Marc Thiele
Seit September vergangenen Jahres hat Mönchengladbach mit der wineBANK Niederrhein einen neuen Anlaufpunkt für winophile Genießer. In den historischen Kellergewölben des Hauses Erholung ist ein exklusiver Members-Only-Social-Club entstanden, der Weinliebhabern Raum für Genuss, Austausch und Netzwerk bietet. Rund 330 anmietbare Weintresore ermöglichen es den Mitgliedern, ihre privaten Schätze fachgerecht zu lagern – und sie in stilvollem Ambiente gemeinsam mit Gästen oder anderen Mitgliedern zu öffnen.
Die aufwendig renovierten Keller, in denen früher unter anderem die Kleinkunstbühne „Die Spindel“ und das Weinhaus Straeten beheimatet waren, verbinden heute Geschichte und Gegenwart auf bemerkenswerte Weise. Alte Mauern, modernes Design und Weine aus aller Welt schaffen eine entspannte Atmosphäre, die gleichermaßen Kenner, Genießer und neugierige Einsteiger zusammenbringt.
Hinter dem Konzept steht Bernd Niessen, Weingroßhändler und Initiator des beliebten Weinfestes „gladbach gniessen“. Bewusst entschieden er und seine Mitgesellschafter Oliver Nicolai, Frithjof Stuye und Frank Söllner sich für Mönchengladbach als Standort der wineBANK – auch mit dem Ziel, das Thema Wein hier vor Ort langfristig stärker zu verankern.
Ein konsequenter nächster Schritt folgte Anfang November: Mit der wineBAR eröffnete Niessen – ebenfalls im Haus Erholung – ein gastronomisches Angebot, das im Gegensatz zur wineBANK für jedermann zugänglich ist. Von Donnerstag bis Samstag öffnet die Bar ihre Türen und bringt damit ein Stück internationaler Weinkultur in die Stadt.
Schon der Weg in die wineBAR hat etwas Entdeckendes. Durch eine beinahe versteckt liegende Tür an der Seite des Hauses Erholung gelangt man in einen Raum, der sofort seinen eigenen Charme entfaltet. Bei der Renovierung wurde das alte rote Backsteinmauerwerk freigelegt, das im hinteren Bereich in hell verputzte Wände übergeht. Dieser Kontrast aus historischer Substanz und moderner Gestaltung setzt sich in den klaren Holzmöbeln und dem bewusst schummrig gehaltenen Lichtkonzept fort. Das Ergebnis: eine warme, einladende Atmosphäre, die zum Verweilen animiert. Große Fensterfronten auf der rechten Seite der Bar erlauben zudem einen ersten Blick in die den Mitgliedern vorbehaltene wineBANK selbst. Die sichtbaren Weintresore geben einen ersten Eindruck von dem, was in den Gewölben unter dem Haus Erholung entstanden ist.
Bei unserem Besuch war die wineBAR gut gefüllt. Unterschiedlichste Gäste verteilten sich an den Tischen: Freundesgruppen, Paare, Geschäftsleute. Der Gastraum erstreckt sich dabei nicht nur über den schmalen, langgezogenen Eingangsbereich, sondern öffnet sich auf Höhe der mittig platzierten Theke zu weiteren Räumen auf der linken Seite. Trotz der Vielzahl an Gästen bleibt die Atmosphäre angenehm entspannt.
Geführt wird die wineBAR von Barmanager Markus Massen – ebenfalls ein ausgewiesener Weinfachmann und Gastgeber aus Überzeugung. Wer unschlüssig vor der Karte steht, wird hier nicht allein gelassen. Nach einem kurzen Gespräch empfiehlt Massen treffsicher den passenden Wein oder schenkt einen Probierschluck ein. Gemeinsam mit Bernd Niessen hat er eine bewusst überschaubare, dafür qualitativ hochwertige Weinkarte zusammengestellt.
Die Handschrift der beiden ist klar erkennbar: Während Niessen vor allem für deutsche Weine steht, bringt Massen seine Expertise im Bereich spanischer Weine ein, insbesondere aus Katalonien ein. Ergänzt wird das Angebot von Rosé-, Weiß- und Rotweinen durch hochwertige Schaumweine sowie Champagner renommierter Häuser wie Ayala, Louis Roederer oder Bollinger. Trotz des stilvollen Ambientes und der namhaften Produzenten bleiben die Preise erfreulich fair – das Preis-Leistungs-Verhältnis ist ausgesprochen gut.
Auch konzeptionell geht die wineBAR eigene Wege. Klassische Softdrinks wie Cola oder Limonade sucht man auf der Karte vergeblich. Stattdessen dreht sich hier fast alles um die Traube – als Wein, aber auch ganz bewusst als Saft. Beim Bier beschränkt man sich ebenfalls auf das Wesentliche: Genau eine Sorte, ein Helles aus dem Hause Bolten, wird flaschenweise ausgeschenkt.
Für den kleinen Hunger steht meist ein Foodtruck vor der Tür. Alternativ können Gäste bei ausgewählten Catering-Partnern der wineBANK, etwa der nahegelegenen Moshibar, bestellen und die Speisen vor Ort genießen. Das offene Konzept hat jedoch klare Regeln: Mitgebrachte Pizza oder Döner z.B. aus der nahen Altstadt gehören nicht dazu.
Dass die wineBAR auch als Event-Location funktioniert, hat sie bereits eindrucksvoll bewiesen. An Heiligabend 2025 feierten rund 200 Gäste eine rauschende WeinNacht. Musikalisch begleitet von DJ Tim K. und kulinarisch unterstützt vom Cateringpartner Zhai Cuisine aus Viersen, dauerte die Feier bis in die frühen Morgenstunden. Weitere Veranstaltungen sind geplant, auch wenn konkrete Termine noch ausstehen.
Ein weiteres Highlight kündigt sich für das Frühjahr an: Der ehemalige Biergarten des Hauses Erholung soll als wineGARTEN wiederbelebt werden. Sieben Tage die Woche möchte man diesen Bereich künftig bespielen. Das genaue Konzept befindet sich derzeit noch in der Ausarbeitung – die Vorfreude ist jedoch schon jetzt groß.
Fazit
Mit der wineBAR im Haus Erholung ist Mönchengladbach um ein hochwertiges gastronomisches Angebot reicher. Während Weinbars in vielen Städten längst selbstverständlich sind, schließt sich hier nun eine bislang spürbare Lücke. Konzept, Auswahl, Atmosphäre und Preise überzeugen gleichermaßen. Eine klare Empfehlung für alle, die gute Weine nicht nur trinken, sondern erleben möchten – in Mönchengladbach und darüber hinaus.
wineBAR Mönchengladbach
Haus Erholung
Abteistraße 11
41061 Mönchengladbach
Öffnungszeiten
Donnerstag, 17:00 – 23:00 Uhr
Freitag, 17:00 – 23:00 Uhr
Samstag, 12:00 – 23:00 Uhr
Instagram.com/
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