Ein Schwarz-weiß Portrait der Tänzerin Flàvia Harada Ein Schwarz-weiß Portrait der Tänzerin Flàvia Harada
Foto: © Matthias Stutte
Tänzerin Flàvia Harada schildert ihren Tagesablauf
01.06.2021
Kunst + Kultur

„WHAT DANCERS DO“

Ein Tag im Leben einer Tänzerin

Redaktion: Jessica Sindermann

Scheinwerferlicht, schimmernde Kostüme und Tag für Tag der Blick in leuchtende Gesichter – so stellen wir uns den Beruf einer Profitänzerin vor. Wer den in Zusammenarbeit mit der Krefelder Filmfirma „Bildmühle“ entstandenen Dokumentarfilm „What dancers do“ über die Ballettcompagnie des Theaters Krefeld und Mönchengladbach verfolgt hat, konnte bereits exklusive Einblicke in den Arbeitsalltag der Tänzer*innen auf und hinter der Bühne erlangen. Mit viel Liebe zum Detail und der erfahrenen Stimme des Ballettdirektors Robert North im Off-Kommentar begleitet die Ballett-Dokumentation das talentierte Ensemble vom Training bis zur Bühnenvorstellung ihres Stücks „Alles neu“ und eröffnet dabei Perspektiven, die dem Zuschauer sonst verborgen blieben.

Doch wie sieht so ein normaler Tag im Leben einer Tänzerin eigentlich aus?

Die 24-jährige, gebürtige Brasilianerin Flávia Harada, die mit 15 Jahren für ihre Leidenschaft nach München kam, seit 2016 als Tänzerin am Theater Krefeld und Mönchengladbach tätig ist und beim internationalen Ballett-Wettbewerb bereits den 1. Platz in der professionellen Senior-Kategorie belegt hat, schildert mir ihren Tagesablauf und erzählt von Frühstücksgewohnheiten, Trainingszeiten und warum es nicht immer einfach ist, diesen Traum zu leben!


Morgens:

7.50 Uhr

Mein Tag startet eigentlich immer um 7.50 Uhr morgens. Dann stehe ich auf, gehe in die Küche und bereite mir als erstes mein Frühstück zu, bei dem eine Tasse Kaffee natürlich nicht fehlen darf! Eine strenge Diät halte ich zwar nicht, dennoch achte ich darauf, kleinere Portionen zu mir zu nehmen und mich gesund und ausgewogen zu ernähren. Morgens esse ich beispielsweise sehr gerne Jogurt mit Müsli und verschiedenen Früchten! Besonders Banane ist darin essenziell. Sie enthält viel Fruchtzucker und ist reich an Kalium und Magnesium, weshalb sie als schneller Energielieferant für das bevorstehende Training perfekt geeignet ist! Auch Nahrungsergänzungsmittel wie Magnesium-, Calcium-, Vitamin- und Omega-3-Kapseln sind für mich als Tänzerin unverzichtbar und fest in meine Morgenroutine integriert, da sie wichtig sind für Muskeln, Herztätigkeit und den Aufbau der Knochen. Den gesamten Tag über versuche ich außerdem, auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten und viel Wasser zu trinken.

9.15 Uhr

Nachdem ich mich angezogen habe, mache ich mich auf den Weg zur Arbeit. Ich wohne nicht weit weg und daher ist das Theater fußläufig innerhalb von 10 Minuten von mir aus zu erreichen. Aufgrund der Pandemie trainieren wir allerdings zurzeit in der RED BOX, die ausreichend Platz bietet, um die Abstände einzuhalten. Sobald ich angekommen bin, ziehe ich mich um, binde mir die Haare zu einem Knoten zusammen und beginne bereits 15 Minuten vor Trainingsbeginn, wie alle meine Kolleg*innen, mit dem Aufwärmen. Ich dehne meine Muskulatur und mache einige Cardioübungen. Das ist sehr wichtig, um meinen Körper auf das Training vorzubereiten und das Verletzungsrisiko zu minimieren.

