November 2019

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Blick über den Park des Mont des Arts auf die unteren Stadtteile von Brüssel, mit dem Rathausturm am Grand Place im Hintergrund. Foto: © Visit Brussels, Jean-Paul Remy
Blick über den Park des Mont des Arts auf die unteren Stadtteile von Brüssel, mit dem Rathausturm am Grand Place im Hintergrund. Foto: © Visit Brussels, Jean-Paul Remy

Der HINDENBURGER auf Reisen: Brüssel

Das dritte Ziel unserer Reihe „Hindenburger auf Reisen“ führt diesmal nach Brüssel - der Hauptstadt Belgiens und Hauptsitz der Europäischen Union. Für mich eine Stadt mit einer ganz persönliche Bedeutung, mit der mich sehr viel verbindet.

Erlebnisse, Emotionen, Erfahrungen, Familie, Freunde. Neben Mönchengladbach ist die belgische Hauptstadt der Ort, den ich am ehesten mit dem Begriff Heimat verbinde, in dem ich viel Zeit verbracht habe, in dem ich quasi aufgewachsen bin, der mich geprägt und viel zu dem beigetragen hat, was mich als Person heute ausmacht. Auch die EU ist großer und wichtiger Bestandteil dessen, denn hier liegen die familiären Gründe für diese intensive Beziehung. Aber das alles ist eine andere, viel längere Geschichte.

Heute möchte ich Sie gerne auf eine Reise durch eine der - für mich - spannendsten und unterschätztesten Großstädte Europas mitnehmen. In eine Stadt, die meiner Meinung nach den Vergleich mit Barcelona, Paris oder London nicht scheuen muss und die weitaus mehr zu bieten hat als Pommes Frittes und gutes Bier (Aber natürlich geht es in Brüssel dann doch nicht ohne).

Der Uhrenturm des Gare du Nord. Foto: © Marc Thiele
Der Uhrenturm des Gare du Nord. Foto: © Marc Thiele

Auf Grund der Nähe - Brüssel ist mit dem Auto nicht einmal zwei Stunden von Mönchengladbach entfernt (mit dem Zug, via Köln oder Aachen knapp drei) - lädt die belgische Hauptstadt geradezu dazu ein, einen Wochenendtrip zu unternehmen. Das reicht zwar bei weitem nicht aus, um die Stadt wirklich kennen zu lernen, aber für einen ersten Eindruck sollte es genügen, um dann zu entscheiden, ob man wiederkommt oder nicht. Vielleicht helfen meine Tipps hier ein wenig nach und Sie bekommen Lust, nach und nach so viele Facetten wie möglich von dieser spannenden Stadt zu entdecken. Also los.... Willkommen in Brüssel.

Die Anreise

Natürlich bietet es sich bei der kurzen Entfernung (knapp 180 km) an, mit dem Auto zu fahren. Die Autobahnen sind gut ausgebaut, und es ist bequem, aber ehrlich gesagt - lassen sie es. Die Parkkosten in Brüssel sind horrend, das Auto steht sowieso nur im Parkhaus und für deutsche Autofahrer ist der Brüsseler Verkehr die absolute Hölle. Wenn Sie Ihr Auto lieben, fahren Sie mit dem Zug und nutzen in Brüssel bei Bedarf die exzellent ausgebauten öffentlichen Verkehrsmittel. Sie erreichen Brüssel mit dem Zug via Aachen in knapp 3 Stunden.

Die Kathedrale St. Michael und St. Gudula. Foto: © Visit Brussels, Olivier van de Kerchove
Die Kathedrale St. Michael und St. Gudula. Foto: © Visit Brussels, Olivier van de Kerchove

Die Unterkunft

In Brüssel gibt es eine riesige Auswahl an Unterkünften. Ebenso riesig sind die Unterschiede in Preis, Ausstattung, Qualität und Lage. Davon ausgehend, dass Sie ein „normales“ Sightseeing-Wochenende machen möchten, bei dem Sie möglichst viele Sehenswürdigkeiten besuchen, empfehle ich Ihnen natürlich eine Unterkunft im Zentrum, denn hier liegen die meisten Ziele in fußläufiger Reichweite.

