Januar 2020

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Foto: © Gabi Strasdas
Foto: © Gabi Strasdas

Das Sinfonische Rock Orchester (S-R-O)

Redaktion: Corinna Greven

Am 2./3.11.2019 fand zum 15. Mal der Workshop des Sinfonischen Rock Orchesters (SRO) in Schwalmtal mit anschließendem Benefizkonzert zu Gunsten der Fachbereichsleitung Musik des St.-Wolfhelm-Gymnasiums statt. Unter der Leitung des Mönchengladbacher Cellisten David Koebele übten über 70 Musiker unterschiedlichster Leistungsstufen 15 extra arrangierte Stücke ein und präsentierten diese einem rund 400-köpfigen Publikum. Darunter auch Hits wie „Nothing else matters“ (Metallica), „Creep“ (Radiohead), „Haus am See“ (Peter Fox) und „Skyfall“ (Adele). Wir haben das Jubiläum des SRO für ein Gespräch mit „Mastermind“ David Koebele genutzt.

HINDENBURGER: Herr Koebele, herzlichen Glückwunsch zum 15. Workshop. Das SRO ist ja mittlerweile über die Region hinaus bekannt. Erzählen Sie uns doch etwas über die Entstehungsgeschichte.

Gern. Ich habe vor Jahren Cello-Stimmproben mit dem Orchester OSO in Herzogenrath gemacht. Nach den Proben für die klassischen Stücke habe ich angefangen, Stücke von Apocalyptica einzuüben. Die Dirigentin fand, dass das so gut klang, dass wir das aufführen sollten. Das hat dazu geführt, dass dann auch die Bratschen mitmachen wollten, dann das ganze Orchester und so nahm das Ganze seinen Lauf. 2012 hab ich dann meine eigenes Orchester, das SRO, gegründet und zum ersten Mal einen SRO-Workshop angeboten. Damals waren wir so um die 20 Teilnehmer. Das Spezielle ist, dass bei uns jeder mitmachen kann, von 6-85 Jahren hatten wir schon alles dabei. Darüber hinaus zeichnet uns aus – und da zeigen mir eigentlich alle, die was davon verstehen, einen Vogel – dass wir alle Arrangements selber machen. Wir schreiben alle Stimmen selbst, eine normale und eine sehr stark vereinfachte. Hierbei ist mir besonders Hannah Lenz (Konzertmeisterin) eine enorme Unterstützung, da auch sie viele der Arrangements geschrieben hat. So kann jeder mitmachen, der die Grundlagen des Instruments beherrscht. Da sitzt der Anfänger dann mittendrin, mitten im guten Klang und merkt „Aha, da geht die Reise hin, das will ich auch!“. Das kann nur funktionieren, weil ich die Noten so arrangiert habe und weil ich in jeder Stimme Profis sitzen habe. D.h. die Stimmführung, die Konzertmeisterin, das sind alles Dozenten, die ich quasi einkaufe und auch aus der Familie akquiriere (lacht).

Orchestergründer und Leiter David Köbele. Foto: © Gabi Strasdas
Orchestergründer und Leiter David Köbele. Foto: © Gabi Strasdas

HINDENBURGER: Wie kann man sich die Proben vorstellen. Wird in unterschiedlichen Gruppen für die jeweiligen Levels geprobt?

Ja, das trennen wir. Das wäre anders gar nicht machbar. Wir hatten 17 Celli, 25 Geigen, 25 Bläser, 3 Schlagzeuge und die Band. Das hat ordentlich Wums gemacht. Bei dem Konzert spielen dann die Stimmführer mit Tonabnehmern und dann kommen 5-6 Mikros noch mittenrein ins Orchester und am Ende klingt’s super! Auch, weil alle richtig diszipliniert sind. Die wollten am Ende der Proben noch nicht mal eine Pause machen, so heiß waren die.

HINDENBURGER: Kommen die Teilnehmer denn alle aus dem klassischen Bereich oder sind da auch Metaller bei, die mal in die Klassik ausreissen möchten?

Das sind hauptsächlich Leute, die aus der Klassik kommen, einfach weil es dieses Format auf dem Markt nicht gibt. Andersrum passiert das ja schon mal eher, dass eine Metal-/Rockband sich ein Orchester dazuholt. Bei uns steht das Orchester im Vorder- und die Band im Hintergrund.

Exemplarisch möchte ich Gerd Strasdas erwähnen, der ohne mit der Wimper zu zucken, mit ganz viel Feingefühl aus dem Hintergrund heraus gespielt hat. Das hat einfach super gut funktioniert und harmoniert.

HINDENBURGER: Es wird samstags und sonntags geprobt und sonntags ist um 17 Uhr das Konzert. Können die Teilnehmer dann überhaupt noch? Hat man nach einem solch intensiven Wochenende dann nicht Grütze im Kopf?

