband Rheinland, das Land Nordrhein-Westfalen, die Kunststiftung NRW und die Kulturstiftung des Bundes gefördert wurde.

Die Veröffentlichung des digitalen Archivprojekts beginnt in einem Testlauf mit 32 Kapiteln und wird 2023 sukzessive erweitert. Die Publikation der insgesamt 86 Kapitel geschieht nicht in chronologischer Reihenfolge.

Hintergrund und Konzeption des Projekts:

Das digitale Archiv realisiert die ursprünglich als reine Printpublikation geplante Veröffentlichung des historischen Forschungsprojekts Johannes Cladders, die Ausstellungen und Kassettenkataloge des Städtischen Museums Mönchengladbach, 1967 bis 1978. Damit kommt ein Prozess zum Abschluss, der 2016 eingeleitet wurde, als das Museum Abteiberg die Kunsthistorikerin Susanne Rennert mit der kunstwissenschaftlichen Aufarbeitung und Rekonstruktion der berühmt gewordenen Ausstellungs- und Publikationsgeschichte des alten Städtischen Museums an der Bismarckstraße beauftragte. Ausgehend von den Archivbeständen des Museums Abteiberg sichtete, ordnete, beschrieb und kontextualisierte Rennert die umfangreichen Materialien, ergänzte die Quellen durch Forschung in weiteren Archiven und führte Interviews mit zahlreichen Zeitzeug:nnen. Dadurch ergeben sich erstmals detaillierte Einblicke in die komplexen Produktionsprozesse rund um die 86 Ausstellungen und Aktionen, die der progressive Museumsdirektor Johannes Cladders (1924–2009) hier zwischen 1967 bis 1978 in enger Kooperation mit den zumeist jungen Künstlern und Künstlerinnen und eingebunden in höchst effiziente internationale Netzwerke realisierte. Erstmalig werden auch die weniger bekannten Ausstellungen thematisiert, die Cladders während dieser Jahre mit lokalen Künstlergruppen realisierte, sowie seine kuratorischen Konzepte für Präsentationen der Sammlungsarbeit und der historischen Museumsbestände (u.a. koptische Stoffe, Keramik, Metallwaren).

Auch die 35 Kassettenkataloge der Ära Cladders werden dargestellt, mit denen das traditionelle Format ‚ Ausstellungskatalog‘ als ein Objekt und komplementäres Medium radikal neu definiert wurde. Neben den Ausstellungen begründeten sie den exzeptionellen Ruf des Museums Mönchengladbach als einer führenden Institution der Gegenwart. Vor dem Hintergrund der soziopolitischen Fragestellungen der damaligen Zeit – Demokratisierung, Enthierarchisierung, Bewusstseinserweiterung – stellte man sich im Museum Mönchengladbach der Herausforderung, eine neue Form von Museumsarbeit, neue Formate der Darstellung und der Vermittlung für die konzeptuellen, prozessualen, intermedialen und ephemeren Artikulationen der Gegenwartskunst zu erproben.

Das digitale Archivprojekt umfasst heterogenes Material: aktuelle und historische Texte, Fotos, Archivalien, Presseausschnitte, Audio- und Videodokumente etc. Dafür wurde eine gleichermaßen feste wie variable Struktur entwickelt, die Reportageformat und klassisches Archiv miteinander verbindet. Aus Ideen, die von Susanne Rennert, Susanne Titz und Petra Hollenbach formuliert wurden, konzipierte das Studio von Monkiewitsch, Köln eine völlig neuartige Konzeption für die Darstellung eines Archivs.

Die digitale Publikation zielt auf die Teilhabe einer größeren Öffentlichkeit, als dies im traditionellen Medium Buch möglich wäre. Zudem wird mit der digitalen Adaption die Idee verknüpft, ein Pilotprojekt zum Thema Archiv und seiner komplexen vernetzten Strukturen zu realisieren, das sich zukunfts- und anschlussfähig für andere digitale Formate erweisen kann. Dadurch ergibt sich die Möglichkeit, Cladders‘ 1968 formulierte Vision von der Institution Museum als einem lebendigen, aktiven, kreativen und demokratischen "Antimuseum in Permanenz" zu realisieren.

Autorin: Susanne Rennert
Konzept: Susanne Rennert, Susanne Titz, Petra Hollenbach Team
Redaktion & Produktion: Susanne Rennert, Susanne Titz, Henrike Robert, Jonas Keck, Gian Marco Hölk
Fotografische Dokumentation Kassettenkataloge: Tobias Hohn & Stanton Taylor
Creative Direction: Studio von Monkiewitsch, Köln
Technische Realisierung & Produktion: Tobias Sawitzki für Studio von Monkiewitsch

www.museum-moenchengladbach-1967-1978.de