Juli 2019

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Der HINDENBURGER auf Reisen: Gent

Kurztripps und Städtereisen, genau darum dreht sich unsere neue, unregelmäßige Serie „Hindenburger auf Reisen“. Wir erkunden Städte, Regionen und Ausflugsziele in Europa, wobei der Schwerpunkt - zumindest am Anfang - auf Belgien und den Niederlanden liegt. Aber lassen Sie sich überraschen und vielleicht inspirieren.

REDAKTION: MARC THIELE

Unsere erste Reise führte uns im März nach Gent. Die zweitgrößte Stadt Flanderns liegt am Fluß Leie, auf halbem Weg zwischen Brüssel und der Küste um Knokke bzw. Ostende und ist von Mönchengladbach aus in etwa 2,5 Stunden mit dem Auto bzw. ca 4 Stunden mit dem Zug erreichbar. Die Hauptstadt von Ost-Flandern hat etwa 250.000 Einwohner und beherbergt eine der größten Universitäten Belgiens (ca. 40.000 Studenten). In beiden Kriegen blieb Gent weitestgehend von Zerstörungen verschont, weshalb ein Großteil der vielen historischen Gebäude erhalten blieb. Heute zählt Gent knapp 10.000 (!) kunsthistorische Stätten, von denen die meisten unter Denkmalschutz stehen. Touristisch konkurriert Gent mit dem nicht weit entfernt liegenden Brügge, ist aber bei Weitem noch nicht so überlaufen.

Die touristischen Hauptattraktionen Gents, wie der 95 Meter hohe Belfried (UNESCO Weltkulturerbe), die Sint Baafs-Kathedrale (St. Bravo) mit dem berühmten Genter Altar, die Sint Niklaaskerk, die zusammen das berühmte Stadtpanorama „De drie torens (Die drei Türme)“ bilden, der zentrale Kornmarkt, die berühmte Graslei und Korenlei (die Grachten des alten Hafens) oder auch die gut erhaltene, mittelalterliche Burg der Grafen von Flandern (Gravensteen) liegen allesamt im mittelalterlichen Stadtkern. Dieser ist übrigens komplett autofrei, aber dank des sehr guten Straßenbahn- und Busnetzes und der im Stadtkern verkehrenden, kostenlosen hop-on-hop-off Mini-Electrobusse, perfekt erschlossen und problemlos erreichbar. Neben dem mittlalterlichen Stadtkern gibt es aber auch noch das neoklassizistische Gent, das ab den frühen Jahren des 20. Jahrunderts entstanden ist. Hier gehören der Justizpalast und das Festlokal Vooruit zu den touristischen Highlights.

All diese Sehenswürdigkeiten sind nur ein wirklich kleiner Teil dessen, was Gent zu bieten hat, weshalb man auch mehr als einen Tag hier verbringen sollte. Die Mischung aus alter Kulturstadt und junger hipper Universitätsstadt macht Gent zu einem sehr spannenden und auch sehr entspannten Reiseziel. Unser Rat: planen Sie mindestens drei Tage ein, und auch dann haben Sie noch lange nicht alles gesehen. Aber genug der Vorrede, kommen wir zum praktischen Teil - wo übernachten, wo essen und trinken und was muss man unbedingt sehen. Zusätzlich haben wir noch ein paar Tipps zusammengestellt, die Ihre Reise nach Gent noch besser machen können.

Sint-Niklaaskerk am Korenmarkt, Foto: de.123rf.com/profile_f8studio
Sint-Niklaaskerk am Korenmarkt, Foto: de.123rf.com/profile_f8studio

Die Anreise

Ob Sie mit dem Auto anreisen oder mit dem Zug, ist erst einmal egal. Mit dem Auto sind Sie flexibler, wenn Sie ins Umland wollen. Wenn Sie in Gent bleiben, suchen Sie sich besser einen guten und günstigen Parkplatz außerhalb des mittelalterlichen Zentrums. Parkhäuser sind recht teuer und meistens voll. Daher lohnt es sich, nach einem der kostenlosen P+R Parkplätze an den Stadträndern Ausschau zu halten oder außerhalb des Stadtkerns einen freien Parkplatz zu suchen. Ein Tagesticket kostet je nach Entfernung zur Innenstadt ab 8.- €.