Über all die Jahre habe ich natürlich viele Hotels ausprobiert, aber übrig geblieben sind in der Tat nur zwei. Wenn es etwas luxoriöser sein darf, z.B. bei einem romantischen Wochenende mit der Frau / Freundin, ist das zur Carlton-Gruppe gehörende Boutique-Hotel „The Domenican“ direkt hinter der Brüsseler Oper „De Munt / La Monnaie“ meine erste Wahl. Grandiose Zimmer und Lofts, eine tolle Küche und eine schöne, kleine aber feine Hotelbar. Das Ausgehviertel Dansaert/Sainte-Catherine liegt ebenso vor der Türe wie der Grand Place oder die Einkaufsmeile Rue Neuve. In der zwei Minuten entfernten U-Bahnstation De Brouckère halten alle wichtigen U-Bahnlinien der Stadt mit denen Sie sehr schnell die meisten Sehenswürdigkeiten und das Europaviertel erreichen.

Aber ich gehe davon aus, dass Sie ein Sightseeing-Wochenende machen wollen und dafür gibt es meines Erachtens kein besser gelegenes Hotel als das Motel One Brussels. Es ist günstig, hat kleine, feine, sehr saubere und ruhige Zimmer und für einen geringen Aufpreis ein großartiges Frühstücksbuffet. Im Umkreis von maximal 20 Gehminuten liegen die Kathedrale St. Michel und St. Gundule, das Comicmuseum, die wichtigsten Kunstmuseen, der Königspalast, der Justizpalast, der Grand Place, die Börse und vieles anderes mehr. Auch die beiden Shoppingmeilen Rue Neuve und Avenue de la Toison D´or / Avenue Louise liegen in diesem Radius. Alles andere erreichen Sie problemlos mit den öffentlichen Verlehrsmitteln. Vor der Türe fahren zwei wichtige Straßenbahnlinien und die U-Bahnstation „Parc“ ist etwa 2 Minuten Fußweg entfernt. Daher ist das Motel One auch Ausgangs- und Endpunkt dieser redaktionellen Führung durch Brüssel, die ich immer in die untere und obere Stadt teile, was rein topografische Gründe hat. Das Motel One liegt auch hier genau auf der Grenze.

Direkt unterhalb des Hotels liegen sowohl die weiße Kathedrale St. Michel und St. Gundule als auch etwas abseits der eigentlichen Route, das Belgische Comicmuseum (Centre Belge de la Bande Dessinée, Rue de Sable 20). Eine riesige Comicfigur (Gaston) markiert die Treppe zum Museum. Die Kathedrale ist - soweit ich weiss - nur selten zugänglich aber ein tolles Fotomotiv auf dem Weg weiter runter in die Stadt und zum Grand Place. Haben Sie den kleinen Park vor der Kathedrale und den dahinterliegenden Boulevard passiert, halten Sie sich links und folgen Sie der Rue de la Montagne bis zu einem kleinen Platz. Hier finden Sie neben viel Trubel und Massen von Touristen sowohl den von einem großen Schlumpf markierten Eingang zum privaten MOOF-Museum, in dem Comicfans die Augen aufgehen werden, als auch den Eingang zur 1847 erbauten, wunderschönen Galeries Royale Saint-Hubert (auf die wir aber später noch einmal zu sprechen kommen). Gegenüber des Eingangs der Galerie erreichen Sie über die Rue de la Colline den...

Der Grand Place, das Nr. 1 Touristenziel in Brüssel. Foto: © Marc Thiele
Der Grand Place, das Nr. 1 Touristenziel in Brüssel. Foto: © Marc Thiele

