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MEDIZIN+CO

MEDIZIN+CO 03/2020

GESUNDHEITSBERUFE 2020

GESUNDHEITSBERUFE 2020
Foto: © Band
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Astronaut

Redaktion: Corinna Greven

Während auf dem Bahnhofsvorplatz passiert, was da halt immer so passiert, trifft sich im Bunker am Bahnhof regelmäßig eine der eher ungewöhnlicheren Kapellen der Stadt zum Proben. Wer bislang keinem der Konzerte der Band „Astronaut“ beiwohnen konnte, sollte diese Scharte in seinem musikalischen Lebenslauf schleunigst auswetzen. Die 4 gestandenen Musiker Alex Cremer (Gesang), René Blum (Bass), Oliver Jansen (Gitarre) und Andreas Hülsen (Schlagzeug) halten der Gesellschaft den Spiegel vor und zeigen dabei, dass das durchaus auch Spaß machen kann. Wir trafen 3 der 4 Herren zum Gespräch. (Andreas Hülsen war leider zum Termin erkrankt)

HINDENBURGER: Im September 2019 ist Euer Debutalbum „Problemhits“ rausgekommen. Davor gab es aber schon ein Album namens „Urlaub im All“ aus dem Jahre 2014. Wieso nennt Ihr „Problemhits“ Euer Debut?

Oliver Jansen: Wir machen schon lange zu dritt Musik. Mit „The Bloom“ als Liveprojekt auch zu fünft und dann als „Astronaut“ wieder zu dritt. Seit 2 Jahren ist jetzt Andreas als Schlagzeuger mit dabei. Da haben wir dann alte Sachen aufgegriffen, aber auch neue Songs gemacht.

René Blum: Dass wir „Problemhits“ als unser Debut bezeichnen, liegt daran, dass wir zum ersten Mal in der Lage waren, mit den Astronautsongs auf die Bühne zu gehen. Alex Cremer: Unsere alten Sachen waren aber ja nun mal da und auch gut, so dass wir 2014 entschlossen haben, diese in eine verteilbare Form, also ein Album, zu packen. Das war damals noch mit E-Drum. Das kam richtig gut an, war für uns aber live nicht umsetzbar. Das ging erst jetzt mit Andreas und darum auch Debutalbum.

HINDENBURGER: Was für Musik erwartet den Hörer? Mich persönlich hat es mitunter an die Hamburger Schule erinnert.

Alex Cremer: Wir sind eine ganze Ecke poppiger, denke ich. Die Hamburger Schule war da dann doch elegischer. Tiefsinniger. Wir haben ja mitunter durchaus auch nicht ganz so ernst gemeinte Texte. René Blum: Naja, wenn ich mir „Wir sind nicht in Seattle, Dirk“ (Tocotronic, Anm. d. Red.) so anhöre...

Alex Cremer: Ja gut, aber ich finde uns dann doch noch leichter. Niederrheinischer.

Oliver Jansen: Ich kann und will das gar nicht beschreiben. Natürlich dient Vieles als Inspiration, aber was wir da letztendlich draus machen, ist für mich nicht zu beschreiben. Jeder von uns hat ja seine eigene musikalische Sozialisation und bringt die mit rein. Der Output, der dabei entsteht, ist das, womit wir uns alle identifizieren und den wir alle geil finden. Das macht Musik ja so schön, dass jeder auch was anderes damit assoziiert. Dich erinnert es an die Hamburger Schule, jemand anders fühlt sich vielleicht an NDW erinnert.

René Blum: Das spiegelt sich generell bei uns wider. Wir haben rockigere Stücke, mal völligen Nonsens, dann wieder eine Ballade oder einen Shanty oder Reggae. Wir sind überhaupt nicht festgelegt, haben aber wohl doch irgendwie einen roten Faden.

HINDENBURGER: Ihr seid ja nun gestandene Männer mit „echten“ Berufen. Was würde passieren, wenn „Astronaut“ durch die Decke ginge?

Alex Cremer: Weltruhm würde ich nehmen! Oliver Jansen: Also, ich höre mir auch jedes Angebot an!

René Blum: Wäre ich auch dabei! Ich würde mich totlachen, aber ich wäre dabei! Spaß beiseite: wir sind echt zu alt, um uns mühsam in kleinen Jugendclubs für eine Kiste warmes Bier hochzuspielen. Das muss schon zueinander passen. Das geht ganz klar zu anderen Parametern als mit 19. Alex Cremer: In allererster Linie machen wir das schon für uns. Wir wollen gute Musik mit guten Texten machen, wir wollen die aber auch in der Öffentlichkeit präsentieren und promoten. Ich würde mir die Nähe zu einem guten Label, wie z.B. Staatsakt, wünschen, um darüber Kontakte zu knüpfen. Wenn da jemand käme und sagt: „Hey, wir machen da und da ein Festival, habt Ihr nicht Lust vorbeizukommen?“ – da wäre ich aber sowas von dabei. An Ruhm denke ich dabei gar nicht so. Einfach neue, andere Leute kennenzulernen, denen im besten Fall unsere Musik gefällt, da hätte ich Lust drauf. Oliver Jansen: Es ist schön, Konzerte zu spielen und ein Feedback zu kriegen. Dafür macht man das ja auch. Und das Ganze mal in eine fremde Stadt zu bringen, wo einen keiner kennt und keine Freunde im Publikum sind, das wäre schon was. Aber das kann man auch nicht jedes Wochenende machen, wenn man noch einen „normalen“ Alltag hat. Alex Cremer: Es ist so: wir sind alle mehr oder minder um die 50, wir sind gesettlet und das würde unser Leben natürlich ganz schön durcheinander würfeln und da müsste man sich echt überlegen, was dabei rumkäme. Aber eine kleine Tour – das wäre schon was.

