Juni 2019

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In der Hinrunde wurde Jonas Hoffmann bis in den Dusntkreis der Nationalmannschaft hochgejubelt. Seit der Winterpause läuft es aber nun nicht mehr rund beim jungen Mittelfeldspieler, Foto: Borussia
In der Hinrunde wurde Jonas Hoffmann bis in den Dusntkreis der Nationalmannschaft hochgejubelt. Seit der Winterpause läuft es aber nun nicht mehr rund beim jungen Mittelfeldspieler, Foto: Borussia

Möglichkeiten lassen Hoffnung wachsen

Borussia hat den Vorsprung, aber noch lange nicht die Saison verspielt

Der das Glas als halbleer betrachtende Borussen-Fan dürfte nach der Hälfte der Rückserie sagen: wir sind exakt auf Kurs. Nur, er legt dabei die Messlatte nicht an die Hinrunde oder an das offensichtliche Leistungsvermögen der Mannschaft an, sondern an die beiden vergangenen Jahre, die Borussia jeweils mit einem enttäuschenden neunten Tabellenplatz am Ende der Spielzeit beendete. Die Fans mit dem halbvollen Glas in der Hand werden die zurückliegende Länderspielpause als geeignete Gelegenheit begrüßt haben, sich zu schütteln und die Stellschrauben zu drehen, um sich dann bestens präpariert auf die zu erwartende Punkteausbeute aus den restlichen acht Spielen zu freuen.

In der ersten Halbserie holten die Borussen 16 Punkte aus den letzten acht Spielen. Käme es wieder so, dann dürfte sich VfL-Coach Dieter Hecking im Mai über satte 63 Punkte freuen – die voraussichtlich zur Teilnahme an der Champions League reichen sollten. Sie denken, das ist reine Spekulation? Richtig! Denn wer hätte wohl gedacht, dass Borussia von Februar bis zur besagten Länderspielpause ihren Vorsprung auf die Verfolger nahezu komplett aufbrauchen würde? Leipzig und Leverkusen haben sieben Punkte gutgemacht, Frankfurt holte gar neun auf, Wolfsburg immerhin sechs. Das bedeutet, sogar die Qualifikation für die Europa League könnte noch eng werden. Vor allem, wenn man sieht, wie sich der VfL zuletzt präsentiert hat.

Beispiel Jonas Hofmann

Am Beispiel Jonas Hofmann lässt sich die Entwicklung Borussias in dieser Spielzeit ganz gut festmachen. In der Hinrunde wurde der bis dato eher als Fehleinkauf geltende Mittelfeldmann hochgejubelt und bis in den Dunstkreis der Nationalmannschaft stark geredet. Seit der Winterpause aber läuft es nicht mehr bei Hofmann, der immer noch durchs Mittelfeld rennt wie kaum ein anderer, aber leider auch wieder in alte Muster verfällt, die ihm vor seinem Leistungshoch mindestens einen Platz auf der Ersatzbank eingebracht hatten.

„Es wird aus meiner Sicht teilweise alles viel zu negativ gesehen. Wir wissen, dass richtig einzuschätzen. Das sollen auch keine Ausreden sein, wir haben auch unsere Ansprüche, aber wichtig ist doch, dass wir jetzt weiter positiv bleiben. Niemand von uns wird irgendetwas schleifen lassen“, erklärte Hofmann zuletzt der Presse und liegt damit gewiss richtig. Am Willen hat es den Borussen ganz sicher in dieser Saison nie gefehlt, eher am Selbstvertrauen.

Nach den drei Siegen zu Beginn des neuen Jahres kam mit dem Gerede vom Dortmund-Jäger und dem Rekord an Heimsiegen der Bruch. Und besonders besorgniserregend ist dabei, dass das 1:1 gegen den SC Freiburg im letzten Heimspiel so was wie der negative Höhepunkt dieser Entwicklung war. Nicht das 0:3 gegen Berlin und auch nicht dasselbe Resultat gegen Wolfsburg muss Sorgen machen, erst recht nicht das 1:5 gegen die Bayern, wenngleich das Ergebnis besonders bitter erscheint. Gegen Freiburg ließ Borussia indes alles vermissen, so dass Hecking nach dem Schlusspfiff ein schlechtes Zeugnis ausstellen musste: „Das war viel zu passiv, unsauber und zäh. Wir treffen zu oft die falschen Entscheidungen.“

Kein Tempo, kein Signal

In der Tat, von Beginn an zeigte sich der VfL ideen- und mutlos. Bei Ballbesitz nahm kaum einmal jemand Tempo auf: Nicht nach dem 1:1-Ausgleich, der gezeigt hatte, wie es geht, und auch nicht nach dem Seitenwechsel, wo ein Signal Richtung Gäste ganz gut gewesen wäre. Zudem waren die Standards immens schlecht gespielt, auch in dieser Hinsicht kam also in keiner Situation so etwas wie Hoffnung bei den Zuschauern auf. Dieser Angsthasenfußball, den Hecking zurecht kritisiert, kommt allerdings auch durch den Trainer selbst zustande. Denn erstens stellt er die Mannschaft auf und ein und zweitens könnte er während eines Spieles auch darauf reagieren. Doch Hecking analysiert zwar richtig und redet schlau, doch er vermittelt während des Spiels durch seine Entscheidungen auch nicht immer einen handfesten Plan.

Eine Idee, das dahinsiechende Angriffsspiel der Borussen wieder in Gang zu bringen, präsentierte Hecking dann aber doch: Lars Stindl spielte gegen Freiburg ein paar Minuten im Mittelfeld und nicht mehr vorne, wo ihn Alassane Plea ersetzte. Prompt wurde es besser. Der Trainer fordert, die VfL-Stürmer müssten wieder besser und häufiger in Abschluss-Situationen gebracht werden; da scheint diese taktische Variante eine gute zu sein. Außerdem ist Raffael wieder fit, sodass es nur ein kleines Risiko sein sollte, den Brasilianer länger als die paar Minuten gegen Freiburg zu bringen, als die Partie schon völlig verkorkst und nicht mehr zu retten war.

Möglichkeiten und Alternativen bietet der Spielerkader genug, und daraus erwächst schließlich auch die Hoffnung, dass diese Saison ein gutes Ende nimmt. Denn trotz der schwachen letzten Wochen ist Borussia immer noch auf Rang vier der Tabelle, den es fortan wieder erfolgreicher zu verteidigen gilt.

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