...Grand Place

Dieser wohl schönste Platz Europas ist eigentlich immer voll, außer sehr früh morgens und mit früh meine ich wirklich früh - so zwischen fünf und sieben Uhr. Natürlich macht diese Uhrzeit nur im Frühjahr oder Sommer Sinn, denn sonst ist es für den vollen Eindruck und tolle Fotos einfach zu dunkel. Neben dem grandiosen Ensemble der alten Stände- und Innungshäuser findet man hier das Rathaus sowie gegenüber gelegen, das Musée de la Ville de Bruxelles (Stadtmuseum), in dem unter anderem die Ausstellung der Kostüme des berühmten Manneken Pis zu sehen sind. Diese kleine und eigentlich leicht zu übersehende Brunnenfigur ist das zweite weltberühmte Sightseeingziel in Brüssel und steht in einer Seitenstraße (Rue de l`Etuve), hinter dem Rathaus. Folgen Sie einfach den Menschenmassen. Warum alle den kleinen Wildpinkler so toll finden, hat sich mir nie erschlossen, aber das Stadtmarketing funktioniert ganz gut. Irgendwann hat Manneken Pis familiären Zuwachs bekommen. Wohl aus Gründen der Gleichberechtigung gibt es seit 1987 Jaenneke Pis (Mädchen, am Delirium Café) und seit 1998 Zinneke Pis (Hund, Rue des Chartreux 35 im Stadtteil Dansaert). Mit dem Grand Place und Manneken Pis hätten Sie jetzt das absolute Minimum an touristischen Pflichtprogramm hinter sich gebracht, aber wie gesagt - da ist noch so viel mehr. Und da das Angbot so riesig ist, versuche ich mich auf die tatsächlich wichtigsten Sightseeing-Locations zu beschränken, auch wenn es schwer fällt.

La Bourse (die Börse), beliebter Treff- und Orienterungs-punkt am Boulevard Anspach. Foto: © Marc Thiele
La Bourse (die Börse), beliebter Treff- und Orienterungs-punkt am Boulevard Anspach. Foto: © Marc Thiele

Das nächste Ziel ist die alte Brüsseler Börse (La Bourse) etwas unterhalb des Grand Place.

Das markante, direkt an der Fußgängerzone des Boulevard Anspach gelegene Gebäude der Börse ist der ideale Orientierungspunkt für die Erkundung des dahinter gelegenen Stadtviertels Dansaert mit seinen vielen Bars, Restaurants und Boutiquen. In Dansaert finden sich die Shops junger Modedesigner und viele der angesagtesten Gastronomiehotspots der Stadt. Rund um die alte Markthalle am Place Saint-Géry ist ein solcher. Hier trifft man sich abends und an den Wochenenden auf einen Cocktail oder ein Bier und betrachtet entspannt das bunte Treiben. Die Markthalle „Halles de Saint-Géry“ selber ist eine großartige Location, die man auf jeden Fall besuchen sollte. Meine Lieblingsbars am Platz sind das „Mappa Mundo“ und das „Le Roi des Belges“ aber im ganzen Viertel verstreut finden Sie unzählige weitere Locations wie das „Fin de Siecle“, das „L`Archiduc“, den Irish Pub „O`Reilly`s“, das „Moeder Lambic Fontainas“ oder auch das „Brussels Beer Projekct“ mit seinen oft experimentellen Craftbieren. Dansaert ist sehr verwinkelt und man kann in den vielen kreuz und quer laufenden Straßen und Gassen leicht die Orientierung verlieren, also aufgepasst.

Tipp: Direkt neben der Börse existiert noch eine der letzten echten Brüsseler Brasserien im touristischen Stadtzentrum, das „Le Cirio“. Ein bisschen ranzig, die Kellner haben den Charme eines Kölner Köbes in Düsseldorf aber Essen und Bier sind großartig.

Auch der bekannte Brüsseler Fischmarkt (Quai au Bois à Brûler) an der Kirche Sainte-Catherine liegt rechts unterhalb der Börse. Konnte man in Dansaert gut den Durst stillen, geht es hier rund um den Fischmarkt und den Place Sainte-Catherine eher darum, gut bis ausgezeichnet zu essen. Egal ob Fisch oder Fleisch, europäisch, asiatisch oder orientalisch, hier gibt es für jeden Geschmack das passende Speiseangebot. Übrigens auch eine Filiale meiner Lieblingsburgerkette „Ellis Gourmet Burger“, mit der man immer auf Nummer sicher geht. Auch Clubgänger werden sich am Fischmarkt wohl fühlen, denn hier liegt eine Instanz des Brüsseler Nachtlebens, das „Madame Moustache“. Am der Kirche Sainte-Catherine gegenüberliegenden Ende des Fischmarktes kommt man zu einem kleinen Park, den wir auf dem Weg zum Brüsseler Kanal durchqueren. Der groben Ausrichtung des Parks folgend, erreicht man über den Boulevard d`Ypres die große Kanalbrücke des Boulevard Leopold II, von der aus man auf einem Hügel in der Ferne die imposante 1905 erbaute Basilika Sacré-Coeur sehen kann. Sie ist übrigens die fünftgrößte Kirche der Welt.

