Jessica Sindermann
Der Komponist Rolf Kugel, einst bekannt als Mr. Grand Prix, wäre bereit, seine Seele für den nächsten großen Hit zu verkaufen. Doch weder Roy Black noch Karel Gott erscheinen, als Kugel die Hitgeister heraufbeschwört. Stattdessen taucht der Godfather of Punk, Iggy Pop, auf und nimmt ihn und auch das Publikum mit auf eine Club- und Zeitreise durch die 1970er und 1980er Jahre.
Verkörpert wird Rolf Kugel von Adrian Linke, der seit der Spielzeit 2002/2003 ein fester Bestandteil des Schauspielensembles am Theater Krefeld und Mönchengladbach ist und bereits an einer Vielzahl von Produktionen beteiligt war. Im Interview spricht der gebürtige Mainzer über die Entstehung des Stücks, die Herausforderungen der Inszenierung und die besondere Mischung aus Punk und Schlager, die das Stück einzigartig macht!
HINDENBURGER: Erzählen Sie gerne etwas über das Stück „Pudelpunk Song Contest“.
Adrian Linke: Es geht um einen Komponisten namens Rolf Kugel, eine Anspielung auf Ralph Siegel, den berühmten Produzenten von vielen Schlagerstars, die beim Grand Prix Eurovision Contest erfolgreich waren. Rolf Kugel befindet sich in einer kreativen Krise. Er sehnt sich danach, einen Hit zu schreiben, doch es will ihm nicht gelingen. Da tritt der Teufel, Mephisto, in Gestalt von Iggy Pop auf und bietet ihm einen Deal an: Er verhilft ihm zu einem Superhit und vielleicht sogar zu einer Superfrau, wenn Rolf seine Seele verkauft.
Sie schließen den teuflischen Pakt und begeben sich auf eine Reise durch die Clubs der Welt – von New York über London bis nach Düsseldorf. Auf diesen Stationen begegnen ihnen verschiedene Herausforderungen und eine Frau. Nicht zu vergessen sind unsere vier „Katja Ebstein Engel“, benannt nach der Sängerin, weil sie alle rote Perücken tragen. Diese musikalischen Geister tauchen immer wieder auf und begleiten Rolf Kugel und Iggy Pop auf ihrer Reise.
HINDENBURGER: Welche Rolle übernehmen Sie und wie haben Sie sich darauf vorbereitet?
Adrian Linke: Faszinierend ist diese Schlagerwelt, in die man eintaucht. Die Frage ist, wie interpretiere ich sie und wie bringe ich sie auf die Bühne? Spielen wir einen piefigen Schlager-Zampano oder gehen wir anders vor? Mein Charakter ist Rolf Kugel, ein Mann in seinen Fünfzigern, der noch viel von der Welt will und empfänglich für Liebe ist. Er sucht nach der Musik, die im übertragenen Sinne die Welt im Innersten zusammenhält – eine musikalische Suche nach dem Sinn des Lebens.
Natürlich ist das eine überzogene Interpretation, denn das Stück selbst gibt das nicht vollständig her. Wir haben einige Faust-Texte integriert, aber das meiste ist normale Prosa und musikalisch. Dennoch haben wir uns bemüht, diesen Aspekt der Sinnsuche in die Handlung und die Darstellung einfließen zu lassen.
HINDENBURGER: Was ist in Ihren Augen das Besondere an diesem Stück?
Adrian Linke: Das Besondere an unserem Stück ist, dass es in enger Zusammenarbeit mit unserem musikalischen Leiter Jörg Wockenfuß und einem unserer Darsteller, Nicolas Schwarzberger, entstanden ist. Jörg Wockenfuß hat den Plot entwickelt und Nicolas Schwarzberger hat daran mitgeschrieben. Weiterentwickelt haben wir es dann alle gemeinsam, wobei Jörg Wockenfuß und Nicolas Schwarzberger als Urheber gelten. Aber auch unser Choreograph Ralf Frey hat einen wichtigen Teil zur Stückentwicklung beigetragen.
Das Spannende daran ist die Mischung aus Punk und Schlager, die durch unsere tolle Band zum Leben erweckt wird. Diese musikalische Reibung zwischen Punk und Schlager verleiht dem Stück seinen besonderen Reiz. Die Geschichte dreht sich um die Figuren von Iggy Pop und Rolf Kugel, die sich gemeinsam auf eine musikalische Entdeckungsreise begeben. Diese Kombination aus verschiedenen Musikstilen und die kreative Zusammenarbeit machen das Stück so besonders und einzigartig.
HINDENBURGER: Was fasziniert Sie besonders an Ihrer Figur und wie interpretieren Sie sie?