Die mittelalterliche Innenstadt ist komplett autofrei, was auch von der Polizei durchgesetzt wird. Verstöße sind sehr teuer! Daher sollten Sie unbedingt auf die öffentlichen Verkehrsmittel der „de Lijn“ umsteigen, um sich in der Stadt zu bewegen. Das ÖPNV-Netz ist sehr gut ausgebaut und getaktet. Die vier Straßenbahnlinien und die vielen Busse bringen Sie problemlos, sicher und schnell an jeden Ort der Stadt. Das Beste - mit der „City Card Gent“, die Sie als Tourist unbedingt kaufen sollten, ist nicht nur der Eintritt in alle Museen und Sehenswürdigkeiten kostenfrei, sondern auch die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel. Die Karte gibt es für 48 Stunden (30€) und 72 Stunden (35€) in allen Hotels und den Touristen-Informationszentren. Die Gültigkeit beginnt mit der ersten Nutzung.

Übernachtung

Die Onlineplattform booking.com zählt an die 100 Hotels, Hostels und BnBs in Gent. Bei airbnb sind es über 300 Angebote. Ein Unterkommen sollte also kein Problem sein, die Frage nach dem Wo stellt sich da schon eher. Da Sie mit dem ÖPNV schnell überall hin kommen, empfehlen wir eine Unterkunft an der Peripherie des Stadtkerns z.B. im Miljoemkwartier bzw. in der Nähe des Bahnhofs Sint-Pieters. Hier erreichen Sie viele der Museen zu Fuß (SMAK - Moderne Kunst, MKS - Schöne Kunst, STAM - Stadtmuseum u.a.) und sind in 10 Minuten mit der Straßenbahn am Kornmarkt, dem touristischen Epizentrum Gents. Hier liegen die Luxushotels, die aber mit dem Auto nicht oder nur sehr schwer zu erreichen sind.

Frontansicht auf die Alte Post am Korenmarkt. Foto: de.123rf.com/profile_tomas1111
Frontansicht auf die Alte Post am Korenmarkt. Foto: de.123rf.com/profile_tomas1111

Frühstücken

Sightseeing macht hungrig, aber in Gent müssen Sie sich um Ihre Verpflegung keine Sorgen machen. Auch für Vegetarier und Veganer gibt es hier ein riesiges Angebot - nicht umsonst nennt sich die Stadt selber „The veggie capital of Europe“. Das gastronomische Angebot in Gent ist großartig und alleine für sich schon ein Grund diese Stadt zu erkunden. Zuerst einmal vergessen Sie das Frühstück im Hotel. Überall in der Stadt gibt es kleine Frühstückscafés mit einem exzellenten, frischen Angebot, das im Normalfall umfangreicher und günstiger als im Hotel ist. Wer gerne gut frühstückt, aber keine Experimente mag, dem sei „Le Pain Quotidien“ ans Herz gelegt. Von dieser Kette gibt es mehrere Filialen in Gent, eine direkt in der alten Post am zentralen Kornmarkt. Andere beliebte Ketten sind z.B. Panos oder Exki. Wer hingegen neugierig und kulinarisch interessiert ist, dem bieten sich schon morgens viele Möglichkeiten wie z.B. die folgenden:

  • Simon Says
    Sluizeken 8
  • Julies House
    Kraanlei 13
  • Tante Paula
    Vlasmarkt 2
  • Alice
    Onderbergen 6
  • Le Pain Perdu
    Waalpoortstraat 9