Der Brüsseler Kanal während „Bruxelles les Bains“. Fotos: © Visit Brussels, Eric Danhier
Der Brüsseler Kanal während „Bruxelles les Bains“. Fotos: © Visit Brussels, Eric Danhier

Der Kanal von Brüssel und Tour & Taxis

Der Kanal von Brüssel war früher eher eine oft stinkende Kloake, bis die Stadtverwaltung das Potential erkannte, investierte und die Gegend von Startups, Designern, Künstlern, Gastronomen und der jungen Szene entdeckt wurde. Zwar liegt das Problemviertel Molenbeek-Saint-Jean auch in der Kanalgegend, aber wenn man nicht unbedingt das neue Kunstmuseum MIMA besuchen möchte, hat man hier eigentlich auch keine Berührungspunkte.

Im Juli und August findet auf der rechten Seite der Brücke Boulevard Leopold II das Open-Air Event „Bruxelles les Bains / Brussels Beach“ statt. Googeln Sie das ruhig mal, die Bilder werden Sie begeistern. Auf der gegenüberliegenden Kanalseite hat sich das ehemalige Industrie- und Lagerviertel „Tour & Taxis“ zu einem kulturellen Hotspot Brüssels entwickelt. In toller, alter Industriearchitektur findet man hier Kunst- und Kulturangebote, Events, Parties, unterschiedlichste Gastronomieangebote und im Sommer ein Open-Air-Kino. Der zugehörige Park ist ebenfalls einen Besuch wert. Von hier aus haben Sie jetzt entweder die Möglichkeit, das Atomium zu besuchen oder zurück in die Stadt zu fahren. Beides geht mit der Metro Linie 6 über die Stationen Pannenhuis, Belgica oder Ribaucourt, je nachdem, wo in der Gegend um den Kanal Sie sich gerade aufhalten.

Das Atomium

Das berühmte, silberne Modell eines Atoms im Stadtteil Laeken ist ein tolles Fotomotiv und sicher beim ersten Besuch auch ein Must-See. Man hat von oben einen tollen Blick über Brüssel, kann in den Kugeln Designmöbel betrachten, aber das wars dann irgendwie auch. Wenn man aber schon mal den weiten Weg hier raus unternommen hat.... Das Heizel-Stadion, Minieuropa, das königliche Schloss und die königlichen Gewächshäuser von Laeken liegen quasi im die Ecke und letztere Beiden sind definitiv einen Besuch wert.

Mit der Metrolinie 6 (Station Heizel oder Stuyvenberg) kommt man wieder zurück in die Stadt. Wir fahren bis zur Station Arts-Loi, wo wir in die Metrolinie 1 oder 5 umsteigen und bis zur Station Schuman fahren, dem zentralen Platz im...

Europaviertel

Irgendwie ist man etwas eingeschüchtert, wenn man am Place Schuman aus der Metro kommt und plötzlich inmitten des Ensembles der riesigen EU-Bürokomplexe steht. Auch wenn es hier an den Wochenenden meistens leer ist, scheint man die Macht zu spüren, die von diesem Ort ausgeht. Am bekanntesten dürfte wohl das Berlaymont-Gebäude sein, der Sitz der EU-Komission. Direkt gegenüber liegt ein zweites, wegen seiner vielen wie Bilderrahmen aussehenden Fenster, auffälliges Gebäude, der Sitz des Europäischen Rates. Ansonsten ist die Gegend, zumindest was den Sightseeingfaktor angeht, eher langweilig. Wer hier das EU-Parlament sucht, tut dies übrigens vergebens, denn das liegt etwas abseits des Place Schuman hinter dem Gebäude des Rates und dem Parc Léopold. Dort aber gibt es mit dem Parlamentarium ein mehr als lohnenswertes Ziel, das ich jedem empfehlen möchte, der sich für Europa und die EU interessiert. Auch denen, die beidem negativ gegenüberstehen. Auf der gegenüberliegenden Seite des Parc Léopold, am Place Jourdan, bekommt man dann auch endlich die berühmtesten Fritten Belgiens (und vermeintlich auch die Besten). Der unscheinbare Zweckbau in der Mitte des Platzes beherbergt das „Maison Antoine“, DIE Frittenbude überhaupt. Meistens unschwer an der Menschenschlange vor den Bestellfenstern erkennbar. Getränke zu den Fritten kann man übrigend auch in einem gegenüberliegenden Restaurant / Café bestellen, denn dort sind ausdrücklich „Frites welcome“. Hat man seinen Hunger gestillt, kann es auch schon weiter gehen, denn das Europaviertel haben wir hinter uns gebracht und machen uns nun auf dem Weg zum...

