April 2020

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MEDIZIN+CO

MEDIZIN+CO 02/2020

GESUNDHEITSBERUFE 2020

GESUNDHEITSBERUFE 2020
links: Bruno Winzen ist "Elling"; rechts: Adrian Linke ist "Kjell Bjarne". Fotos: © Matthias Stutte
links: Bruno Winzen ist "Elling"; rechts: Adrian Linke ist "Kjell Bjarne". Fotos: © Matthias Stutte

"Elling" im Theater an der Odenkirchener Straße

Redaktion: Susanne Jordans

Nach zwei Jahren Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik teilen sich Elling und Kjell Bjarne eine vom Sozialamt betreute Wohnung. Doch für die beiden sind die alltäglichen Dinge wie Telefonieren, Haushalt und Einkaufen große Herausforderungen, vor denen sie sich lieber in ihre Tagträume flüchten. Als sie die betrunkene, hochschwangere Nachbarin im Hausflur auflesen, ändert sich alles. Kjell Bjarne meint, die Frau seines Lebens gefunden zu haben, und Elling entwickelt seinen besonderen Sinn für Poesie. Seine selbstverfassten Gedichte schmuggelt er in die Sauerkrautverpackungen im Supermarkt. Beide beeinträchtigten Männer finden zu ihrer eigenen Kraft und lassen sich Schritt für Schritt auf das Abenteuer Leben ein.

HINDENBURGER: Bruno Winzen spielt die Titelrolle. Herr Winzen, wie fühlt es sich an, den Elling zu spielen?

Bruno Winzen: Es fühlt sich lustig an! Elling ist eine ganz eigene Figur, die die Dinge so beschreibt, wie es sonst wohl keiner machen würde. Er ist sprachgewandt; seine Intelligenz ist gepaart mit einer kindlichen Naivität.

HINDENBURGER: Wie wird man zu Elling?

Bruno Winzen: Ich habe mir die Kindheit und Jugend Ellings genau vorgestellt. Er hatte eine spezielle Beziehung zu seiner Mutter, seine ganze Körperlichkeit erzählt davon. Am Anfang des Stücks wirkt er schüchtern und zurückgenommen. Im weiteren Verlauf öffnet er sich immer mehr; dies zeigt er auch mit seinen Gesten. Elling wird freier, nimmt sein eigenes Körpergefühl stärker an.

HINDENBURGER: Überwiegt den beiden Hauptdarstellern gegenüber eher Heiterkeit oder Mitgefühl?

Bruno Winzen: Beides. Vieles, was Elling und seinem Freund Kjell Bjarne passiert, ist komisch – man reagiert darauf mit Heiterkeit, aber nicht mit schallendem Lachen. Man nimmt die beiden ernst, und entsprechend sitzt der Witz tiefer.

HINDENBURGER: Wie intensiv ist die Freundschaft zwischen Elling und Kjell Bjarne?

Bruno Winzen: Die beiden verbindet eine enge Beziehung. Sie stammen beide aus schwierigen Familien; sie brauchten beide lange, um ihre Freundschaft zu festigen. Am Ende brachten sie die Kraft auf, sich zu finden.

HINDENBURGER: War das Zusammenspiel der beiden Männer für Sie und Adrian Linke schwierig zu lernen?

Bruno Winzen: Nein, gar nicht. Wir sind nun schon so lange Kollegen am Theater, dass wir direkt in das Stück einsteigen konnten. Wir spielen seit zehn Jahren gemeinsam am Theater Krefeld und Mönchengladbach, zuvor waren wir zusammen am Schauspielhaus Köln beschäftigt.

HINDENBURGER: Kjell Bjarne wird von Adrian Linke verkörpert. Herr Linke, was sind für Sie die größten Herausforderungen an die Rolle des Kjell Bjarne?

Adrian Linke: Die größte Herausforderung ist für mich die Gratwanderung zwischen dem pathologischen Befund der Person und die vielen alltäglichen Situationen, in die sie gerät. Kjell Bjarne darzustellen ist ein bisschen wie mit dem Feuer zu spielen.

HINDENBURGER: Wie ist Kjell Bjarne zu dem Menschen geworden, der er ist?

Adrian Linke: Das ist tatsächlich gar nicht so einfach herauszufinden. Der Stoff gibt jede Menge Informationen über Ellings Vergangenheit, verrät aber wenig zur Geschichte des Kjell Bjarne. Es gibt einige Anhaltspunkte; so haben zum Beispiel der Stiefvater und auch die Mutter den Jungen nicht gut behandelt.

HINDENBURGER: Kjell Bjarne glaubt, mit der Nachbarin die Frau seines Lebens gefunden zu haben. Ändert dies seine Persönlichkeit?

Adrian Linke: Kjell Bjarne ist impulsiv, reagiert immer aus der Situation heraus. Er hat keine Pläne. So reagiert er auch auf Reidun. Die aber weiß ihn ganz gut zu nehmen, erzählt ihm viel von sich und der Welt. Als Zuschauer erkennt man dann bei Kjell Bjarne eine leise Veränderung. Er übernimmt ein Stück weit Verantwortung für sich und Reidun.

Elling
Schauspiel von Axel Hellstenius unter Mitwirkung von Petter Næss - nach dem Roman „Blutsbrüder“ von Ingvar Ambjørnsen - Aus dem Norwegischen von Gabriele Haefs

Inszenierung: Matthias Gehrt
Bühne: Gabriele Trinczek
Kostüme: Petra Wilke
Dramaturgie: Thomas Blockhaus

Termine:

Matinee
Sonntag, 02. Februar 2020, 11.15 Uhr, Theater Mönchengladbach

Premiere
Sonntag, 09. Februar 2020, 18.00 Uhr, Theater Mönchengladbach

Weitere Termine

Februar:
Mittwoch, 12.02.
Freitag, 14.02.
Samstag, 22.02.

März:
Sonntag, 01.03.
Sonntag, 08.03.

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