Adrian Linke: Ich spiele „Rolf Kugel“, eine Figur, die im Vergleich zu Iggy Pop natürlich ein wenig uncooler daherkommt. Iggy Pop ist bei uns definitiv der Coolere. Wir haben uns intensiv auf die Rollen vorbereitet und uns dabei auch mit der Person Ralph Siegel auseinandergesetzt. Aber es wäre absurd, Ralph Siegel direkt auf die Bühne zu bringen, da er als Produzent eher hinter den Kulissen agiert und nicht als Bühnenfigur geeignet ist. Daher haben wir unser eigenes Ding daraus gemacht. Interessant ist, dass Iggy Pop von meiner geschätzten Kollegin Esther Keil gespielt wird. Außerdem haben wir eine wunderbare Sängerin als Gast, Naima Laube, die in der Rolle des Gretchens zu sehen ist, wenn man die Faust-Mephisto-Geschichte überträgt.
HINDENBURGER: Gab es besondere Herausforderungen bei der Inszenierung des Stücks?
Adrian Linke: Was soll ich sagen – es ist eine Herausforderung auf mehreren Ebenen. Konditionell ist es besonders anspruchsvoll, da der erste Teil mit einem Medley endet, bei dem ein Song nahtlos in den nächsten übergeht. Diese ununterbrochene musikalische Abfolge ist sehr fordernd. Außerdem musste ich für diese Produktion einige Stücke auf dem Klavier lernen, obwohl ich eigentlich kein Klavierspieler bin. Doch genau diese Herausforderungen machen die Arbeit so spannend und bereichernd.
HINDENBURGER: Welche Rolle spielen Bühnenbild und Kostüme in der Darstellung des Stücks?
Adrian Linke: Die Kostüme sind wirklich sehr frisch und modern. Teilweise punkig, aber auch mit viel Glitzer versehen. Die Vielfalt der Kostüme ist beeindruckend. Besonders die Darstellerinnen, die Katja Ebstein spielen, haben viele Kostümwechsel und es geht dabei wirklich wild zu.
Ein besonderes Highlight ist das zweistöckige Bühnenbild. Es gibt eine vordere Spielfläche und dahinter eine Art Keller, über dem sich noch eine weitere Etage befindet. Es ist faszinierend, wie vielseitig und kreativ das Bühnenbild gestaltet ist.
HINDENBURGER: Wie unterscheidet sich die Arbeit an ‚Pudel Punk Contest‘ von Ihren früheren Inszenierungen und welche neuen Erfahrungen haben Sie dabei gemacht?
Adrian Linke: In diesem Fall handelt es sich um eine Stückentwicklung, die für uns eine neue Erfahrung war. Wir haben die Geschichte immer wieder überarbeitet, Elemente hinzugefügt und wieder verworfen. Besonders der Schluss des Stücks war eine Herausforderung, da wir den ganzen Tag daran gearbeitet haben, die Geschichte auf den richtigen Weg zu bringen, inklusive der Zeitreisen. Im zweiten Teil, als es auf das Ende zuging, haben wir erneut intensiv diskutiert und überlegt.
Diese kollaborative Arbeit am Stück war eine völlig neue Erfahrung. Im Gegensatz zu einem fertigen Musical, bei dem das Stück bereits bekannt und abgeschlossen ist, mussten wir hier gemeinsam mit der Regie ständig Anpassungen vornehmen.
HINDENBURGER: Wie wird Musik im Stück ‚Pudel Punk Contest‘ eingesetzt und welchen Einfluss hat sie auf die Stimmung und die Handlung?
Adrian Linke: Die Musik in unserem Stück wird auf unterschiedliche Weise eingesetzt. Einerseits, wie in einem klassischen Musical, als Ausdruck von Gefühlen oder Stimmungen. Andererseits dient sie als authentische Hintergrundmusik, die in den Clubs gespielt wird. Zum Beispiel reisen Rolf Kugel und Iggy Pop durch die Zeit und landen im Roxy, wo gerade Punkmusik läuft. Diese Musik spiegelt die Atmosphäre des Clubs wider.
Später im Ratinger Hof wird die Musik ebenfalls direkt eingesetzt. Sie dient auch dazu, Beziehungen zwischen Charakteren zu verdeutlichen. Insgesamt nutzen wir die Musik auf vielfältige Weise: als Teil der Show und als musikalisches Element, das die Handlung und die Emotionen unterstützt.
HINDENBURGER: Für wen ist das Stück Ihrer Meinung nach geeignet?
Adrian Linke: Unser Stück ist wirklich für alle Altersgruppen geeignet, für Jung und Alt. Die älteren Zuschauer freuen sich besonders, wenn zwischendurch ein Schlager gespielt wird, während die jüngeren Zuschauer die humorvollen Momente genießen. Es ist eine wunderbare Mischung, die jedem etwas bietet.
HINDENBURGER: Vervollständigen Sie bitte folgenden Satz: Theater bedeutet für mich…
Adrian Linke: … den Moment zu treffen.
HINDENBURGER: Lieber Herr Linke, herzlichen Dank für die Einblicke in die Welt des Pudel Punk Songcontests! Jetzt bleibt zu hoffen, dass Rolf Kugel doch noch einen Hit landet.
Tickets sind erhältlich an der
Theaterkasse Odenkirchener Str. 78,
41236 Mönchengladbach,
Tel. 02166 . 61 51 100 und unter
https://theater-kr-mg.de/spielplan/pudelpunk