Nico Elvedi traf nach einer Standardsituation per Kopf zum 1:0-Sieg gegen Werder Bremen und hatte mit seinen Kollegen dieses eine Mal Glück, einen späten Gegentreffer irgendwie vermeiden zu können.
01.02.2021
Sport

Gut gerüstet für den Erfolg

Borussia muss endlich die späten Gegentore vermeiden, um den Unterschied deutlich zu machen

Redaktion: Ingo Rütten

Wie wichtig das Tor zum 1:0 gegen Werder Bremen am 19. Januar im letzten Spiel der Hinrunde in der Fußball-Bundesliga für Borussia war, konnten die Fernsehzuschauer gut am Gesicht von Trainer Marco Rose ablesen. Aber auch der jubelnde Trainer konnte zum Zeitpunkt des Treffers von Nico Elvedi nicht wissen und noch dazu beinahe kaum hoffen, dass dies der Siegtreffer in diesem engen Spiel sein könnte. Doch dieses Mal hatte Borussia reichlich Glück, dass nicht erneut eine knappe Führung zum Ende des Spiels verloren ging.

Es ist eine der Geschichten der Hinrunde dieser für Borussia nicht zuletzt wegen der Corona-Pandemie äußerst komplizierten Saison. 18 Punkte ließ die Rose-Elf nach Führungen in der Liga liegen, das ist ziemlich viel. Zu viel, um ganz oben in der Tabelle als einer der Bayernjäger – sofern es den in dieser Spielzeit überhaupt gibt – gelten zu können. Die gute Nachricht: Borussia steht dennoch gut dar und kann in der Rückrunde leicht noch in die Champions-League-Plätze der Tabelle klettern. Viel braucht es dazu eigentlich nicht: Entweder häufiger solch ein Glück in den Schlussminuten wie gegen Werder oder aber ab und an einfach mal ein weiteres Tor, um die Führung auszubauen!

Keine Atempause

Die Bundesliga macht keine Atempause, und so bleibt auch keine Zeit und keine Winterpause, um die Ereignisse der ersten Saisonhälfte einzuordnen. Ehe der VfL zum Start der Rückrunde direkt im Anschluss an den Erfolg gegen Bremen daheim auf die Namenscousine von Borussia Dortmund getroffen ist, holte Rose mit seiner Mannschaft aus vier Spielen im Jahr 2021 zehn Punkte. Dass es nicht gar die Maximalausbeute mit vier Siegen wurde, lag auch an der dubiosen Schiedsrichterentscheidung samt Videobeweis beim 2:2 in Stuttgart. Ohne diese eklatante Fehlleistung aller beteiligten Schiedsrichter hätte Borussia zweifellos gewonnen, dass aber der falsche Elfmeterpfiff erneut zwei Punkte kostete, hat sich der VfL dennoch selbst zuzuschreiben. Die Partie beim Aufsteiger war eine Blaupause der kompletten Saison: Borussia hatte scheinbar alles im Griff, um dann in den Schlussminuten ängstlich und zerfahren einem Gegentor mit Ansage entgegenzublicken.

Dieser obligatorische Gegentreffer in den Schlussminuten scheint tatsächlich eine Kopfsache zu sein. Denn dass die Mannschaft sonst „intakt“ ist, hat sie beispielsweise gegen den FC Bayern München bewiesen, als sie ein 0:2 in einen 3:2-Sieg umwandelte. Vermutlich gab es gegen die Bayern zu wenig zu verlieren, sodass der Erfolg kaum richtig in Gefahr und bei Borussia zum Ende des Spiels nicht wie beinahe üblich alle in Panik gerieten. Dazu besteht grundsätzlich betrachtet ohnehin kein Grund, auch wenn viele Punkte unnötig abgegeben wurden. Borussia hat weiterhin Chancen, sich in der Tabelle wieder unter die ersten vier Teams einzunisten und damit eine Alternative für manchen Leistungsträger und dessen Wechselgedanken zu bleiben.

Gerüchte machen die Runde

Etliche Gerüchte machen die Runde, wen der VfL im Sommer alles verlieren könne. Trainer Rose und eine Hand voll zumindest am Niederrhein hochdekorierter Stars. Gewiss wird es dieses Mal Abgänge geben, aber der sportliche Erfolg stellt auch in dieser Hinsicht wichtige Weichen. Das Erreichen des Achtelfinales in der Champions League gegen Manchester City und eine erneute Qualifikation für diesen Wettbewerb könnten nicht nur manchen derzeitigen Borussen nachdrücklich von seinem Arbeitgeber überzeugen, sondern auch namhafte(re) Leute anlocken, um vakante Positionen einzunehmen.

Hierzu braucht es weitere Siege, die vielen Unentschieden bringen den VfL nicht nach vorne. Ende Januar gegen Union Berlin und im Derby gegen den 1. FC Köln am 6. Februar gab und gibt es die nächsten Chancen, wichtige Punkte zu holen. Wenn es sein muss eben auch mit einem einzigen Standardtor wie gegen Bremen: Elvedis Kopfball war das 13. Tor nach einer Standardsituation für Borussia in dieser Saison. Für viele Borussenanhänger ist diese Zahl ähnlich erstaunlich wie die vielen Gegentreffer zum Schluss.

Der Februar sieht richtungsweisende Spiele für Borussia vor und startet gleich mit der Neuauflage der Partie beim VfB Stuttgart. Dieses Mal tritt der VfL im DFB-Pokal bei den Schwaben ab, und die schlechteste Nachricht könnte dabei sein, dass im Pokal anders als in den Jahren zuvor auch bereits in diesem Achtelfinale der Videoschiedsrichter eingesetzt wird. In der Liga geht es nach Wolfsburg und zu RB Leipzig, zwei direkte Kontrahenten um die vorderen Plätze. Und natürlich steht am 24. Februar der Höhepunkt auf dem Programm, der leider ebenfalls und weiterhin ohne Fans im Borussia-Park über die Bühne gehen muss: Manchester City ist nicht zum ersten Mal Gegner der Borussen in der Champions League, aber wer weiß, vielleicht erinnern wir uns zukünftig nur noch an dieses Aufeinandertreffen, das erst rund drei Wochen später mit dem Rückspiel in England seine Fortsetzung nimmt?

Borussia ist gut gerüstet für diese wichtigen Spiele, hoffentlich über 90 Minuten plus Nachspielzeit. Denn das wäre ein Fortschritt im Gegensatz zum bisherigen Saisonverlauf, der am Ende den Unterschied ausmachen wird: zwischen Erfolg und Misserfolg und letztlich wohl auch zwischen Champions oder Europa League in der nächsten Spielzeit.