Nico Elvedi hat als feste Größe in Borussias Innenverteidigung seinen Vertrag bis 2024 verlängert und gibt sich kämpferisch: „Bei der Vertragsverlängerung hat die Trainerfrage für mich keine Rolle gespielt. Die Bundesligasaison ist noch nicht vorbei. Wir können uns immer noch für Europa qualifizieren.“
01.04.2021
Sport

So ändern sich die Zeiten

Rückblick auf die beiden Rose-Jahre bei der richtigen Borussia aus zwei Perspektiven

Redaktion: Ingo Rütten

Sieben Niederlagen in Serie, neun Spiele ohne Sieg: diese Schreckensbilanz legte Borussia in der Bundesliga, Champions League und im DFB-Pokal vor der Partie beim FC Schalke 04 am 20. März hin. Ein Datum, das rückblickend für VfL-Trainer Marco Rose ein bedeutendes sein könnte, vor dieser Partie beim abgeschlagenen Tabellenletzten war es das auf jeden Fall. Denn die oben genannte Sieglos-Serie kam nach dem Geständnis Roses zustande, dass er abtrünnig werde und zur anderen Borussia nach Dortmund wechseln wolle. Seitdem werden die Leistungen des Trainers in seiner Zeit beim VfL durchaus kritischer, vielleicht sogar aber realistischer betrachtet. Und ungeachtet der für uns zu Druckbeginn dieser Ausgabe nicht einzuschätzenden Entwicklung aufgrund des zum Schicksalspiels für Marco Rose auserkorenen Spiels auf Schalke, wollen auch wir zurückblicken – gewissermaßen aus zwei Perspektiven.

Das Kapitel Marco Rose ist bei Borussia Mönchengladbach definitiv eines ohne Happy-End. Genau das, was sich Sportdirektor Max Eberl vor etwa zwei Jahren mit der Verpflichtung des Leipzigers versprochen hatte, hat sich ins Gegenteil umgekehrt. Borussia hat durch Rose vielleicht den nächsten Schritt gemacht, aber spätestens mit dem verkündeten Abschied des Trainers ging es mindestens zwei Schritte zurück. Rose selbst hat deutlich an Ansehen verloren, nicht nur am Niederrhein, ganz Fußballdeutschland denkt heute anders über ihn und seine Leistungen. Mit einer gewissen Schadenfreude blicken die VfL-Fans dabei vor allem nach Dortmund, wo bereits getuschelt wird, ob die Entscheidung für Rose und gegen den jungen Edin Terzic wirklich auch die richtige gewesen sei.

Rose-Jahre reichen nicht zum Superlativ

Schadenfreude liegt uns fern, doch möglichst objektiv betrachtet muss man resümieren, dass die beiden Rose-Jahre trotz fantastischer Erlebnisse nicht zum Superlativ reichen. In der vergangenen Saison wurde Borussia durch die schwachen Resultate der anderen Teams am 7. Spieltag auf den ersten Tabellenplatz der Bundesliga gehievt. Etwas neu und Rose geschuldet war dabei für die VfL-Fans, dass sich der VfL dort selbstbewusst zeigte und diese Position sage und schreibe bis zum 14. Spieltag wochenlang verteidigte. Vor dem 7. Spieltag waren die Leistungen der Borussen durchaus gemischt, erst anschließend spielte die Mannschaft so wie Rose das Verantwortlichen und Fans versprochen hatte. Das blieb in der Bundesliga lange Zeit so, das frühe Ausscheiden im DFB-Pokal (wohlgemerkt beim BVB aus Dortmund) und das klägliche Scheitern in der Europa League schienen die Euphorie nur in die richtigen Bahnen lenken zu wollen.

Und trotzdem geriet zum Ende der Spielzeit die Qualifikation für die Champions League in Gefahr, wie zuletzt unter Trainer Dieter Hecking kämpfte der VfL mit Leverkusen um den vierten Tabellenplatz. Dieses Mal hatte Borussia am Ende knapp die Nase vorn, Rose war der Held. Und an diesem Status änderte sich auch durch die durchwachsenen Leistungen in dieser Saison nichts. Zumal Borussia in der Champions League im Gegensatz zur Bundesliga wahre Großtaten verbrachte und sensationell ins Achtelfinale vorstoßen konnte. Dass der VfL niemals oben in der Bundesligatabelle zu finden war, blieb nicht unbemerkt, aber wurde nicht diskutiert. Dass Borussia realistisch betrachtet mittlerweile keine Chance mehr auf einen Platz für die Europa League hat, wird indes sehr wohl thematisiert – und das gehört auch zum Abschlusszeugnis eines in der Bundesliga bislang gehypten Trainers.

Erklärung greift zu kurz

Marco Rose hat angedeutet, dass er ein richtig guter Trainer ist. Dass sich die Dinge bei Borussia sportlich in dieser Saison so entwickelt haben, mag nicht nur am Sportlichen liegen, andererseits greift aber die Erklärung Roses deutlich zu kurz: „Das eine sind Ergebnisse, das andere sind die Leistungen. Man sollte schon differenzieren, das wäre richtig und sachlich“, sagte der 44-Jährige in den letzten Wochen immerzu. Sind wir aber ehrlich, so überragend, dass Borussia erneut um die Champions-League-Plätze mitspielen müsste, hat sich die Mannschaft in dieser Saison viel zu selten präsentiert. Eberl nimmt den scheidenden Coach in Schutz: „Es ist ja nicht so, dass Marco Rose keine Leistung gebracht hat. Marco Rose hat herausragende Leistung gebracht für unseren Club.“ Und er habe Borussia einen Kick gegeben. Aber offensichtlich hat er Borussia auch in eine Art Schockstarre versetzt, die sich hoffentlich noch in dieser Saison löst, damit es in der kommenden wieder aufwärts geht: Die Champions-League-Abende waren doch insgesamt zu schön, um darauf verzichten zu wollen!

Im April kann sich der VfL alleine auf die Bundesliga konzentrieren, ob mit Rose oder nicht, ein paar Punkte und Siege würden nicht nur der Fan- und Vereinsseele gut tun, sondern vielleicht doch noch das neue Ziel möglich machen. Die Europa Conference League, für die der siebte Platz ausreichen könnte, wenn Dortmund oder Leipzig den DFB-Pokal gewinnen und dabei unter den ersten sechs in der Tabelle stehen wie derzeit. Aber selbst für das Erreichen dieser neuen internationalen Spielrunde unterhalb der Europa League muss der VfL Punkte aufholen, was angesichts der kommenden Gegner zumindest auf dem Papier möglich und direkt am 27. Spieltag gegen einen der direkten Konkurrenten, SC Freiburg, nötig erscheint. So ändern sich die Zeiten: Manchmal dauert es knapp zwei Jahre bis zu einer neuen oder objektiveren Bewertung, manchmal reichen ein paar Wochen.