November 2019

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Matthias Ginter hatte beim 1:3 gegen Leipzig einen „gebrauchten Tag“ und in Timo Werner einen pfeilschnellen Gegenspieler erwischt. Foto: © Borussia
Matthias Ginter hatte beim 1:3 gegen Leipzig einen „gebrauchten Tag“ und in Timo Werner einen pfeilschnellen Gegenspieler erwischt. Foto: © Borussia

Borussia-Park träumt von Spektakel

Redaktion: Ingo Rütten

Die Handschrift von Marco Rose wird zunehmend erkennbar, hoffentlich ändert sich das nicht in diesen Wochen!

Borussia war schon immer ein Fußballclub, der von seiner Tradition gelebt und der viele Geschichten aus der glorreichen Vergangenheit zu erzählen hat. Ein Saisonstart mit sieben Punkten aus vier Spielen in der Bundesliga, einem mühsamen Pokalerfolg in der ersten Runde bei einem Zweitligisten und nur ein wirklich gutes Spiel über 90 Minuten, das noch dazu verloren ging, ragen in ein paar Jahren sicher nicht mehr sonderlich heraus. Und doch sind die ersten Wochen für Borussia in der Spielzeit 2019/20 gute und ganz besondere.

In erster Linie deswegen, weil die Handschrift des neuen Trainers Marco Rose immer auffälligere Spuren hinterlässt. Der charismatische Nachfolger von Dieter Hecking hatte nicht grundlos bei seiner Inthronisierung davon gesprochen, dass er zwar gerne mit seiner Elf Spektakel böte, aber dass es auf dem Weg dorthin manches Mal nicht einfach werden würde. Das erste Mal, dass sich die Borussenfans so richtig an die Worte des Trainers erinnert gefühlt haben werden, dürfte die 1:3-Niederlage gegen RB Leipzig gewesen sein. Das war schon spektakulär, wie der VfL gegen die von Julian Nagelsmann trainierten ambitionierten Bullen auftrat, nicht aufsteckte und beinahe in der Nachspielzeit nach dem späten Anschlusstor von Breel Embolo sogar noch den Ausgleich erzielt hätte. Aber es war nicht minder auffällig, wie anfällig die VfL-Hintermannschaft um Matthias Ginter mal wieder gegen zugegeben pfeilschnelle Angreifer war.

Nun hat glücklicherweise nicht jeder Gegner einen Timo Werner im Kader. Der Nationalspieler schoss alle drei RB-Tore und zeigte sich mal wieder als persönliches Schreckgespenst für den VfL, der seinerseits bis auf den erwähnten gegnerischen Stürmer immer mit dem Gegner auf Augenhöhe war und die Partie bei einem anderen Spielverlauf vielleicht erfolgreich hätte beenden können. Chancen durch Alassane Plea zum Beispiel gab es für eine Führung genug. Müßig! Dass es auch anders geht, zeigte Borussia nach der Länderspielpause im Derby beim 1. FC Köln. Wieder spielte Borussia stark auf, dieses Mal jedoch nur eine Halbzeit, um mit einer 1:0-Führung (Plea) im Rücken eher die Verwaltung des Spiels statt die Gestaltung zu wählen. Dass dies bis zum Schlusspfiff glückte, war verdient, stand aber dennoch auf wackligen Beinen. Das bemerkte auch Rose, der immerhin sehr angetan von der Vorstellung seiner Mannschaft im ersten Durchgang sein durfte. Das hohe Tempo, die vielen Sprints, das Pressing und das Umschaltspiel gefielen dem Coach und gab den Anhängern eine Vorstellung davon, wie Borussias Spiel aussehen kann, wenn der von Rose zu Saisonbeginn zurecht angemahnte Prozess vollendet ist. „Derbysieg einen Moment genießen“

Rose kann die Leistungen seiner neuen Elf offensichtlich gut einschätzen, er weiß, wo es noch zu verbessern ist: „Themen wie ständige Kompaktheit und Aufmerksamkeit – da lasse ich nicht locker. Wir sollten 90 Minuten auf Sendung sein“, sagte er nach dem Derbysieg. Und gewiss nicht nur an seine Mannschaft, sondern auch an die Fans gerichtet, ergänzte er, den Derbysieg zwar einen Moment lang genießen zu können, aber dass er gleichzeitig auch schon wieder darauf hinarbeite, „mehr zu wollen, sich weiterzuentwickeln. Jedes positive Ergebnis, gerade wenn du neu anfängst, hilft dir natürlich. Die Öffentlichkeit schaut auf uns.“

Und hier hängt dem neuen Trainer nicht die Tradition des Vereins im Genick, hier ist es eher die erfolgreiche jüngere Vergangenheit, die Lucien Favre einläutete und an die Dieter Hecking zum Schluss seiner knapp drei Jahre bei Borussia so gerade eben noch einmal erinnern konnte. Hecking ist es zu verdanken, dass Borussia in diesen Wochen wieder international spielen darf. Doch der neue Trainer hat beim VfL offensichtlich auch weitergehende, andere Aufgaben. So verriet Sportdirektor Max Eberl in einem Interview mit ran.de in seinen Worten über Marco Rose, was er möglicherweise in der Vergangenheit etwas vermisst hat: „Er ist ein Trainer, der genau weiß, was er will, wie er es will und wie er es umgesetzt haben möchte. Er lässt sich auf keine Kompromisse ein und das tut dem Verein gerade gut. Das ist ein neuer Ansatz für uns, basierend auf den vergangenen, erfolgreichen Jahren. Die Symbiose zwischen Trainer und Borussia Mönchengladbach funktioniert wie gewünscht.“

Zweimal beim BVB

Hoffentlich bleibt das auch im Herbst der Fall. Im Oktober hat Borussia gleich sechs Spiele vor der Brust, und die haben es in sich. Alleine zweimal muss der VfL beim BVB in Dortmund antreten – zunächst in der Bundesliga am 19.10 und dann am Ende des Monats am 30.10. im DFB-Pokal. Nicht unbedingt leichter aber mindestens genauso reizvoll ist die Auswärtspartie in der Europa League am 24.10. bei AS Rom. In den „Englischen Wochen“ wird sich noch einmal nachdrücklich zeigen, wie gut die Borussen das gewünscht aggressive wie anstrengende Spielsystem des Trainers auf Dauer werden umsetzen können.

Unabhängig von diesen durchaus erfreulichen aktuellen Entwicklungen gibt es auch zum Thema Vergangenheit gute Nachrichten. Denn runde 15 Jahre nach dem Abschied vom Bökelberg hat sich die Stadt dazu entschieden, ungefähr auf der Höhe der ehemaligen Borussia-Geschäftsstelle eine Art Denkmal, ein Bökelbergstadion in kleinem Format, mit Flutlichtmast und Betonstufen zu errichten. Der Bökelberg hat in seiner langen Geschichte Spektakel erlebt, von denen der Borussia-Park in seiner bisherigen vergleichsweise kurzen Existenz nur träumen kann. Hoffentlich so wie die VfL-Fans träumen dürfen in diesen Wochen, wenn sich die Handschrift des aktuellen Trainers immer weiter zeigen wird.

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