Juni 2019

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Save the Date - 26. Mai 2019 - wir haben die (Europa)wahl

Wer am lautesten schreit, hat Recht. Fakten zählen nicht, Diskussionen sind unerwünscht und Meinungen sind nicht mehr frei, eingeschränkt von uns Bürgern selbst. Realitäten und Notwendigkeiten einer globalisierten Welt werden - aus welchen Gründen auch immer - verleugnet. Brexit statt stronger together. Das ist die Welt, in der wir leben. Eine Welt, die ich mir bisher nie vorstellen konnte, aber sie hat sich in unser Leben geschlichen, verdeckt von meist unbegründeten Ängsten, Fake-News und rechtspopulistisch-nationalistischen Parteien und Politikern, die dem langsam verdummenden Volk nach der Schnauze reden, um an die Macht zu kommen. Hatten wir das nicht schon einmal?

Das Ergebnis damals war ein großer Weltkrieg, aus dessen Asche ein Gedanke von Gemeinsamkeit geboren wurde. Die Überzeugung von „nie wieder“ und Zusammenhalt. Die Einsicht einer Generation, die erfahren hat, wie es ist, national zu denken und zu handeln und die mit den Ergebnissen leben musste, bis einige den Mut aufbrachten, aus dem „Ich“ ein „Wir“ zu machen, aus dem „Alleine“ ein „Gemeinsam“.

Erinnern Sie sich noch, wie es früher war? Früher, als alles vermeintlich immer besser war?

Früher...

... standen wir oft stundenlang an den innereuropäischen Grenzen - auch vor Venlo und Roermond, um unsere Ausweise zu zücken. Denn erst dann durfte man ins geheiligte Land von billigem Kaffee und Frikandeln.

... stand vor jeder Reise ins europäische Ausland erst mal der Gang zur Bank - man brauchte schließlich die Landeswährung. Vor der Rückreise nach Hause versuchte man dann alles um das Münzgeld wieder los zu werden, denn das wurde nicht mehr zurück getauscht. Und haben Sie nicht auch immer umgerechnet, was der Spaß im Ausland eigentlich in D-Mark kostet?

... wussten Sie nicht wirklich, was in Ihrem Essen alles war. Sie haben es gegessen. Das mag für den Kopf einfacher sein, aber nicht unbedingt gesünder für Ihren Körper.

... waren Sie auf den guten Willen des Einzelhandels angewiesen, wenn Sie etwas umtauschen wollten und auf Glück und Kulanz, wenn etwas kaputt ging und reklamiert werden musste.

... war der Umweltschutz Sache des einzelnen Staates, nur machen Verschmutzung und Dreck nicht an Landesgrenzen halt.

Und heute, wo alles so schlecht ist?

Sie können ohne Kontrolle innerhalb des großen Schengenraumes reisen, müssen in der Eurozone kein Geld mehr tauschen, können Preise problemlos vergleichen, haben ein 2-jähriges Gewährleistungrecht auf gekaufte Waren, wissen exakt, was sich in Ihren Lebensmitteln befindet und Europa arbeitet gemeinsam am Umweltschutz.

Die Liste dessen, was wir Europa - außer Frieden, Stabilität und Wohlstand (ja Wohlstand) - zu verdanken haben ist so lang, dass wir damit problemlos eine komplette Hindenburgerausgabe in Kleinstschrift füllen könnten, aber die Meisten interessiert das nicht. Es zählen nur die negativen Punkte, die via Social Media und bei uninformierten, faktenlosen Stammtischdiskussionen eingeimpften angeblichen Nachteile und Verfehlungen der Europäischen Union.

Schauen Sie sich unsere Welt an, so wie sie heute ist. Eine globalisierte Wirtschaft mit den großen Spielern USA und China, Schwellenländern wie Indien und als Gegenpol das (noch) vereinte Europa. Glauben Sie wirklich Deutschland könnte in diesem System alleine bestehen? Unsere Wirtschaft würde zusammenbrechen, die Kosten steigen und der Sozialstaat wäre irgendwann nicht mehr in der Lage, seinen Aufgaben nachzukommen. Ganz zu schweigen vom globalen Sicherheitskonzept. Wenn nationale Ideen wieder die Oberhand gewinnen, sind territoriale Expansionsträume nicht mehr fern.

Vielleicht im ersten Schritt nicht direkt im großen Stil aber im Kleinen, bei Ethnien und Bevölkerungsgruppen, bei den vermeindlich Schwächeren. Erinnern Sie sich an Jugoslawien, den Kosovo, den Zusammenbruch der Sowjetunion und den Folgen im Kaukasus oder zuletzt an die Ost-Ukraine. Sicherheit gibt es nur im Zusammenhalt. Natürlich ist nicht alles positiv in Europa, die Liste der Verfehlungen und Probleme wächst, aber auch das ist in einem demokratischen System normal.

Die Osterweiterung...

