Ein gefülltes Bierglas, im Hintergrund ein Garten Ein gefülltes Bierglas, im Hintergrund ein Garten
Foto: © Gracia Sacher
01.09.2022
Bier

Warum Bier aus dem Glas genießen - und aus welchem?

Redaktion: Gracia Sacher

Bei meinen Tastings wird mir immer wieder die Frage gestellt, warum wir die Biere aus dem Glas bzw. aus genau diesem Glas trinken. Das ist eine gute Frage. In dieser Ausgabe möchte ich euch ein paar Antworten darauf geben. Denn tatsächlich hat die Wahl des Glases einen großen Einfluss auf den Biergenuss. Und: Bierglas ist keinesfalls gleich Bierglas. Auch ihr werdet den ein oder anderen Bierstil sicherlich mit bestimmten Glasformen in Verbindung bringen – das Weißbierglas mit Weißbier, den Glaskrug mit einem Bayrisch Hell oder Dunkel, die Stange mit Kölsch usw. Um die Vielfalt der Aromen eines Bieres wahrnehmen zu können, empfiehlt sich ein Verkostungsglas, wie beispielsweise das TEKU-Glas. Fangen wir doch damit an.

In der Bezeichnung – TEKU – stecken die Namenskürzel der beiden Entwickler. Das Stielglas ist unten bauchig und wird nach oben hin schmaler. Im bauchigen Bereich können sich die Aromen wunderbar entfalten und riecht man nun hinein, kommen ebendiese Aromen möglichst konzentriert in der Nase an. Auch bei der Form des Glasrandes hat man sich Gedanken gemacht. So wölbt sich dieser hier leicht nach außen, was dazu führt, dass das Bier langsamer über die Zunge fließt. Bleiben wir noch kurz im Mund: die Zunge wird durch den breiten Durchmesser des Glases breit überströmt. So werden mehr Geschmacksrezeptoren angesprochen und das Bier kann intensiver wahrgenommen werden. Insbesondere für sehr aromatische Biere – ob auf der hopfigen oder malzigen Seite – sind diese Verkostungsgläser sehr gut geeignet, doch grundsätzlich immer dann, wenn man ein Bier genauer kennenlernen möchte. Übrigens: je wärmer dabei das Bier, desto besser kommen die Aromen durch.

Im Folgenden gehe ich auf die Besonderheiten einiger anderer Bierglastypen ein. Hier ist platzbedingt nur ein grober Überblick möglich; tatsächlich ist das Thema sehr komplex. Die bereits erwähnte Stange für Pils oder Kölsch fällt besonders schmal und hoch aus. Dies sorgt für eine höhere Fließgeschwindigkeit und unterstützt den Frischecharakter des Bieres. Das Bier wird schneller getrunken, sodass es auch eigentlich keine Chance hat, schal zu werden. Die Altbierstangen sind etwas weiter im Durchmesser: dadurch können die malzigen Aromen besser wahrgenommen werden. Grundsätzlich sorgen schmale und hohe Gläser für einen stabilen Schaum.

Glaskrüge sind dickwandig, was für eine längere Kühlung des Bieres sorgt. Auch hier kommen malzige Noten besonders gut zur Geltung, somit sind die Krüge bestens für ein Dunkles, Helles oder beispielsweise ein Festbier geeignet. Das Weißbierglas bietet dank der hohen und schlanken Form der Kohlensäure ausreichend Spielraum; wir bekommen einen schönen, stabilen Schaum. Das Glas wird nach obenhin breiter, wodurch die Weißbieraromen Raum bekommen, sich zu entfalten. Je leerer das Glas, desto mehr legen wir hier den Kopf in den Nacken und nehmen eher größere Schlucke. Folglich trifft das Bier auf dem hinteren Bereich der Zunge auf, was dazu führt, dass das Bier etwas bitterer wahrgenommen wird (hier spielt die Verteilung bzw. die Dichte der unterschiedlichen Rezeptoren auf der Zunge eine Rolle). Diese Wahrnehmung wiederum stellt einen schönen Gegenpol zu dem eigentlich leicht fruchtig-süßen Weißbiergeschmack dar: der Gesamteindruck wird somit deutlich harmonischer.

Grundsätzlich gilt: je schneller das Bier über die Zunge fließt, desto weniger Aromen lassen sich erfassen. Schmale Gläser unterstreichen die Spritzigkeit des Bieres, breitere Formen erlauben eine intensivere Wahrnehmung. Probiert es einfach mal aus: trinkt ein und dasselbe Bier aus unterschiedlichen Glasformen. Ihr werdet überrascht sein.

Zu guter Letzt der Tipp: achtet unbedingt auf Sauberkeit. Staubreste, Fettspuren und Reste von Spülmitteln sind absolute Schaumkiller. Bestenfalls spült ihr die Gläser per Hand (noch besser mit speziellem Glasreiniger) und lasst sie an der Luft trocknen; durch das Trocknen bzw. Polieren mit einem Geschirrtuch bringt ihr wieder Staub und Co. hinein. Unmittelbar vor dem Einschenken noch mal kurz mit kaltem Wasser ausspülen – und dann das Bierchen genießen. In diesem Sinne: lasst es euch schmecken.

Cheers,
Gracia

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