Dezember 2019

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Szenenbild aus der „Dreigroschenoper“, Foto: © Matthias Stutte
Szenenbild aus der „Dreigroschenoper“, Foto: © Matthias Stutte

Schauspiel verführt

Stück für Stück anspruchsvolle Unterhaltung im Theater

Das Schauspiel des Theaters Krefeld und Mönchengladbach zeigt in dieser Theaterspielzeit an der Odenkirchener Straße unter anderem vier Komödien, die sich niemand entgehen lassen sollte. Warum das so ist, verrät Schauspieldirektor Matthias Gehrt im Gespräch mit dem Hindenburger.

Hindenburger: Noch bis zum 21. Januar 2020 steht „Tartuffe“ auf dem Programm. Wie aktuell ist die Komödie von Molière aus dem 17. Jahrhundert?

Matthias Gehrt: Tartuffe ist ein Verführer, ein Scharlatan, er ist ein Wortverdreher, ein Lügenbold –und bigott bis ins Mark. In dieser opulenten Familienkomödie ahnt sein Umfeld, dass die Dinge, die er behauptet, so nicht stimmen. Und trotzdem lässt man sich gerne von ihm verführen, goutiert die klaren Verhältnisse und einfachen Lösungen. Das erinnert uns doch an etwas!

Hindenburger: Ab dem 29. November spielt in dem Komödienklassiker rund um die Theaterleidenschaft „Der Raub der Sabinerinnen“ Theaterdirektor Michael Grosse den Theaterdirektor Emanuel Striese. Warum ist Grosse die Idealbesetzung?

Matthias Gehrt: (lacht) Weil er ein glänzender Komiker und guter Schauspieler ist! Außerdem ist er für die Besetzung als Typ ideal. Dieser Blick hinter die Kulissen ist mit Ironie darüber gepflastert, wie wir Theater machen, und gehört zu den „Big Five“ der Komödienliteratur. Wir spielen dabei natürlich mit dem Augenzwinkern, dass der Theaterdirektor einen Theaterdirektor spielt - und was für einen!

Hindenburger: Sie bezeichnen das Schauspiel „Elling“, das am 9. Februar 2020 erstmals im Mönchengladbacher Theater zu sehen sein wird, als „eine melancholische Komödie“. Was dürfen wir uns darunter vorstellen?

Matthias Gehrt: Eine zu Tränen rührende Heiterkeit. Elling ist ein Junggeselle in seinen späten 40ern, der immer noch bei seiner Mutter lebt, ein kleiner Bürger, der vom norwegischen Autor Ingvar Ambjørnsen äußerst detailliert und liebevoll beschrieben wird. So bekommt Elling, als seine Mutter stirbt, psychische Probleme und landet in der Psychiatrie. Wir erleben im Stück dann vor allem seinen Weg, nach seiner Entlassung zusammen mit seinem Kumpel Kjell Bjarne wieder ins Leben zurückzufinden, ja sogar zum Dichter zu werden. Es ist ein Stück über Freundschaft, Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit und auch ein Stück über das Gelingen, dies bei eher unscheinbaren Menschen am Rand der Gesellschaft. Sehr warmherzig und sehr heiter geschrieben.

Szenenbild aus „Tartuffe“, Foto: © Matthias Stutte
Szenenbild aus „Tartuffe“, Foto: © Matthias Stutte

Hindenburger: „Und der Haifisch, der hat Zähne…“ Auch die von Kurt Weill komponierte Musik, in die er Stilelemente von Blues, Jazz, Tango und Jahrmarktsmusik aufnahm, trug zum phänomenalen Erfolg der legendären Kapitalismuskritik „Die Dreigroschenoper“ bei. Am 21. Februar 2020 feiert Brechts Klassiker in Mönchengladbach Premiere. Was wird an dieser Inszenierung besonders sein?

Matthias Gehrt: Unsterblich ist diese wunderbare Musik mit Ohrwurmcharakter. Und Regie führt bei unserer „Dreigroschenoper“ Helen Malkowsky, die sonst im Musiktheater zu Hause ist. Sie besitzt natürlich eine hohe Musikalität, deswegen ist es eine Freude, zu sehen, wie Malkowskys gebündelte musikalische Erfahrung mit dem Schauspielensemble zusammentrifft. Helen Malkowsky versetzt das Ganze übrigens in eine Pathologie, ein anatomisches Theater, soviel sei schon verraten. Und das Stück hat bis heute nicht viel von seiner bitterbösen Kapitalismuskritik eingebüßt.

Tickets
sind erhältlich auf www.theater-kr-mg.de und an der Theaterkasse unter 02166 6151 100. Wer sich für ein Abo interessiert, kann sich ebenfalls an der Theaterkasse beraten lassen.

Achtung Aktion
Beim gleichzeitigen Erwerb von 4 Normalpreis-Tickets (ein Ticket je oben genannter Produktion), bekommen Sie das günstigste Ticket geschenkt. Eine Kombination von Ermäßigungen ist grundsätzlich ausgeschlossen.

Matthias Gehrt, Foto: © Matthias Stutte
Matthias Gehrt, Foto: © Matthias Stutte

Über Matthias Gehrt:
Matthias Gehrt begann 1980 nach einer abgebrochenen Management-Ausbildung in der Textilbranche ein geisteswissenschaftliches Studium an der Freien Universität Berlin. Parallel dazu arbeitete er von 1983 bis 1988 als Regieassistent an der Berliner Schaubühne am Lehniner Platz, hier vor allem mit Peter Stein und Luc Bondy. In diesen Jahren reiste er durch Indien, China, Mittelamerika, in die USA und den Nahen Osten. 1988 schloss er sein Studium ab, begann mit eigenen Regiearbeiten und ist seitdem mit inzwischen über 60 Inszenierungen als Regisseur tätig.

Immer wieder arbeitete er in enger künstlerischer Symbiose mit der Bildhauerin und Bühnenbildnerin Gabriele Trinczek. Stationen in Deutschland waren neben dem Staatsschauspiel Dresden, wo er insgesamt neun Inszenierungen herausbrachte, unter anderem die Berliner Schaubühne, das Bremer Theater und das Deutsche Nationaltheater Weimar. Daneben arbeitete er auch im Ausland, häufig in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut.

Matthias Gehrt übernahm mit Beginn der Spielzeit 2010/11 die Schauspieldirektion am Theater Krefeld und Mönchengladbach.

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