Nach einem guten Frühstück hat man ausreichend Energie für den touristischen Teil. Hier bietet sich eine gute Vorplanung an, denn die Sehenswürdigkeiten sind über die ganze Stadt verteilt - wobei die bekanntesten Attraktionen konzentriert im mittelalterlichen Stadtzentrum, rund um den Kornmarkt, liegen. Hier ist alles fußläufig erreichbar, aber es gibt eine gute Alternative - die in der autofreien Zone verkehrenden Mini-Elektrobusse (Wandelbus). Die kleinen, blauen Busse bieten jeweils 8 Fahrgästen Platz und verkehren auf festen Routen in der Innenstadt. Es gibt keine festen Haltestellen. Ein Handzeichen bedeutet „Ich möchte mit“, und wenn man aussteigen möchte, sagt man es einfach dem Fahrer und er hält. Schnell ist zwar anders, aber wenn man lange genug auf dem groben Kopfsteinpflaster herum gelaufen ist. nimmt man das auf dem Weg zur nächsten Sehenswürdigkeit auch gerne in Kauf.

Gravensteen, die Burg der Grafen von Gent, Foto: de.123rf.com/profile_tomas1111
Gravensteen, die Burg der Grafen von Gent, Foto: de.123rf.com/profile_tomas1111

Was aber sind die Must-Sees in Gent?

Hier unsere Empfehlungen:

Mittelalterliches Stadtzentrum

Der zentrale Kornmarkt ist der perfekte Startpunkt. Von hier aus erreichen Sie fußläufig:

  • die Sint Niklaaskerk
  • den Genter Belfried
  • die Sint Baafskatedrale (mit dem Genter Altar)
  • die Burg von Geraard de Duivel
  • die Graslei und Korenlei
  • die Sint-Michielsbrug das Groot Vleeshuis Gravensteen (Burg der Grafen von Flandern)
  • das Design Museum Gent
  • sowie zwei der Hauptshoppingzonen Gents

Rund um den Citadel Park

  • das S.M.A.K. - Museum für moderne Kunst
  • das MKS - Museum für schöne Kunst
  • das STAM - Stadtmuseum Gent
  • Universitätscampus mit Boekentoren
  • das De Vereld van Kina Kinder-Naturmuseum

Und sonst?

Bei fast 10.000 meist denkmalgeschützten Sehenswürdigkeiten ist die Liste lang, aber in drei Tagen nicht zu schaffen. Hat man die oben aufgeführten Hauptsehenswürdigkeiten besucht und noch Zeit und Lust für mehr, bieten sich die folgenden Ziele an:

  • das bischöfliche Palais
  • Het Huis van Alijn
  • die Begijnhöfe Ter Hoyen und Sint Elisabeth
  • Woodrow Wilson Plein
  • Dok Noord
  • Miljoenenkwartier (ehem. Expo-Gelände)

Mehr Informationen und eine Vielzahl von Anregungen finden Sie auf der Webseite visit.gent.be, die es auch auf Deutsch gibt.

Zwischen all den Sehenswürdigkeiten kommt spätestens gegen Mittag der erste Hunger. Auch hier gibt es, wie beim Frühstück, vielfältige Möglichkeiten für einen Snack, denn das Mittagessen (Lunch) ist nicht die Hauptmahlzeit der Belgier, sondern wird eher als Notwendigkeit gesehen und kurz gehalten. Trotzdem ist auch hier die Qualität gut - egal ob typische Pommes, hippe Trendfoods oder klassische belgische Brasserien.

Hier ein paar Mittags-Empfehlungen:

  • Balls & Glory
    Jakobijnenstraat 6
  • Soup`R
    Sint Niklaasstraat 9
  • Seli`s Noodlebar
    Limburgstraat 28
  • Otomat
    Kleine Vismarkt 3
  • Holy Food Court
    Beverhoutplein 15
Unesco Weltkulturerbe - der 95m hohe Genter Belfried, Foto: de.123rf.com/profile_tomas1111
Unesco Weltkulturerbe - der 95m hohe Genter Belfried, Foto: de.123rf.com/profile_tomas1111

Zeit für Shopping

Einkaufsmöglichkeiten gibt es in Gent en Masse. Die klassischen Einzelhandelsketten finden sich z.B. auf der Veldstraat und den angrenzenden Straßen, ebenfalls in der Nähe des Kornmarktes. Eine andere Shopping-Location ist das Shoppingcenter Gent Zuid an der Woodrow Wilson Plein. Wer es etwas szeniger und trendier möchte, fährt in Richtung Dok und Dok Noord, aber hier muss man ein wenig laufen und suchen um die vielen versteckten Start-ups und Designstores zu finden.