Foto: © Band
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HINDENBURGER: Ihr singt auf Deutsch

Alex Cremer: Früher waren wir auf Englisch unterwegs und ich war da irgendwann unzufrieden mit meinem Können. Es hat nicht gereicht, um das auszudrücken, was ich ausdrücken wollte. Mit „Astronaut“ konnte ich das zum ersten Mal vernünftig umsetzen und die Jungs haben auch von Anfang an fleißig mitgezogen. Ich bin zwar federführend für die Texte verantwortlich, aber eigentlich sind das Gemeinschaftsleistungen, da so vieles während der Proben, der Auftritte und sogar während des Einsingens für eine Aufnahme mit einfließt, dass da am Ende des Tages alle beteiligt sind. Und Deutsch ist nun mal eine schöne Sprache.

Oliver Jansen: Die deutsche Sprache gibt der Musik eine ganz andere Ebene. Der Zuhörer versteht auf Anhieb, was wir sagen möchten.

HINDENBURGER: Was möchtet Ihr denn sagen?

Alex Cremer: Ich arbeite in der Psychiatrie und bekomme dadurch viel mit vom Leid und Freud der Menschen, wie Menschen zusammen sind und miteinander umgehen. Was uns als Band verbindet, ist, dass wir dem Leben gegenüber positiv aufgeschlossen sind. Es gibt Menschen, die hinter jedem Baum einen Räuber vermuten und Menschen, die glauben, in Jedem etwas Liebens- und Achtenswertes entdecken zu können. Wir gehören eher zur 2. Gattung. Ich kritisiere in den Texten aber klar die andere Seite. Ich kann nicht verstehen, warum Menschen oft so sind. Warum schließen sie sich nicht einer Gesellschaft der Freude und des gegenseitigen Respekts an? Das leuchtet mir nicht ein und das prangere ich an.

HINDENBURGER: Aber immer mit einem Augenzwinkern, oder?

René Blum: Man findet sich ja selbst auch hier und da mal auf der „anderen“ Seite wieder. Da muss man sich dieses Augenzwinkern auch und vor allem sich selbst gegenüber beibehalten.

Oliver Jansen: Man muss selbstkritisch sein können. Und erkennen, dass man nicht besser ist. Ich habe meine Sicht und die Sicht eines anderen muss genau so viel wert sein, auch wenn ich nicht der gleichen Meinung bin. Man muss den Dialog offen halten und sich austauschen. Natürlich kann man Probleme nicht einfach wegzwinkern. Die sind ja definitiv vorhanden. Man muss sich da schon Gedanken drüber machen. Wir haben alles Mögliche an Aufgaben, die wir gesellschaftlich wuppen müssen.

Alex Cremer: Wie Du merkst, reden wir hier über vieles. Und das finde ich gut und wichtig. Wir machen hier im Proberaum nicht nur Musik. Manchmal sitzen wir auch nur und diskutieren und das fließt alles mit in die Musik ein. Oder eben auch nicht.

HINDENBURGER: Wann kann das geneigte Publikum Euch denn wieder live erleben?

Alex Cremer: Es war geplant, am 9.5. im Rahmen der Kulturnacht „nachtaktiv“ zusammen mit Bellchild und einer weiteren Band, die Uwe Hillekamp noch in der Pipeline hat, im Museum Abteiberg zu spielen. Die wurde aufgrund der aktuellen Entwicklungen auf den Herbst verschoben, ein genauer Ersatztermin steht hier aber noch nicht fest.

René Blum: Außerdem am 13.6. in Aachen im Hotel Europa. Wir würden halt echt gerne auch etwas weiter weg spielen. Es ist ja Unfug, als Band 4 Konzerte im Jahr in Mönchengladbach zu geben. Da wollen wir uns jetzt auch drum kümmern. Im November werden wir aber sicherlich auch wieder im Messajero was machen.

Alex Cremer: Aktuell produzieren wir neue Songs, die wir bald veröffentlichen werden und planen dazu noch, dass es bald Vinyl von uns gibt – und zwar recht viel!

HINDENBURGER: Was erwartet die Leute bei Eurem Auftritt?

Oliver Jansen: Wir wollen dem Publikum da etwas Außergewöhnliches bieten. Vielleicht wird es was Interaktives, aber allzu viel soll hier noch nicht verraten werden. Wir sind auf der Bühne sehr konzentriert. Natürlich findet reger Austausch – auch mit dem Publikum – statt, aber eine Bühnenshow oder gar Choreographie muss niemand befürchten!

Alex Cremer: Wir sind keine typische Hinguckerband. Wir machen einfach nur unsere Musik und haben Freude daran.

HINDENBURGER: Vielen Dank für das Gespräch! Wer sich mal mit Astronaut beschäftigen möchte, erreicht alle Kommuniktionskanäle der Band über die Website www.astronaut.nrw.

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