Porträt Rebecca Ohler Porträt Rebecca Ohler
Foto: © Rebecca Ohler
Rebecca Ohler
01.07.2021
Kunst + Kultur

Traumberuf (Online-) Galeristin

Rebecca Ohler im Interview

Redaktion: Jessica Sindermann

Kunst überwindet Zeit, Raum und Sprache. Sie verbindet Menschen miteinander, zeigt Geschichte auf, spiegelt Religionen wieder und ist eine Ausdrucksform von Gefühlen, Gedanken und seelischen Empfindungen, die die Menschheit bewegen. Es ist gleichgültig, mit welchen Sinnen wir Kunst wahrnehmen, ob wir sie als solche erkennen oder nicht, ob es sich um eine Skulptur, ein Gemälde, eine Fotografie, eine Skizze, ein Gedicht oder eine Wachsfigur handelt, eins verbindet sie alle: Sie sind Manifestationen dessen, was den Erschaffer antrieb und gleichzeitig den Betrachter bewegt, vergnügt oder erschüttert.

Auch Rebecca Ohler hat bereits seit vielen Jahren eine Faszination für die Kunst und einen Traum: Sie möchte Galeristin sein. Bereits im letzten Jahr machte sich die 32-Jährige auf die Suche nach Räumlichkeiten im Herzen von Mönchengladbach, um diese Idee in die Tat umzusetzen und ihre Heimatstadt zum stationären Standort ihres eigenen Galerieprogramms zu machen. Doch Corona und der zweite Lockdown trugen schnell dazu bei, dass der Ursprungsgedanke verworfen werden musste. Kurzerhand entschloss sie sich, zunächst mit einer Online-Kunstgalerie inklusive Onlineshop an den Start zu gehen. Im Interview spricht die junge Mönchengladbacher Kunstliebhaberin über ihr individuelles Konzept, wie es dazu kam und was ihre Galerie so einzigartig macht!

HINDENBURGER: Haben Sie sich immer schon für Kunst interessiert?  

Rebecca Ohler: Ja, schon viele Jahre. Ich bin eigentlich damit aufgewachsen und habe im Laufe der Jahre mein eigenes Interesse dafür entwickelt. Mein Faible für Möbel, Design, Einrichtungsgegenstände, Architektur und Kunst war immer schon sehr stark ausgeprägt. Irgendwann habe ich dann begonnen, Galerien zu besuchen, die Arbeit bestimmter Künstler (beispielsweise „Christiane Behr“) zu verfolgen, Zeit auf Auktionen zu verbringen und auch privat Kunst zu erwerben. Das haben in meinem Alter die wenigsten verstanden, aber davon habe ich mich nie beirren lassen!

HINDENBURGER: Wie kam es zu der Idee, eine eigene (Online-) Kunstgalerie zu eröffnen?

Rebecca Ohler: Der Wunsch, als Galeristin tätig zu sein, ist eigentlich schon länger präsent, da ich seit vielen Jahren kunstinteressiert bin und mir unmittelbar nach meinem BWL-Studium bewusst war, dass ich diesen Weg nicht weitergehen möchte. Ich begann dann zunächst, in unserem Familienbetrieb „Kaffeerösterei“ zu arbeiten und habe sowohl die Selbstständigkeit als auch den Aufbau eines Onlineshops dadurch miterleben können. Begegnungen und Bekanntschaften mit Künstler*innen innerhalb der letzten Jahre konkretisierten meine Idee von einer eigenen Kunstgalerie dann, bis ich mir 2020 dachte: „Warum eigentlich nicht? Wenn nicht jetzt, wann dann?“ Und so begann ich mit den Planungen und der Suche nach einem geeigneten Ladenlokal. Doch Corona machte mir mit dem zweiten Lockdown schnell einen Strich durch die Rechnung! Also beschloss ich, zunächst rein online zu starten und das „klassische Galeriebild“ durch mein Konzept etwas zu durchbrechen.      

HINDENBURGER: Was unterscheidet Ihre Galerie von anderen?

Rebecca Ohler: Meine Idee ist es, eine stationäre Galerie zu betreiben und ALLE Werke zeitgleich Online anzubieten. Das machen nicht sehr viele Galerien, da Kunst ein sensibles Gut ist und sich der sichere Versand wirklich komplex gestaltet. Besonders wichtig ist es mir, kundenfreundlicher zu werden durch vollständige Preistransparenz und ein authentisches Konzept. Alle Preise inklusive der Herkunft der Werke sollen offen kommuniziert werden, weil ich denke, für Gegenteiliges gibt es keinen Grund.  Der übliche „Preis auf Anfrage“ hat häufig eine abschreckende Wirkung. Ich möchte das Ganze einfach offener gestalten, die Hemmschwelle senken und dadurch ein breites Spektrum an Menschen ansprechen, auch Jüngere und diejenigen, die sich vielleicht für Kunst interessieren, aber bisher eher weniger Berührungspunkte hatten. Dazu gehört für mich vor allem, dass ich Kunst in allen Preissegmenten anbiete und offenlege, dass ich sowohl Werke vom Primär- als auch vom Sekundärmarkt vertreibe. Diese Offenheit ist für die Kunst- und Galerieszene im Allgemeinen eher untypisch und unterscheidet meine Galerie vielleicht von anderen.      

HINDENBURGER: Welche Art von Kunst stellt Ihre Galerie aus? Sind bestimmte Künstler vertreten?

Rebecca Ohler: Auf die Art der Kunstwerke beschränke ich mich generell nicht. Allerdings habe ich für mich entschieden, dass ich nur anbiete, was mir selbst auch gefällt. Ich finde es authentischer, Werke zu verkaufen, für die ich mich als Galeristin auch selbst begeistern kann. Die Künstler, die ich zurzeit bereits ganz offiziell vertrete, sind Christiane Behr aus Mönchengladbach und Georg Ettl, der lange wohnhaft gewesen ist in Viersen und dessen Nachlass ich nun gemeinsam mit seiner Tochter verwalte. Außerdem noch Günther Uecker, Otto Piene und Heinz Mack. Ansonsten verkaufe ich im Kundenauftrag viel Kunst vom Sekundärmarkt. Dabei handelt es sich um Siebdrucke, Malerei und Objekte. Also ganz Unterschiedliches.

HINDENBURGER: Welche Pläne für die Zukunft haben Sie?

Rebecca Ohler: Geplant sind wechselnde Pop-Up-Stores in unterschiedlichen Städten. Der erste ist jetzt im Juli schon fest geplant und in Mönchengladbach bin ich gerade noch auf der Suche nach passenden Räumlichkeiten. Ich denke, langfristig gesehen sind wechselnde Standorte die bessere Lösung. Natürlich wäre es toll, auch weitere Künstler aufzunehmen und den Kunstmarkt insgesamt etwas zu revolutionieren, indem ich einen Anreiz schaffe, ihn transparenter und offener zu gestalten.    

HINDENBURGER: Frau Ohler, herzlichen Dank für die interessanten Einblicke und alles Gute für Ihre Zukunft als (Online-)Galeristin.

www.onlinegalerie-ro.de