Der Abend kommt, das (genussvolle) Leben beginnt.

Irgendwie sind Belgier nachtaktiv oder besser abendaktiv. Das Abendessen ist die Hauptmahlzeit, und danach geht man gerne in Bars und Pubs, um den Tag bei guten Drinks und ausgiebigen Gesprächen zu beenden. Vor allem natürlich an den Wochenenden. Und wenn das nicht schon Grund genug für ein umfangreiches Angebot in der Abendgastronomie ist, trägt das studentische Leben auch noch dazu bei, dass es zudem cool und trendy ist. Die Belgier legen viel Wert auf hohe Qualität, wenn es ums Essen geht ,und das macht sich sowohl an der Anzahl der Restaurants bemerkbar, als auch an den deutlich höheren Preisen als bei uns und der absoluten Notwendigkeit, abends einen Tisch zu reservieren und zwar frühzeitig. Ansonsten bekommt man keinen Platz oder muss bestenfalls sehr lange warten.

In Gent ist ein ganzer Stadtteil so etwas wie das gastronomische Epizentrum. In Patershol reiht sich Restaurant an Restaurant und die meisten sind wirklich gut. Chinesen, Thai, Inder, Burger, Italiener - egal was Sie essen möchten, Sie werden fündig - irgendwo gibt es sogar ein hawaiianisches Restaurant und natürlich ein riesiges vegetarisches Angebot.

Die wahren Perlen der Genter Gastroszene sind aber über das ganze Stadtgebiet verteilt und viele kochen auf Sterneniveau oder besitzen bereits einen (oder mehrere).

Auch hier haben wir natürlich ein paar Empfehlungen für Sie:

Falls Sie keine Experimente mögen aber sehr gute Burger, empfehlen wir Ihnen zum Abschluss noch Ellis Gourmet Burger am Korrenmarkt 12. Eine belgische Burgerkette mit wirklich ausgezeichneten Burgern. Einen Platz finden Sie hier meistens, ggf. mit einer kurzen Wartezeit. Hat man den obligatorischen Espresso nach dem Essen hinter sich gebracht, ist es an der Zeit für einen Locationwechsel. Die Pubs, Weinbars und Bars der Stadt rufen, und auch hier ist das Angebot riesig, weshalb wir uns auch nur auf ein paar Empfehlungen konzentrieren.

Das ONA ist eine angesagte Weinbar, mit einer sehr guten Auswahl und einem sehr gemischtaltrigen Publikum.

Für Bierfreunde empfielt sich das „Het Waterhuis aan de Bierkant“, mit etwa 160 Bieren und toll gelegen, direkt im Stadtzentrum, an der Leie.

Auch exzellente Bars hat Gent zu bieten. Als bekennende Barfans haben wir uns hier natürlich bevorzugt aufgehalten. Hier unsere Empfehlungen:

Die CityCard Gent

Ganz viel (Gent) für ganz wenig (Geld). Der Slogan der CityCard Gent passt und ist tatsächlich kein leeres Marketingversprechen. Man kann zwischen einer Gültigkeit von 48 Stunden für 30 € und 72 Stunden für 35 € wählen und schon kann man die folgenden Vorteile nutzen:

Kostenlose Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel (Bus und Straßenbahn)

Kostenloser Eintritt für alle Museen und Sehenswürdigkeiten wie:

  • Genter Altar
  • St.-Baafs-Kathedrale
  • Genter Belfried
  • Gravensteen
  • S.M.A.K., STAM, MSK
  • Design Museum u.v.a.
  • Kostenloser Fahrradverleih für 1 Tag
  • Eine kostenlose Bootstour
  • Kostenloser Stadtplan

Die CityCard Gent ist in den Touristeninformationen und den meisten Hotels erhältlich. Die Gültigkeitsdauer beginnt ab der ersten Nutzung.

Mehr Informationen finden Sie unter visit.gent.be/de

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