... der größte Fehler der EU seit Bestehen. Politisch motiviert und gewollt von den Mitgliedsstaaten und deren Politikern, nach dem Zusammenbruch der Sovietunion. Sie werden in Brüssel kaum einen Beamten der Gründungsgeneration finden, der dieser Erweiterung positiv gegenübersteht. Für mich fingen die heutigen Probleme damit an. Politisch, wirtschaftlch und sozial noch nicht kompatible Staaten des ehemaligen Ostblocks wurden in ein System integriert, das grundsätzlich andere Werte vertrat. Die Gründe - Sicherheit und Stabilität im Osten - sind klar und auch vertretbar, aber die Integration erfolgte zu schnell, es hätte auch andere Lösungen geben können (z.B. Schweiz, Norwegen).

Die Finanz- und Bankenkrise...

... wurde so gut gelöst wie es einem Staatenbund möglich ist, aber wie so oft extrem schecht kommuniziert und erklärt. Das Volk versteht das System nicht und es entsteht ein falsches Gesamtbild, mit Folgen und Vertrauensverlust. Warum werden Banken und Staaten gerettet, mit „meinem“ Geld und und und... die Erklärung füllt Bücher, die Kurzform: „in den meisten Fällen war es notwendig um das System zu retten, das unserern Wohlstand sichert“ - in eingen Fällen hätte man es auch lassen können und sollen.

Die Flüchtlingskrise...

... eine neuzeitliche (Kopf-)Katastrophe. Ein tragischer Fakt mit vielen Gründen. Not und Elend treffen auf Angst und Vorurteile. Fremde Kulturen und Religionen treffen auf unsere Gesellschaft und unsere Werte. All das ohne Pufferzone, ohne Zeit für eine Gesellschaft zu verstehen, zu sehen und lernen. Wir haben Angst vor Menschen mit dunklen Augen, dunklen Haaren und dunkler Haut, die wir nicht verstehen - sprachlich, kulturell und religiös. Wir sehen hinter jedem Schleier und unter jedem Turban einen Terroristen, Mörder, Vergewaltiger und Dieb, anstatt den Vater und die Mutter, die vor Krieg, Tod und Gewalt fliehen, so wie es unsere Großeltern im Krieg mussten. Wir sehen Arbeitsplatzdiebe, wobei wir dringend Arbeitskräfte brauchen. Wir sehen überall religiöse Bedrohungen, obwohl wir nur noch selten selber glauben. Wovor also haben wir da eigentlich Angst? Vor den paar Übeltätern, die tatsächlich die Klischees bedienen ? Die gibt es in jeder Gesellschaft, auch in unserer. Es ist der Umgang der EU mit dieser Krise, die Zerstrittenheit, der Populismus im wiedererstarkten Nationalismus, die Unfähigkeit der amtierenden Politiker, geltendes EU-Recht umzusetzen und in der Gemeinschaft durchzusetzen und die Konsequenzlosigkeit, wenn dies - wie in Ungarn, Italien und Polen - nicht gelingt. Ein System, das seine eigenen Maßstäbe nicht erfüllt, verliert.

Und sonst?

Der Brexit natürlich, aber das ist nichts, was sich die EU auf die Negativliste schreiben lassen müsste, sondern ein nationalstaatliches Problem Großbritanniens und ein Lehrbuchbeispiel für das, was passiert, wenn diejenigen, die am lautesten schreien, gewinnen und die Masse zu träge ist, zu denken und für das zu kämpfen, was ihr wichtig ist.

Mein Fazit

Ohne Europa wären wir nicht da, wo wir heute sind. In einer freien, friedlichen, gleichberechtigten Gesellschaft, die in relativem Wohlstand lebt und voller Zuversicht in eine gute Zukunft schauen könnte, wenn sie denn wollte. Wir sind dabei, etwas zu verspielen, für das unsere Großeltern hart gekämpft haben und das den Generationen nach uns eine bessere Zukunft bieten kann. Wir werden getrieben von unbegründeten Ängsten, stellen die wenigen negativen Punkte in den Vordergrund ohne die Masse der Positiven überhaupt zu kennen, weil wir verlernt haben zu lesen, zu lernen und zu verstehen. Aus Desinteresse, aus Unvermögen, aus ideologischer Verblendung und Angst. Wir sehen hart Erkämpftes als normal an und verstehen nicht, was der Verlust dessen für unser aller Leben bedeuten würde, nämlich ein Leben, das niemand von uns leben möchte. Fangen Sie an zu denken, fangen Sie an zu sehen und hören Sie auf, den Populisten zu glauben, den denen geht es nicht um Sie und Ihre Zukunft. Gehen Sie wählen und übernehmen Sie Verantwortung - aber bitte:

Erst informieren, dann denken und dann wählen!

Ein erster und guter Anlaufpunkt sind die Websites:

www.das-tut-die-eu-fuer-mich.eu
https://www.europawahl.eu/quiz

Lassen Sie sich überraschen!

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