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MEDIZIN+CO

MEDIZIN+CO 03/2020

GESUNDHEITSBERUFE 2020

GESUNDHEITSBERUFE 2020
Florian Neuhaus hat mit seiner Vertragsverlängerung ein Zeichen gesetzt: Die viel umworbene Mittelfeldmann geht den eingeschlagenen Weg mit Borussia weiter. Foto: © Borussia
Florian Neuhaus hat mit seiner Vertragsverlängerung ein Zeichen gesetzt: Die viel umworbene Mittelfeldmann geht den eingeschlagenen Weg mit Borussia weiter. Foto: © Borussia

Borussia im Höhenflug

Die Euphorie mag wieder enden, der eingeschlagene Weg des VfL dagegen hoffentlich nicht

Redaktion: Ingo Rütten

Solch einen Höhenflug hat Borussia lange schon nicht mehr erlebt! Siege über Siege, und eine Tabellenführung in der Bundesliga über Wochen, so dass man sich an den Anblick gewöhnen konnte. Zudem der 2:1-Sieg gegen AS Rom in der Europa League, der nicht nur aufgrund seines Zustandekommens ein ganz besonderer war. Wäre nicht das DFB-Pokalaus und die mittlerweile als normal einzustufende Niederlage beim BVB in Dortmund gewesen, hätten sich die VfL-Fans tatsächlich wie in einem schönen Traum wähnen können. Dass sie es trotzdem tun, spricht für die Arbeit der Mannschaft und wohl in erster Linie des Trainerteams rund um Marco Rose.

Rose und alle anderen Verantwortlichen lassen derzeit ein gewisses Maß an Euphorie zu. Offensichtlich belebt sie nicht nur die Stimmung der Fans, sondern auch die Leistungen und den Siegeswillen der Mannschaft. Und trotzdem muss an dieser Stelle aus mehreren Gründen an die zurückliegende Saison erinnert werden: Nicht um die Euphorie einzudämmen, eher um sie noch intensiver genießen zu können! Vor rund einem Jahr stand Borussia nach elf Spieltagen auf dem zweiten Tabellenplatz und hatte nur zwei Punkte weniger auf dem Konto als nach demselben Spieltag dieser Saison. Die 33 Zähler zur Winterpause waren erstaunlich, der dritte Tabellenplatz Balsam für die Fanseele. Diese Hochstimmung hielt auch noch Anfang 2019 an, denn der VfL holte sich mit drei Siegen in Serie den zweiten Tabellenplatz zurück und thronte dort mit zwölf Punkten Vorsprung auf Bayer Leverkusen – das am Ende der Spielzeit vor und anstelle von Borussia in die Champions League einzog.

Entscheidende Wendung?

Das lag weniger an Leverkusen als daran, dass der VfL aus den letzten 14 Spieltagen nur noch 13 Punkte holte. Die Euphorie war weg, und plötzlich erinnerten sich Fans und Verantwortliche daran, dass die Punkteausbeute der Hinserie angesichts der gezeigten Leistungen sowohl als perfekt als auch als glücklich bezeichnet werden durfte. Die Geschichte ist bekannt und hat vermutlich gerade deswegen eine entscheidende Wendung genommen, auch wenn für eine endgültige Beurteilung noch nicht der richtige Zeitpunkt gekommen ist. Sportdirektor Max Eberl forcierte die Trennung von Trainer Dieter Hecking und kassierte dafür öffentlich Schelte. Zu Unrecht, wie sich heute zeigt. Es ist genau das eingetreten, warum Eberl gehandelt hat. Borussia spielt wieder tollen Fußball, nicht immer schön, aber immer entschlossen, immer das Heft in der Hand haltend und immer auf Sieg. Was für ein Unterschied zu dem abwartenden, teils lustlos erscheinenden Gekicke aus der letzten Saison. Mit dem negativen Höhepunkt zum Abschluss beim 0:2 gegen den BVB, als zu keinem Zeitpunkt ein Aufbäumen zu erkennen war, obwohl die Qualifikation für die Champions League noch aus eigener Kraft zu erreichen war.
Die Tabellenführung in der Bundesliga in diesem Herbst ist verdient, ohne Wenn und Aber. Und sie ist erarbeitet. Niemand kann wirklich vorhersagen, wie es in den kommenden Wochen und nach der Winterpause weitergeht. Aber wie sich Borussia dem Verletzungspech und den schwierigen Aufgaben in diesem Herbst gestellt hat, nötig Respekt ab. Die Euphorie ist angebracht - völlig ungeachtet der Tabellenführung. Acht Siege in den ersten elf Spielen – das ist einfach Spitze. Dazu zwei Niederlagen, bei denen Borussia eigentlich richtig gut aussah, das 1:3 gegen Leipzig und das 0:1 in Dortmund zeigten indes auf, wie eng es in der Bundesliga zugeht. Noch ein Grund, jeden Moment als Spitzenreiter zu genießen. Nur die Älteren unter uns können sich daran erinnern, dass der VfL so lange an der Tabellenspitze gestanden hat.

Höhepunkte im Dezember

Im Dezember warten noch einige Höhepunkte auf die Borussen, angefangen mit den beiden direkt aufeinanderfolgenden Spitzenspielen in der Meisterschaft daheim im Borussia-Park gegen den SC Freiburg und anschließend gegen den FC Bayern München. Das dritte Heimspiel innerhalb von zwölf Tagen ist das letzte in der Gruppenphase der Europa League gegen Basaksehir aus Istanbul. Durch den fulminanten 2:1-Sieg gegen AS Rom hat sich der VfL in die Position gebracht, dass diese Partie die entscheidende sein könnte und Borussia auch im neuen Jahr noch in der Europa League mitmischen darf. Ende November sind für diesen Schlussakkord mit der Revanche beim Wolfsberger AC die Instrumente gestimmt worden. Jenes 0:4 im Hinspiel gegen die Österreicher scheint rückblickend von einer anderen Mannschaft eingefahren worden zu sein, das Rückspiel konnte produktionsbedingt an dieser Stelle nicht berücksichtigt werden.

Es sind nicht einzelne Resultate, die einen VfL-Fan langfristig frohlocken lassen. Es sind auf Sicht aber unter anderem Vertragsverlängerungen von jungen Leistungsträgern, die Zeichen setzen und den eingeschlagenen Weg mitgehen wollen: Florian Neuhaus wurde von vielen Clubs umgarnt, der U21-Nationalspieler hat sich dennoch langfristig bis 2024 an den VfL gebunden. Eine Unterschrift mit Signalwirkung? Natürlich, nicht alle Borussen, die auf der Einkaufsliste anderer Clubs auftauchen, werden uns erhalten bleiben. Das dürfte auch wirtschaftlich gar nicht wünschenswert sein; entscheidend bleibt die Perspektive, auch für neue Spieler – und spätestens jetzt kommt der Trainer wieder ins Spiel. Marco Rose scheint das Zeug zu haben, das seit der Flucht von Lucien Favre niemand mehr hatte bei Borussia. Rose macht die einzelnen Spieler besser und lässt sie ihre Stärken ausspielen. Zu euphorisch? Nun gut, die Euphorie mag wieder enden, der eingeschlagene Weg des VfL dagegen hoffentlich nicht.

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