Da kommt natürlich Adrenalin ins Spiel. Wir hatten jetzt 400 Besucher, da schnellt der Puls ganz klar in die Höhe.

HINDENBURGER: Gab es dann schon mal Rückzieher?

Nein, das hatten wir noch nicht. Die Menge der Teilnehmer schützt jeden Einzelnen. Und durch die Band hat man ja auch so ein richtig fettes Fundament, da will man dann Teil von sein.

HINDENBURGER: Sie treten auch unterjährig auf?

Das Benefizkonzert ist nur der Abschluss des Workshops. Bei den anderen Auftritten sind nicht alle Teilnehmer dabei, was zumeist schon der Größe der Bühne geschuldet ist. Die Auftritte werden meist von den Dozenten – wie beim NEW Musiksommer dieses Jahr - und einem Bruchteil der Teilnehmer bestritten. Beispielsweise sind wir soeben für den 28.03.2019 als Headliner der Kulturnacht in Solingen bestätigt worden.

Foto: © Gabi Strasdas
Foto: © Gabi Strasdas

HINDENBURGER: Wann findet der nächste Workshop statt?

Am 9. und 10. Mai 2020. Es ist jeder herzlich willkommen. Was mir in dem Zusammenhang besonders wichtig ist, ist dass wir uns nicht als Konkurrenz zu anderen Orchestern sehen. Wir sind ein reines Projektorchester, dem nicht daran gelegen ist, Schüler abzuwerben. Ganz im Gegenteil. Ich empfehle Teilnehmern, die am Ball bleiben möchten, gerne das Jugendsinfonieorchester der Musikschule Mönchengladbach, Viersen, etc.

In Kürze werde ich ein neues Angebot mit regelmäßigen Proben anbieten. Auf dem Programm stehen hier auch ganz klar Rock-Pop und Ihr dürft gespannt sein.

Auch für das Cello-Ensemble, wo monatlich geprobt wird, suchen wir noch Mitstreiter. Da spielen wir neben rockigen Stücken auch klassische und jazzige Stücke. Für beides kann man mich gerne über die Seite des SRO (www.s-r-o.de) oder meine Homepage www.davidkoebele.de kontaktieren.

HINDENBURGER: Hatten Sie das von Anfang geplant, dass die Nummer so groß wird?

Was heißt planen… man kann sich was wünschen. Wenn ich mir was wünschen würde: das kann nicht groß genug sein! Sowohl das Orchester als auch die Besucherzahl.

HINDENBURGER: Sie würden also nicht bei – daher gesagt – 250 Mitgliedern im Orchester sagen „Jetzt ist aber mal gut, das krieg‘ ich nicht mehr hin!“?

Ganz im Gegenteil. Dann würde ich mich darum bemühen, dass wir größere Konzerthäuser kriegen. Denn das geht! Mir liegt es einfach, Leute zusammenzuführen, egal auf welchem Stand die sind. Und daraus was zu machen, dass die gut zusammen funktionieren und es am Ende gut klingt. Nach dem Motto: Geht nicht, gibt’s nicht. Denn das geht. Alles geht. Ich bin immer dafür, groß zu denken. Egal mit welchem Projekt. Momentan findet das SRO ja 2x jährlich hier am Niederrhein statt. Und es ist einfach viel zu viel Arbeit gewesen, um es dabei zu belassen. Meine Vision wäre, dass es in anderen Städten auch möglich wäre. Fakt ist ja, dass es eine Marktlücke ist. Es gibt kein Orchester mit moderner, individueller Literatur, bei dem wirklich JEDER mitspielen kann! HINDENBURGER: Wo kann man Sie denn sonst noch erleben?

Am 14./15.12. sind wir mit time4strings special guest bei dem winter!groove von Monika Hintsches. Und im Frühjahr kommt mein erstes Studioalbum raus. An dem arbeite ich ohne Zeitdruck seit 14 Jahren. Die Arbeit mit dem SRO hatte natürlich Einfluss auf meine eigenen Stücke. So sind hier nicht nur die bekannten 6-8 Celli pro Stück zu hören, sondern auch jede Menge anderer Instrumente, die den Gesamtklang zu einem besonderen Erlebnis machen.

Ich habe noch 2 ganz wichtige Dinge anzumerken: Das Schwalmtaler Bündnis für Familie e.V. ist der Veranstalter für das Benefizkonzert und wir dürfen die Einrichtungen (Mensa, etc.) vor Ort einfach nutzen und das ist eine super Sache. Und auch hier in Mönchengladbach bedanken wir uns ganz besonders bei dem Verein: „Freunde und Förderer der Musik e.V.“, der mit mir den Plan teilt, dass das Projekt SRO größer werden darf. Beiden sind wir enorm dankbar für die Unterstützung.

HINDENBURGER: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Koebele.

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