10.00 Uhr

Trainingsbeginn. Das Training geht grundsätzlich 75 Minuten und hier am Theater Krefeld und Mönchengladbach haben wir die Ehre, regelmäßig internationale Gastlehrer begrüßen zu dürfen, die neben unserem Chef Robert North das Training leiten. Das finde ich toll, da jeder von ihnen einen anderen Stil verfolgt und das Training daher immer variiert! Außerdem habe ich dadurch die Chance, ganz unterschiedliches Feedback zu erhalten und meine Technik immer weiter zu optimieren.

11.15 Uhr

Nach dem anstrengenden Training steht zunächst eine kurze, 15-minütige Pause an. Ich habe Zeit mich umzuziehen, das Bad aufzusuchen und eine Kleinigkeit zu essen. Hier greife ich dann meist auf eine Banane zurück.

11.30 Uhr

Jetzt beginnen die Proben im Ballettsaal mit Ballettdirektor Robert North und unserer Trainings- und Ballettmeisterin Sheri Cook für die bevorstehenden Vorstellungen.


Mittags:

14.00 Uhr

Mittagspause. Zeit, um meine Kraftreserven ein wenig aufzutanken, mich mit meinen Kolleg*innen auszutauschen und etwas zu essen. In der Regel verzehre ich dann etwas Leichtes – Salat, ein Brötchen oder etwas anderes, das mir bei den Sprüngen im Anschluss daran nicht schwer im Magen liegt. Denn mein Arbeitstag ist noch lange nicht um!

14.30 Uhr

…und weiter gehen die Proben, die in der Woche vor der Premiere dann mit entsprechender Beleuchtung, Kostümen und Make-up auf der Bühne stattfinden. Aktuell bereiten wir uns auf unsere neuen Stücke „Alles neu“ und „Während wir warten“ vor.


Abends:

17.00 Uhr

Wenn am Abend keine Vorstellung ansteht, habe ich Feierabend. Das bedeutet jedoch nicht, dass es direkt nach Hause auf meine Wohnzimmercouch geht. Mehrmals in der Woche mache ich mich danach auf den Weg zum Fitnessstudio, um beim Krafttraining die Muskeln zu stärken, die beim Ballett weniger beansprucht werden.

18.00 Uhr

Es geht nach Hause, um nach einem körperintensiven Arbeitstag meine beanspruchte Muskulatur mithilfe einer Blackroll zu massieren, zu dehnen und mit Arnikasalbe oder ähnlichem einzureiben. Auch Wärmepflaster helfen mir. Mein Körper ist als Tänzerin mein Kapital und erfordert entsprechende Pflege. Es ist nicht immer leicht – Verletzungen bleiben nicht aus und nach meinem Arbeitstag bin ich meist so erschöpft, dass ich keine Motivation mehr habe, noch etwas mit Freunden zu unternehmen oder eine Bar zu besuchen. Auch im Anschluss an eine anspruchsvolle Arbeitswoche bleibt kaum Kraft für andere Freizeitaktivitäten übrig.

19.00 Uhr

Abendessen. Nach einem langen Tag koche ich dann am liebsten Reis oder Pasta mit Gemüse und magerem Fleisch. Mein Freund ist Koch und hat mich zu vielen italienischen Gerichten inspiriert! (lacht) Die Kohlenhydrate sind eine Stärkung für das Training am nächsten Morgen und wirklich notwendig, da die Mittagspause nur eine halbe Stunde geht und ich dann aufgrund der nachfolgenden Proben bisher nur eine wirklich kleine Menge zu mir nehmen konnte.

20.00 Uhr

Von nun an ist Entspannung angesagt, damit sich mein Körper regenerieren kann. Ich genieße die Zeit dann auch gerne mal auf der Couch.

21.00 Uhr

Durch Videotelefonate am Abend bleibe ich mit meiner Familie aus Brasilien in Kontakt, was mir aufgrund der Entfernung sehr wichtig ist. Das ist meine Art von Erholung.

23.30 Uhr

Jetzt ist es Zeit für meine wohlverdiente Nachtruhe, schließlich muss ich morgen wieder fit sein für das anstehende Training und die Proben!

Wir wünschen Flávia Harada weiterhin alles Gute und bedanken uns für die offenen, ehrlichen Einblicke in ihr Leben.


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