Yoga-Lehrerin und Ausbilderin Alena Scharfschwert
01.05.2021
Medizin + Co

Der Weg zur Achtsamkeit auf und neben der Yogamatte

Redaktion: Jessica Sindermann

Wer über innere Unruhe, Anspannung und das Gefühl von Rastlosigkeit klagt, wird meist von allen Seiten mit Tipps eingedeckt. „Versuch‘s mit Yoga und Meditation“. „Üb‘ dich in Achtsamkeit.“ Frei nach dem Motto: Man nehme einen Esslöffel Achtsamkeit, eine Messerspitze Stille, einen Teelöffel Gelassenheit, verrühre alles mit drei tiefen Atemzügen, einigen Takten Entspannungsmusik, einem Hauch Herzöffnung und fertig ist das Erfolgsrezept für weniger Stress im Alltag! Doch so einfach ist es dann doch nicht: Alena Scharfschwert, die seit Oktober 2015 erfolgreich ihr eigenes Yogastudio in einer geschmackvollen Jugendstilvilla mitten in Mönchengladbach betreibt, durch nationale und internationale Aus- und Weiterbildungen als Yogalehrerin zahlreiche Erfahrungen sammeln konnte und inzwischen auch selbst Yogalehrer ausbildet, spricht im Interview über die wahren Zusammenhänge von Yoga, Achtsamkeit und Meditation und den Weg über die Yogapraxis zu einem erfüllteren, stressfreieren Leben!

HINDENBURGER: Gibt es Ihrer Meinung nach einen Grund, dass Achtsamkeit gerade jetzt wichtiger zu werden scheint?

Alena Scharfschwert: Wenn das Leben gut läuft und alles im Lot erscheint, ist es viel einfacher, mit allen Sinnen wahrzunehmen und aufmerksam im Moment zu sein. Aktuell geht es vielen Menschen aus unterschiedlichen Gründen jedoch nicht so gut. Wir werden täglich mit Horrornachrichten konfrontiert und es ist eine herausfordernde Zeit. Besonders jetzt ist es also wichtig, achtsam im Umgang mit sich selbst und anderen zu sein, unser Leben trotz aller Umstände positiv zu gestalten, Lebensfreude zu empfinden und auch weiterhin unsere Ziele zu verfolgen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, welche Mammutaufgabe das derzeit ist. Aber durch Achtsamkeit lernen wir zu akzeptieren, was gerade ist. Die aktuelle Situation fordert uns an vielen Stellen des Lebens auf, vom Handlungsmodus in den Sein-Modus zu kommen.

HINDENBURGER: Was bringt uns Achtsamkeit im Alltag?

Alena Scharfschwert: Achtsamkeit hat viele positive Auswirkungen auf unser körperliches und geistiges Wohlbefinden. Gehen wir achtsamer durch das Leben, dann sind wir wacher, klarer und lebendiger. Wir sind im besseren Kontakt mit uns selbst und auch mit anderen. Wir spüren Zuversicht und Gelassenheit und können Spannungszustände und subjektive Überforderung abbauen. Achtsamkeit lässt uns unsere eigenen Bedürfnisse erkennen und lehrt, uns für diese einzusetzen. Dadurch übernehmen wir mehr Verantwortung für unser eigenes Handeln.

HINDENBURGER: Wie hängen Yoga und Achtsamkeit zusammen? Ist Achtsamkeit ein Grund, weshalb Menschen beginnen, Yoga zu praktizieren?

Alena Scharfschwert: Yoga und Achtsamkeit sind untrennbar miteinander verbunden. Yoga und auch Meditation helfen dabei, im Moment zu sein. Vereinfacht ausgedrückt: konzentriert man sich gerade darauf tief ein- und wieder auszuatmen, kann man weder körperlich noch gedanklich irgendwo anders sein. Man ist im Hier und Jetzt.

Die meisten Menschen sehnen sich nach mehr Balance und Ruhe in ihrem Leben und beginnen mit Yoga, um die Stressbelastung zu reduzieren. Natürlich können auch gesundheitliche Beschwerden Menschen zur Yogapraxis führen. Warum sie dann aber beim Yoga bleiben, obwohl der Rücken beispielsweise wieder schmerzfrei ist, ist ein anderer; und der hat mit gesteigerter Achtsamkeit zu tun.

HINDENBURGER: Können Yoga und Meditation auch dabei helfen, achtsamer im Alltag zu werden? Wie verhelfen Sie Menschen in Ihrem Studio zu mehr Achtsamkeit?

Alena Scharfschwert: Yoga beschäftigt sich mit der Gesamtheit des Menschen, verbindet Körper, Geist und Seele miteinander und bringt alles in eine Beziehung zueinander. Für Praktizierende ist es eine Lebensphilosophie und eine Methode, um das eigene Leben achtsamer, gesünder und glücklicher leben zu können. Yoga hat also etwas mit einem selbst zu tun und ist eine Reise zu sich selbst; eine Verbindung mit dem inneren ICH. Dabei geht es zum einen darum, abschweifende Gedanken und ein ruheloses Gemüt zu beruhigen, zum anderen aber um ein größeres Ganzes: Yoga befähigt uns dazu, unsere geistigen Kräfte und Fähigkeiten methodisch zu nutzen, um unser Leben von innen heraus in Ordnung zu bringen. Yoga ist Selbsthilfe durch Selbst-Erkenntnis. Indem ich also Yoga unterrichte, helfe ich Menschen dabei mehr Achtsamkeit in ihr Leben zu bringen. Yoga ermöglicht ein Innehalten und damit achtsame Momente.

HINDENBURGER: Liebe Frau Scharfschwert, herzlichen Dank für Ihre inspirierenden Antworten!


Alenas 7 Tipps für mehr Achtsamkeit im Alltag:

1. Einfach mal offline sein! Schalten Sie ihr Handy aus und sind nicht erreichbar. Beobachten Sie gerne dabei, was das mit Ihnen macht: welche Gedanken und Gefühle löst das in Ihnen aus?

2. Konzentrieren Sie sich nur auf eine Sache und reduzieren Sie dabei äußere Ablenkung. Trinken Sie beispielsweise gemütlich einen Tee auf Ihrem Sofa ohne Radio, Fernsehen etc.

3. Gehen Sie öfter einmal mit allen Ihren Sinnen spazieren. Was sehen Sie dabei? Was hören Sie? Was riechen Sie?

4. Nutzen Sie gerne ein Achtsamkeitssymbol, welches Sie daran erinnern soll in den Moment der Gegenwärtigkeit zurückzukommen. Beispielsweise eine Kerze in Ihrem Wohnzimmer oder Erinnerungszettel an verschiedenen Orten in Ihrer Wohnung.

5. Halten Sie öfter inne und fragen Sie sich ganz bewusst: Wo bin ich gerade mit meinen Gedanken? Wie fühlt sich mein Körper an?

6. Achtsam kommunizieren: Vermeiden Sie Gespräche zwischen Tür und Angel und nehmen Sie sich Zeit.

7. Integrieren Sie eine Art von Körperwahrnehmung in Ihr Leben, beispielweise Yoga (inkl. Meditation und Atmung)


Weitere Infos unter:
www.alenascharfschwert.com