Parc du Cinquantenaire. Foto: © Visit Brussels, Jean-Paul Remy
Parc du Cinquantenaire. Foto: © Visit Brussels, Jean-Paul Remy

... Parc du Cinquantenaire

Rechts oberhalb des Place Jourdan und in direkter Linie über dem Place Schuman gelegen, ist dieser große Stadtpark vor allem durch den monumentalen Triumphbogen bekannt. In den Anbauten des Triumphbogens befinden sich drei der interessantesten Museen Brüssels. Das Militärmuseum, das Museum für Kunstgeschichte und Archäologie sowie die Autoworld mit ihren über 250 Automobilen und Oldtimern aus allen Epochen der Automobilgeschichte. Regelmäßig finden im Park auch Großveranstaltungen statt und natürlich laden die weiten Grünflächen und schattigen Alleen zum Ausruhen und Verweilen ein. Der Park ist übrigens untertunnelt. Mitten im Park kann man einen Blick in den Tunnel, auf den regen Verkehr werfen. Auf der dem Place Schuman entgegengesetzten Richtung verlassen wir den Parc du Cinquantenaire wieder und kommen zur Metrostation Merode, von wo aus wir mit den Linien 1 und 5 zurück zum Ausgangspunkt, dem Motel One oder besser der Metrostation Parc kommen. Bevor wir in die Tiefen der Metrostation Merode hinabsteigen, können wir aber noch einen Blick auf die große, breite Avenue de Tervueren werfen und einen ersten Eindruck eines anderen Brüssels erhaschen, für das wir diesmal leider keine Zeit haben. Hier wird es mondän, kolonial und man sieht irgendwie, dass in diese Richtung sehr viel Geld lebt.

Tipp: Wenn Sie noch etwas Zeit haben, fahren Sie von Merode eine Station weiter bis Montgomery, steigen dort um die die Straßenbahn 39 oder 44 bis zur Haltestelle Leopold II. Gegenüber auf der rechten Straßenseite befindet sich das Palais Stoclet, die vielleicht schönste Jugenstilvilla Brüssels, an deren Bau unter anderem Gustav Klimt beteligt war und die seit 2009 UNESCO-Weltkulturerbe ist. Leider ist sie nicht öffentlich zugänglich.

Das Quartier Royale

An der Metrostation Parc angekommen, befinden wir uns quasi schon mitten im Quartier Royale. Hier liegen neben dem rechteckigen Schlosspark, unter dem die Metrostation liegt, viele Ministerien der belgischen Regierung und natürlich das königliche Stadtschloss sowie das Palais du Coudenberg. Der Park ist immer einen Besuch wert, denn er lädt zum Entspannen ein und oft finden hier Veranstaltungen verschiedenster Größe statt. Das dahinter gelegene Stadtschloss ist ein nettes Fotomotiv, aber leider selten für die Öffentlichkeit zugänglich. Im Gegensatz zum angrenzenden Palais du Coudenberg, das weitaus mehr zu bieten hat, als es von außen den Anschein macht. Vom 12. bis ins 18.Jahrhundert lag hier die Palastresidenz von Karl V, und vielen anderen Herrschern, bis ein Brand diese für immer zerstörte. Die Ruinen blieben viele Jahre im Untergrund versteckt, bis sie wiederentdeckt und archäologisch aufbereitet wurden. Heute kann man unterirdisch durch die Gänge und Säle des alten Palastes wandeln und die architektonischen Funde betrachten.

