November 2019

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Philipp Wenger. Foto: © Julia Vlasova
Philipp Wenger. Foto: © Julia Vlasova

Solo für Prokofjew

Text: Susanne Jordans

Im 2. Sinfoniekonzert der Niederrheinischen Sinfoniker, dem Orchester des Theaters Mönchengladbach an der Odenkirchener Straße, tritt der Konzertmeister der Sinfoniker Philipp Wenger am 16. und 17. Oktober als Solist mit dem Orchester auf. Das ist eine Besonderheit, denn die Sinfoniker engagieren traditionell externe Solokünstler als Konzertsolisten.

Herr Wenger, wie ist es zu Ihrem Rollenwechsel gekommen?

Philipp Wenger: Das ist eine Herzensangelegenheit von mir. Ich spiele beim 2. Sinfoniekonzert als Solist das Violinkonzert Nr. 1 von Sergej Prokofjew. Mit 14 Jahren hörte ich genau dieses Konzert auf der Debüt-CD des Ausnahme-Geigers Frank Peter Zimmermann als Solist. Ich war wie elektrisiert. Jetzt darf ich selbst als Solist mit dem eigenen Orchester auftreten. Das freut mich sehr; das Konzert ist für mich sehr emotional.

Bei Herzensangelegenheiten ist man ja besonders engagiert…

Philipp Wenger: Und wie! In diesem Sommer gab es für mich kaum Urlaub, ich habe die meiste Zeit durchgeübt. Mit unserem kleinen Sohn haben wir ein paar Tage in Holland und bei den Großeltern in Bayern verbracht, das war‘s.

Wie geht das Orchester mit Ihnen als Solist um?

Philipp Wenger: Es ist ein besonderes Privileg, mit dem eigenen Orchester als Solist arbeiten und auftreten zu dürfen. Ich bin dafür sehr dankbar und habe das Gefühl, dass es allgemein unterstützt wird. Man muss dazu sagen, dass wir eine besonders gute Arbeitsatmosphäre im Orchester haben. Bei meiner Tätigkeit als Konzertmeister muss ich im Übrigen immer wieder kleinere solistische Aufgaben übernehmen.

Was macht eigentlich ein Konzertmeister?

Philipp Wenger: Ein Konzertmeister führt die größte Gruppe der 1. Violinen an. Oft wird der Beruf mit dem Kapellmeister verwechselt. Der Konzertmeister ist aber kein Dirigent, sondern übernimmt von diesem die Impulse und gibt sie weiter. Oft sagt man, dass er in der Hierarchie direkt hinter dem Dirigenten steht. Ich höre das nicht so gern und sehe mich als Teil eines großen Kollektivs. In einigen Kammerorchestern ist der Konzertmeister tonangebend, bei größeren Orchestern aber teilt er sich die Leitungsfunktion mit dem Dirigenten.

Mal davon abgesehen, dass es wahnsinnig schwer ist, Solist zu werden, war es für mich früh klar, lieber eine Laufbahn als Konzertmeister anzustreben. Als Solist ist man sehr viel auf Reisen und damit oft einsam.

Wann und wo wird das 2. Sinfoniekonzert gespielt?

Philipp Wenger: Premiere des 2. Sinfoniekonzerts ist am 15. Oktober im Krefelder Seidenweberhaus. Es folgen Auftritte am 16. und 17. Oktober in Mönchengladbach, dann spielen wir noch einmal am 18. Oktober in Krefeld. Die Konzerte fangen jeweils um 20 Uhr an.

Über Philipp Wenger

Seit der Spielzeit 2009/2010 gehört Philipp Wenger als erster Konzertmeister den Niederrheinischen Sinfonikern an. Die Niederrheinischen Sinfoniker sind das Orchester des Theaters Krefeld Mönchengladbach unter der Leitung von Generalmusikdirektor (GMD) Mihkel Kütson.

Philipp Wenger wurde in Karlstadt am Main geboren. Im Alter von sechs Jahren begann er mit dem Violinspiel, nur sechs Jahre später wurde er in die bayerische Frühförderklasse von Professor Conrad von der Goltz an der Hochschule für Musik in Würzburg aufgenommen. Mit seinem 16. Lebensjahr wechselte er dort zum Hauptstudium bei Professor Grigory Zhislin, das er an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ in Berlin bei Professor Antje Weithaas sowie an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig bei Lothar Strauß fortsetzte. 2006 schloss Philipp Wenger dort sein Studium ab.

Der mehrfach mit Preisen ausgezeichnete Violinist war schon vielfach im Konzert zu erleben. So spielt er regelmäßig beim Kammermusikfestival Suomussalmen in Finnland oder gab Solokonzerte im Gewandhaus zu Leipzig. Bei den Niederrheinischen Sinfonikern war er zuletzt 2015 mit der Uraufführung des Violinkonzerts von André Parfenov als Solist zu erleben. Nach Gastkonzertmeistertätigkeiten bei renommierten Ensembles wie den Berliner Symphonikern oder dem Württembergischen Kammerorchester Heilbronn war Philipp Wenger zunächst beim Philharmonischen Staatsorchester Mainz, dann bei den Nürnberger Philharmonikern als erster Konzertmeister verpflichtet.

2. Sinfoniekonzert

Schulhoff: Suite für Kammerorchester // Prokofjew: Violinkonzert Nr. 1 // Tschaikowsky: Manfred-Sinfonie - Violine: Philipp Wenger, Dirigent: GMD Mihkel Kütson

Ragtime, Shimmy, Step – bereits die Satztitel von Erwin Schulhoffs Suite für Kammerorchester legen nahe, dass sich in dem überaus unterhaltsamen Werk aus dem Jahr 1922 seine damalige Vorliebe für den Jazz und Modetänze niederschlug. Ausdrucksstarkes lyrisches Spiel, heiter-ironische bis groteske Momente, Authentizität und höchste Virtuosität des Solisten vereinte Sergej Prokofjew in seinem Violinkonzert Nr. 1. Glissandi über drei Oktaven werden vom Geiger ebenso gefordert wie schneller Wechsel zwischen kernigem Spiel und luftigem Flageolett.

„Ich arbeite an einem komplizierten sinfonischen Werk, dessen Inhalt dermaßen tragisch ist, dass auch ich mich langsam in einen Manfred verwandle.“, erklärte Peter Tschaikowsky während der Arbeit an seinem Opus 58. Das Werk nach Byrons berühmtem Gedicht fasziniert bis heute durch seine Subjektivität und die bewussten Parallelen zu Hector Berliozs „Symphonie fantastique“.

Mittwoch, 16. und Donnerstag, 17. Oktober 2019, 20 Uhr, Konzertsaal Theater Mönchengladbach

Konzerteinführung: jeweils um 19.15 Uhr

Tickets für die neue Spielzeit 2019/20 sind erhältlich auf www.theater-kr-mg.de und an der Theaterkasse unter 02166 6151 100. Wer sich für ein Abo interessiert, kann sich ebenfalls an der Theaterkasse beraten lassen.

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