Eine Profilaufnahme von VfL-Torhüter Yann Sommer Eine Profilaufnahme von VfL-Torhüter Yann Sommer
Foto: © VFL Borussia Mönchengladbach
VfL-Torhüter Yann Sommer leistete sich zwar auch schon Patzer in der noch jungen Spielzeit, aber letztlich ist es die VfL-Offensive, die für mehr Erfolg deutlich mehr leisten muss als bislang.
01.10.2021
Sport

Siege sind jetzt in der Bundesliga Pflicht

Weil Adi Hütter ein guter und passender Trainer für Borussia ist

Redaktion: Ingo Rütten

Dass es für den neuen Borussentrainer Adi Hütter nicht ganz so einfach werden würde, war zu befürchten. Die ohnehin skeptische bis schlechte Grundstimmung rund um den Borussia-Park hat zwar zunächst einmal der Ex-Trainer zu verantworten. Doch sie löste sich natürlich angesichts der 7,5 Millionen schweren Ablöse und die Diskussionen um die Vertragstreue der Herren Marco Rose und Adi Hüter samt sportlicher Folgen nach deren Entscheidungen nicht einfach mit dem Saisonstart in Luft auf. Nicht zuletzt zeigt sich eindrucksvoll, dass die sportlichen Rückschritte in Jahr zwei unter Rose nicht in den ersten Wochen von seinem Nachfolger Hütter rückgängig zu machen sind.

Ob das ein anderer Trainer schneller geschafft hätte? Darüber lässt sich nur mutmaßen. Hoffen wir lieber, dass es Adi Hütter in der zweiten Länderspielpause gelingt, seine neue Mannschaft so richtig in die Spur zu bringen. Nach fünf Spieltagen und dem abermals enttäuschenden 0:1 beim FC Augsburg und den durchaus als schwierig einzustufenden Spielen gegen den BVB aus Dortmund und beim VfL Wolfsburg vor der Brust, lag Hütter mit dem VfL auf dem Relegationsrang in der Tabelle. Das mochte angesichts der frühen Saisonphase zwar nicht schön, aber auch wenig dramatisch sein, spiegelte indes aber leider das sportliche Abschneiden aus dem Vorjahr und vor allem eine besorgniserregende Entwicklung wider. Die neun Gegentore zum Beispiel in diesen fünf Spielen hören sich happig an, entsprechen aber etwa dem Durchschnitt aus der vergangenen Saison.

Ideenlosigkeit manifestiert

Auch die Ideenlosigkeit und auch das Fehlen jeglicher Torgefahr gegen defensiv eingestellte Teams haben sich schon unter Rose manifestiert. Was aber in der Vorsaison als mangelnde Motivation (was schlimm genug wäre!) oder Unsicherheit aufgrund des bevorstehenden Trainerwechsels abgetan werden konnte, könnte sich jetzt schlichtweg als mangelnde Qualität herausstellen. Alassane Plea ist meilenweit und seit Monaten von einer guten Form soweit entfernt wie Patrick Herrmann von einer für die Bundesliga nötigen Konstanz. Marcus Thuram ist derzeit und Breel Embolo zu häufig verletzt. Und Lars Stindl kann die Kohlen auch nicht immer für seine offensiven Kollegen aus dem Feuer holen, zumal er auch aus dem Mittelfeld nicht annähernd ausreichend unterstützt wird. Das alles offenbart sich vor allem gegen vermeintlich schwächere, zumindest aber gegen abwartende Mannschaften.

Aber auch, wenn sich das alles nicht erst unter Hütter zeigt, so war zumindest bis zu besagtem 0:1 in Augsburg trotzdem noch wenig zu erkennen, was der neue Verantwortliche an der Seitenlinie eigentlich mit seiner Elf auf dem Platz vorhat. „Ich habe wenig Kreativität gesehen. Wir hatten keine Ideen, wie wir uns durch dieses Bollwerk hindurchspielen können“, monierte zum Beispiel VfL-Torhüter Yann Sommer. Augsburg hatte wie Borussia eine Torchance in den 90 Minuten, Plea traf aus dem Abseits, Augsburg zum Sieg. Und so kam es nach dem Schlusspfiff zu der üblichen Plattitüde eines enttäuschten Trainers: „Wir hatten in der zweiten Halbzeit nicht die letzte Durchschlagskraft nach vorne. Aus einer Torchance, bei der wir einen Fehler machen, bekommen wir das Gegentor. Das ist absolut ärgerlich, da muss man den Punkt auch mal mitnehmen“, sagte Hütter, der im Gegensatz zu neutralen Beobachtern offensichtlich in den ersten 45 Minuten so etwas wie Durchschlagskraft erkannt haben wollte.

Als ob die BILD das nicht wüsste

Hütter kennt sich aus mit Fehlstarts in eine Saison, und Borussia eigentlich auch. Nicht nur die BILD erinnerte sogleich daran, dass Hütter 2018 mit Frankfurt ähnlich schlecht in die Saison „schlidderte: Platz 15 nach fünf Spielen, ebenfalls nur vier Zähler. Was neben Hütters Erfahrung mit Frankfurt Mut macht: Gladbach legte bereits 2015 unter Lucien Favre einen Fehlstart mit fünf Pleiten in Folge hin – am Ende der Saison wurde Borussia noch Vierter …“ Was aussieht, als würde der Boulevard Hoffnung machen, lässt Böses erahnen, falls Hütter nicht dauerhaft in die Erfolgsspur findet: Denn es ist nun mal die Bildzeitung ist, die das gedruckt hat. Und als ob die BILD nicht wüsste, dass Favre nach der fünften Pleite Reißaus nahm und ein gewisser André Schubert als Trainer mit dem VfL kurzzeitig durchstartete!

Da sollte sich der Österreicher doch besser seine eigene Vergangenheit zum Vorbild nehmen, zum Beispiel als er 2018/19 mit der Eintracht nach dem schwachen Start noch auf Platz sieben und ins internationale Geschäft marschierte – nicht weniger darf Borussias Anspruch auch nach dem mauen Start in die Saison sein. Unabhängig von den beiden Spielen gegen die Topteams aus Dortmund und Wolfsburg benötigt der VfL insbesondere gegen die vermeintlich kleineren Mannschaften mehr Esprit, mehr Selbstvertrauen, mehr Durchsetzungsvermögen. Oder Hütter muss auf eine andere Taktik setzen?! Ausreden gelten nach der Länderspielpause zumindest in der Bundesliga keine mehr, im Oktober sind gegen Stuttgart, Hertha und Bochum Siege beinahe Pflicht. Nicht aufgrund einer kaum zu erklärenden Selbstüberschätzung, sondern einzig wegen fehlender Punkte in der Tabelle. Und auch, weil Adi Hütter der passende und ein guter Trainer für den VfL ist.