Hinter dem Palais du Coudenberg liegt der Place Royale, mit der Reiterstatue von Gottfried von Bouillon in der Mitte. Hier beginnt der...

Das Museum für Musikinstrumente (MIM) am Mont des Arts. Foto: © Marc Thiele
Das Museum für Musikinstrumente (MIM) am Mont des Arts. Foto: © Marc Thiele

... Mont des Arts,

der Kunstberg mit seinen Museen und Kulturzentren. Auf der linken Seite des Platzes liegt ein palastähnliches Gebäude, das aber eigentlich eine Kirche ist. Die Eglise Saint-Jacques-sur-Coudenberg ist die königliche Kapelle und gleichzeitig die Kathedrale der Diozese der belgischen Armee. Auf der rechten Seite des Platzes offenbart sich zwischen zwei Gebäuden ein toller Blick auf die tieferliegenden Stadtteile mit dem Grand Place. Auf der rechten Seite der nach unten führenden Straße befindet sich in einem wunderschönen Gebäude das Museum für Musikinstrumente (MIM), das die meisten Touristen aber eher wegen der grandiosen Aussicht von der Terrasse des Restaurants in der obersten Etage besuchen. Wenn Sie die abenteuerliche Fahrt mit dem Fahrstuhl hinter sich gebracht haben, seien Sie so fair und bestellen sich im Restaurant einen Café oder einen Snack und genießen dann den Blick über Brüssel.
Der Zugang zum Restaurant ist kostenlos.

Verlassen Sie das MIM, gehen Sie wieder bergauf und halten sich dann rechts und sie kommen zum Königlichen Museum der feinen Künste (klassische und moderne Kunst, Magritte Museum), das sich unterirdisch durch den kompletten Mont des Arts zieht und das unmöglich an einem Tag zu schaffen ist. Ein Besuch lohnt sich aber auf jeden Fall, alleine schon wegen Magritte.

Am Ende der Straße sehen Sie das imposante Gebäude des Brüsseler Justizpalastes. Vor den Terroranschlägen von 2016 konnte man auch das Innere besichtigen, danach wurden die Sicherheitsvorkehrungen massiv erhöht. Ob man heute wieder hinein kommt, weiß ich leider nicht. Aber der Weg dorthin lohnt sich auf jeden Fall, denn auch hier gibt es einen großartigen Aussichtspunkt über die unteren Stadtteile und einen Aufzug, der Sie direkt in das angesagte Viertel „Les Marolles“ führt. Aber dazu später noch mehr.

Auf Ihrem Weg zum Justizpalast kommen Sie an einer kleinen, weißen Kirche vorbei, die den Eingang zum Grand Sablon markiert. Wechseln Sie aber erst einmal die Straßenseite und besuchen Sie den gegenüberliegenden, eingezäunten Petit Sablon. Er gilt als einer der schönsten Plätze Brüssels. Auf der anderen Straßenseite, direkt hinter der Kirche liegt - eingerahmt von Gebäuden aus dem 16. bis 19. Jahrhundert - der Grand Sablon. Hier finden sich neben Antiquitätengeschäften und Boutiquen (u.a. Louboutin) vor allem Cafés, Restaurants und einige der berühmten belgischen Chocolatiers. Mich führt es hier immer in die Konditorei Wittamer, zum Chocolatier Pierre Marcolini und auf ein Bierchen ins Café Leffe. Samstags und sonntags findet, direkt hinter der kleinen Kirche, ein Antikmarkt statt, auf dem man tatsächlich das ein oder andere Kleinod finden kann. Außerdem ist der Grand Sablon eines der Eingangstore in das noch tiefer gelegene Stadtviertel...

