Marco Rose hat sich für die andere Borussia entschieden. Das schmerzt – zunächst. Diese Entwicklung war aber angesichts der Ausstiegsklausel im Vertrag beinahe zu vermuten, zumindest zu befürchten.
01.03.2021
Sport

Sportlich ein Ausrufezeichen setzen!

Trainerdiskussion bestimmt die Schlagzeilen, dabei stehen für Borussia entscheidende Spiel an

Redaktion: Ingo Rütten

Es ist richtig etwas los bei Borussia in diesen Wochen, was angesichts des sportlichen Programms auch so vermutet werden durfte. Doch dass die Champions-League-Spiele gegen Manchester City gar nicht die Schlagzeilen dominieren und auch das Viertelfinale im DFB-Pokal sportlich beinahe untergeht, liegt natürlich an der offiziell im Februar bekannt gegebenen Entscheidung von Marco Rose, dass er lieber bei Borussia Dortmund an der Seitenlinie stehen mag als bei der wahren Borussia!

Eine unschöne Nachricht für die VfL-Fans, auch wenn sie diese weniger mit Traurigkeit denn mit Wut beantwortet haben. Rein nüchtern betrachtet, gilt aber das, was an dieser Stelle bereits im Januar geschrieben stand: „ Ein Trainer, der sich eine Ausstiegsklausel in den Vertrag schreiben lässt, wird sich ein Angebot von Borussia Dortmund vermutlich nicht entgehen lassen.“ Und so versucht auch Sportdirektor Max Eberl die zu Tage tretende Verachtung gegenüber dem scheidenden Trainer auf sich zu lenken, wohl wissend, dass er sich in seinen 21 Jahren beim VfL einen Status erarbeitet hat, der das unbeschadet überstehen wird. Eberl sei der Schuldige, sagt er selbst, weil er diese Klausel in Roses Vertrag zugelassen habe. Da ist sicher etwas dran, und deswegen wird sich der Sportdirektor auch schon lange vor der offiziellen Bekanntgabe der (zunächst) schmerzlichen Trennung Gedanken über die Zeit danach gemacht haben.

Bekannt dafür, voraus zu denken

Eberl ist bekannt dafür, weit voraus zu denken. Rückblickend mag man kaum glauben können, dass er vor zwei Jahren Dieter Hecking als Borussentrainer vor die Tür setzte, ohne den Vertrag mit Rose schon in der Tasche zu haben. Und so ist es genauso gut denkbar, dass jetzt bereits eine Vereinbarung mit einem anderen Trainer besteht, und Eberl und Rose genau deswegen nach Wochen der Rumeierei seitens Rose zu Karneval mit Roses Wechselwunsch an die Presse gegangen sind. Wer weiß? Eberl selbst musste sich ja vorher zunächst nicht den wiederholenden Fragen der Journalisten stellen, er weilte ja in der selbstgewählten vierwöchigen Auszeit irgendwo in den Bergen.

Ob ihn dort Ralf Rangnick besucht hat? Rein privat natürlich! Seit Peter Neururer und Friedhelm Funkel hat sich kein Trainer mehr auffälliger selbst ins Gespräch bei Borussia gebracht als der 62-Jährige, der live im Fernsehen bei Sky einen Tag nach Roses Coming Out bekannte, dass er sich durchaus zur nächsten Saison einen neuen Job in der Bundesliga vorstellen könne – „wenn’s passt“. Als Jugendlicher stand Rangnick im VfL-Trikot mit Fahne auf den riesigen Stufen des Bökelberg, später wurde er zum anerkannten Fußballfachmann, der mal mit Burnout und zuletzt ohne Job pausieren musste. Ob Rangnick oder eher ein aufstrebender und jüngerer Fußballfachmann der richtige für die Nachfolge Roses ist, kann hier nur unzureichend geklärt werden. Zumal Eberl bei der Bekanntgabe dieser Besetzung keine Rücksicht auf die Produktion unseres Heftes nimmt. Deswegen sei das leidige, wenngleich durchaus spannende Trainerthema mit dem Hinweis des Sportdirektors beendet, den man sicher ernst nehmen darf: „Ich werde keinen einzigen Namen kommentieren, mit dem wir in Verbindung gebracht werden. Ich werde in Ruhe meinen Job machen. Wenn dann irgendwann etwas fix ist, werden wir mit dieser Nachricht nach draußen gehen.

Vertrag unlängst bis 2026 verlängert

Eberl, der seinen Vertrag unlängst bis 2026 verlängerte, ist durch die Rose-Story noch einmal mehr zum „Macher“ dieser Borussia geworden. Sein Abgang wäre viel schwieriger zu verschmerzen als der von Marco Rose oder der eines anderen Trainers. Solange Eberl sinngemäß diesen Satz mit „wir“ benutzt, muss man sich vermutlich nicht sorgen: „Es werden uns Protagonisten verlassen, und wir werden mit neuen Protagonisten weitermachen.“ Borussia ist längst (wieder) zu einer guten Adresse im Fußballgeschäft geworden, die gute Trainer anlockt, auch wenn bislang noch im Vergleich zum BVB aus Dortmund dazu eine Ausstiegsklausel nötig war.

Sportlich wird das Pokalspiel gegen den BVB nur ein Ausrufezeichen setzen, wenn die richtige Borussia ins Halbfinale einzieht. Und an der Höhe der Hürde Manchester City in der Königsklasse hat sich durch die Trainerdiskussion nichts geändert, nach dem Hinspiel in Budapest steht nun Mitte März das Rückspiel auf dem Programm. Zuvor aber gibt es direkt im Anschluss an das DFB-Pokalspiel ein Meisterschaftsspiel gegen Bayer Leverkusen, das die Zukunft Borussias viel langfristiger beeinflussen könnte. Angekommen, Wolfsburg und Frankfurt knicken wie erhofft noch auf der Zielgeraden der Bundesliga ein, bleibt Leverkusen neben Dortmund als Konkurrent um die erneute Champions-League-Teilnahme übrig. Dieses Spiel ist gewissermaßen die Pflicht, alles andere die Kür – es sei denn, der DFB-Pokalsieg entschädigt uns alle für ein Jahr und in der Europa League.