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Februar 2020

Aktuelle Ausgabe als PDF - Februar 2020
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Yann Sommer ist ein absoluter Leistungsträger beim VfL. Doch auch der Torhüter zeigte angesichts der Pole Position eine gewisse Nervosität zum Schluss der Hinserie. Foto: © Borussia
Yann Sommer ist ein absoluter Leistungsträger beim VfL. Doch auch der Torhüter zeigte angesichts der Pole Position eine gewisse Nervosität zum Schluss der Hinserie. Foto: © Borussia

Hürde im Kopf überspringen

Vielleicht ist Borussia noch nicht dort angekommen, wo sie platziert ist?

Redaktion: Ingo Rütten

Winterpause, Zeit zum Durchatmen für Fans, Verantwortliche und wahrlich nicht zuletzt die Spieler von Borussia Mönchengladbach. Diese kleine Verschnaufpause tut wahrlich gut, ungeachtet der letzten Resultate und Ereignisse in der Bundesliga und im Europa Pokal, die vor allem im Hinblick auf die Europa League auch heute noch ein bisschen schmerzen.

Dir zurückliegende Gruppenphase in der Europa League zeigt deutlich auf, wie eng Glück und Unglück und damit oft Erfolg und Misserfolg im Fußball beisammen liegen. Nimmt man die wenigen wirklichen Topclubs heraus, die seit Jahren in der Champions League Millionen scheffeln und vermutlich den Siegerpokal in der Regel auch in der Zukunft unter sich ausspielen: dann sieht man sich schnell bestätigt, dass es keine kleinen Mannschaften und Clubs mehr gibt. Jedenfalls nicht in der höchsten deutschen Spielklasse und auch nicht in den internationalen Wettbewerben Europas. Der Wolfsberger AC hatte bei Borussia richtig Eindruck hinterlassen, das 0:4 zum Auftakt der Europa-Pokal-Saison war vielleicht der Tiefpunkt für Borussia in dieser Hinrunde. Einer, der sich am Ende rächen sollte, nachdem VfL-Trainer Marco Rose mit seiner Mannschaft durch Geschick und gehörig viel Glück bis zum letzten Heimspiel sogar die Tabellenspitze in der Gruppe eingenommen hatte.

Kein Happy-End

Gegen Istanbul Basaksehir FK machte Borussia kein schlechtes Spiel, ging in Führung und steckte auch den Torwartfehler von Yann Sommer kurz vor der Pause und den damit gleichbedeutenden Ausgleich gut weg. Doch je länger die Partie dauerte und je mehr Chancen Borussia vorne selbst vergab, desto mehr wurde den Fans bewusst, dass diese Europa-League-Saison kein Happy-End haben würde. Allerdings sollte auch mit etwas Abstand niemand in Borussias Umfeld auf die Nachspielzeit fluchen, denn: Erstens fiel der Treffer zum 1:2 einen Wimpernschlag vor dem Ende der regulären Spielzeit. Und zweitens wäre der VfL ohne seine Tore in der Nachspielzeit schon vor diesem letzten Heimspiel chancenlos in der Gruppenphase gewesen. Dass der späte Gegentreffer den Sturz von Platz eins auf drei und das Ausscheiden zur Folge hatte, macht es aber trotzdem besonders ärgerlich.

Für Rose war das Zustandekommen des Ausscheidens sehr bitter, schließlich sei es das große Ziel gewesen „international zu überwintern – das haben wir nicht erreicht. Das ist ärgerlich und tut weh. Es ist wichtig, dass man nach so einer bitteren Niederlage jedem die Zeit gibt, die er braucht.“ Nur drei Tage später fügte der Borussentrainer hinzu: „In den letzten Wochen haben wir in der Nachspielzeit einige Spiele für uns entscheiden können. Jetzt lernen wir gerade auf unschöne Art und Weise, dass es auch in die andere Richtung gehen kann.“ Borussia hatte vor diesen Erklärungen gerade beim VfL Wolfsburg verloren, dieses Mal tatsächlich in der Nachspielzeit. Durch das 1:2 verlor Borussia nach zwei Monaten (!) erstmals wieder die Tabellenspitze und hatte ebenfalls zum ersten Mal in dieser Saison nach einer Niederlage das darauf folgende Spiel verloren. Nun sind Niederlagen in Wolfsburg leider für die Borussen etwas völlig Normales, der Verlust der Tabellenspitze indes ist es nicht. Letzteres liegt natürlich daran, dass Borussia in den letzten Jahrzehnten niemals so lange ganz vorne gestanden hatte – und wie der Niederrheiner nun mal so ist, hatte er sich schon daran gewöhnt.

VfL-Fans: Zufrieden und enttäuscht

Ungeachtet des Tabellenstandes dürfen die VfL-Fans natürlich mit dieser Hinserie in der Bundesliga mehr als zufrieden sein. Sie dürfen aber auch enttäuscht sein, dass nach dem Aus im DFB-Pokal auch in der Europa League das Ziel nicht erreicht wurde. Also geht es nach der Winterpause einzig in der Bundesliga darum, den Fußballfans in Deutschland zu beweisen, was die eigenen schon wissen: dass Borussia zurecht oben in der Bundesligatabelle rangiert.

Dass Borussia um die Deutsche Meisterschaft mitkämpft, mag Max Eberl weder hören, noch glauben. Und auch die euphorischsten Anhänger werden dem VfL-Sportdirektor zumindest im Stillen Kämmerlein Recht geben. Das heißt nicht, dass sich der VfL die Tabellenführung nicht verdient hatte, angesichts der zeitweise vielen Verletzten und komplizierten Spiele sowieso. Aber genau diese Konstellation brachte zum Schluss des Fußballjahres 2019 neben einer gewissen Erschöpfung auch die Erkenntnis, dass es ja ab jetzt nur noch etwas zu verlieren gäbe. Sollte Borussia diese Hürde im Kopf auch noch überspringen – dann ist sie dort angekommen, wo sie zurzeit immer noch platziert ist: auf einem der Top-Ränge.

Jetzt gelte es „die Ruhe zu bewahren“, mahnte Sommer nach den beiden erwähnten Niederlagen. Der VfL-Torhüter ist durch seine ausgezeichneten Leistungen in der ersten Halbserie dieser Saison mitverantwortlich für die erfreulichen Ergebnisse. Aber auch er selbst bekam den neuen Stress auf der Pole Position nicht immer in den Griff. Das ging gegen den FC Bayern München noch gut, Borussia gewann den Klassiker durch das Elfmetertor in der Nachspielzeit von Ramy Bensebaini. Wieder einmal hatte Borussia diesen enormen Siegeswillen gezeigt, obwohl sie dieses Mal dem Gegner zuvor über weite Strecken sehr unterlegen war. Diese Nachspielzeiten und diese Willenskraft sind es, die wir gedanklich mit in den Auftakt der Rückrunde nehmen müssen: Von ein paar Nackenschlägen sollte sich diese Borussia nicht wieder zu jener aus der letzten Spielzeit machen (lassen)!

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