Der berühmte Flohmarkt in den Marolles, am Place du Jeu de Balle. Foto: © Marc Thiele
Der berühmte Flohmarkt in den Marolles, am Place du Jeu de Balle. Foto: © Marc Thiele

... „Les Marolles“

Das ehemalige Arbeiterviertel Brüssels hat sich in den letzten 10-15 Jahren zu einem Szene- und In-Viertel der Stadt entwickelt. Sie erreichen es am besten über den Grand Sablon, den Aufzug am Justizpalast oder die Port de Hal (Metrostation). Berühmt ist der hier seit 1873 täglich stattfindende Flohmarkt auf dem Place du Jeu de Balle. Ein wahres Mekka für Jäger und Sammler, ebenso wie das Viertel selber. Neben vielen Kneipen und Bars finden sich hier Antiquitätengeschäfte, die ich so noch nirgendwo anders in Europa gesehen habe. Alleine auf der Rue Blaes werden sie in einigen Geschäften, die von außen eher wie Gerümpelbuden aussehen, nicht mehr aus dem Staunen heraus kommen. Wer das nötige Kleingeld hat, findet hier Designschätze und Originale aus den letzten 100 Jahren. Nehmen Sie sich Zeit und gehen Sie stöbern. Für Nachtschwärmer ist der FUSE Club hier wohl das beliebteste Ziel, ist er doch einer der Top-Clubs der Stadt. Wenn man dann schon in den Marolles ist, kann man auch kurz einen Abstecher zur imposanten Porte de Hal machen, dem letzten existierenden Turm der ehemaligen Stadtmauer aus dem Mittelalter, in dem sich zudem ein Museum für Kunst und Geschichte befindet. Mit den Metrolinien 2 und 6 kommen wir zurück zur Station Arts-Loi, wo wir in die Linie 1 oder 5 zur Station Parc und zum Motel One umsteigen.

Damit hätten wir alle für einen ersten Besuch wichtigen Sightseeingziele Brüssels hinter uns gebracht. Vielleicht haben Sie noch Lust etwas zu shoppen oder Sie sind hungrig. Kein Problem, diesen beiden Aspekten eines Brüsselbesuchs widme ich mich im Anschluss.

Die Galeries Saint-Hubert in der Nähe des Grand Place. Foto: © Marc Thiele
Die Galeries Saint-Hubert in der Nähe des Grand Place. Foto: © Marc Thiele

Shopping

Wie jede Großstadt gibt es auch in Brüssel viele Shopping-Möglichkeiten - das Viertel Dansaert hatten wir ja bereits besucht. Unweit davon, am Place de la Monnaie beginnt eine der Haupteinkaufsstraßen Brüssels, die Rue Neuve. Hier finden Sie die Shops der großen Handelsketten wie H&M, Zara, Primark etc. Außerdem das große Shoppingcenter City 2. Am Ende der Rue Neuve liegt die Metrostation Rogier, wo Sie mit den Linien 2 und 6 zur edleren Shoppingmeile rund um den Place Louise kommen. Diese geschäftige Gegend der oberen Stadt hat schon bessere Zeiten erlebt. Vom alten, mondänen Glanz, den die Avenue de la Toison d`or mit ihren Shoppingpassagen und die Avenue Louise einmal hatten, ist heute nicht mehr so viel übrig. Leerstände in den Galerien und Standardketten prägen auch hier das Erscheinungsbild. Ein paar Luxusgeschäfte z.B. von Tiffany, Cartier, Hermès und Louis Vuitton sind aber auf der Seite des markanten Hochhauses von „The Hotel“ noch präsent. Auf der Avenue Louise sieht es ein wenig besser aus.

Der Boulevard Anspach. Foto: © Marc Thiele
Der Boulevard Anspach. Foto: © Marc Thiele

Essen und Trinken

Brüssel steht fast wie Paris als Synonym für den kulinarischen Genuss. Es gibt unzählige, großartige Restaurants, Cafés und Bars, aber alle in der ganzen Stadt verteilt. Die gute Nachricht ist, dass sich die Wege immer lohnen, die schlechte ist, dass ohne Reservierung kaum etwas geht und es ist nicht gerade günstig. Ich werde Ihnen im Abschluss ein paar meiner Lieblingsrestaurants empfehlen, aber zuvor einen gut gemeinten Rat. In der Nähe des Grand Place gibt es ein Gewirr kleiner Gassen, in denen ein Restaurant am nächsten liegt. Alle locken mit lecker aussehenden Auslagen ihrer Gerichte und vor fast allen steht ein Angestellter, der die vorbeiziehenden Touristen freundlich in sein Restaurant bittet. Am bekanntesten ist die Rue de Boucher - sehr pittoreske und schön anzusehen aber immer proppevoll. Sie können hier essen gehen, aber dann sollten Sie sich klar darüber sein, dass die meisten Restaurants hier auf Touristen ausgerichtet sind - mit allen Konsequenzen. Belgier werden Sie hier in kaum einem Restaurant als Gast finden. Aus gutem Grunde. Aber es gibt auch hier gute Nachrichten, in Form von ein paar wenigen, aber dafür umso besseren Ausnahmen. Diese sind:

  • das Aux Armes de Bruxelles
    Rue de Bouchers 13
  • das Le Marmiton
    Galerie de la Reine 38
  • die Taverne du Passage
    Galerie de la Reine 30 und
  • das Restaurant de l`Ogenblick
    Galerie des Princes 1
Ein Blick auf den Place Saint-Géry. Foto: © Marc Thiele
Ein Blick auf den Place Saint-Géry. Foto: © Marc Thiele

Zudem liegt eines der absoluten Gastrohighlighths Brüssels und der absolute Himmel für Bierfans in einer Seitenstraße der Rue de Boucher. Das Delirium Café bietet auf drei Etagen etwa 3.500 verschiedene Biere aus aller Welt. Die Bierkarte ist ein Din A4 Buch mit 178 Seiten. Mittlerweile hat das Unternehmen alle Häuser in dieser Seitenstraße aufgekauft und in allen Bars und Pubs eingerichtet, die verschiedene Themen mit Bierbezug bedienen. Dass dort immer sehr reger Betrieb herrscht, dürfte niemanden überraschen. Schauen Sie sich die Tabletts an der Decke des Kellergeschosses dort mal genauer an - auch Mönchengladbach ist dort vertreten.

Aber es gibt ja noch so viele Alternativen. Hier eine kleine Auswahl meine persönlichen Favoriten:

  • Belga Queen
    Rue du Fossé aux Loups 32
  • Colonel
    Rue Jean Stas 24
  • Comme Chez Soi
    Place Rouppe 23
  • Fin De Siecle
    Rue des Chartreux 9

und wie immer, kulinarische meine Rettung, wenn nichts anderes mehr geht:

  • Ellis Gourmet Burger
    Place Sainte-Catherine 4
    Place Jourdan 20 und
    Place Eugène Flagey 13

Natürlich bekommt man in allen genannten Restaurants großartige Weine und leckere Biere, aber Brüssel ist auch reich an Bars und Pubs, von denen natürlich auch einige zu meinen Lieblingslocations zählen:

  • A la Mort Subite
    Rue Montagne aux Herbes Potagères 7
  • BrewDog Brüssel
    Putterie 20
  • Café Belga
    Place Eugène Flagey 18
  • Délirium Café
    Impasse de la Fidélité 4
  • L‘Archiduc
    Rue Antoine Dansaert 6
  • Le Roi des Belges
    Rue Jules Van Praet 35
  • Moeder Lambic
    Place Fontainas 8

Wer nach diversen Weinen, Bieren und Cocktails immer noch nicht genug hat, dem bietet Brüssel auch eine große Anzahl an Clubs. Wie in jeder Großstadt ist die Clubszene hier aber in ständiger Bewegung, so dass ich mich nur auf lange bestehende Locations beschränke, bei denen man recht sicher sein kann, dass sie auch demnächst noch existieren:

  • Fuse Club
    Rue Blaes 208
  • Madame Moustache
    Quai au Bois à Brûler 5-7

Abschließend noch drei praktische Internetadressen:

Auch Brüssel hat eine Touristen-Rabatt-Karte, die Brussels Card. Ob sich diese aber für Sie lohnt, hängt hier in der Tat von Ihren Planungen ab. Viele Museen und ÖPNV, dann ja. Wenige Museen und das meiste zu Fuß, dann nein. Ein Tagesticket (nur an Automaten) kostet übrigens 7,50€ für Metro, Straßenbahn und Bus.

Es gäbe noch so viel zu erzählen, zu zeigen, zu empfehlen aber leider ist der verfügbare Platz in dieser Ausgabe voll. Ich hoffe, dass ich Ihnen Brüssel etwas näher bringen konnte und Sie vielleicht auch demnächst dort auf Entdeckungstour gehen. Wenn Ihnen meine Tipps geholfen haben, lassen Sie es mich gerne wissen, an redaktion@hindenburger.de.

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