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Farbenfroh und turbulent geht es in Puccinis Operneinakter „Gianni Schicchi“ zu.  Foto: Matthias Stutte
Farbenfroh und turbulent geht es in Puccinis Operneinakter „Gianni Schicchi“ zu. Foto: Matthias Stutte

Opern zu verknüpfen heißt, Beziehungen zu finden

Opernregisseur François de Carpentries inszeniert am Theater Mönchengladbach die beiden Kurzopern „Cavalleria rusticana“ und „Gianni Schicchi“ hintereinander an einem Abend. Was ihn dazu inspirierte, verrät er dem Hindenburger im Exklusivinterview.

Redaktion: Susanne Jordans

Opernregisseur François de Carpentries
Opernregisseur François de Carpentries Foto: Matthias Stutte

François de Carpentries: Sie passen wunderschön und ganz logisch zusammen, viel besser als die geläufige Verbindung „Cavalleria rusticana“ mit „Pagliacci“ von Ruggero Leoncavallo. Nein, „Cavalleria rusticana“ von Pietro Mascagni und Giacomo Puccinis „Gianni Schicchi“ erzählen gemeinsam betrachtet eine italienische Familiengeschichte, und zwar über Generationen hinweg. Die beiden so unterschiedlichen Kompositionen greifen dabei auf, wie sich die Gesellschaft im Laufe der Jahrzehnte wandelt. Das Ganze fügt sich, wenn man den Bogen am Ende des Abends spannt, zu einem wunderbaren Gemälde zusammen. Die Idee unserer Inszenierung stammt ursprünglich von Operndirektor Andreas Wendholz. Wir waren unmittelbar fasziniert.

Die Unterschiede:

„Cavalleria rusticana“ ist eine Oper alter, strenger Form, „Gianni Schicchi“ ist sehr modern für Puccini, der hier mit vielen kleinen Sätzen arbeitet. Genau hier liegen die Verknüpfungsmöglichkeiten. „Cavalleria rusticana“ spielt in meiner Inszenierung in den 1930er Jahren auf Sizilien. Die Strenge der Clans bestimmt die verarmte Gesellschaft, alles ist strikt organisiert. Die Fratze des Faschismus zeigt sich bereits. Eine Tragödie bahnt sich an. Die Gesellschaft ist geprägt von Bodenständigkeit und Gottvertrauen. Nach der Pause dann „Gianni Schicchi“ – dieser Einakter spielt in den 1960er Jahren in Norditalien. Der Wohlstand ist zurück, das Leben kann dank Geld lockerer gestaltet werden. Übergänge von der Tragödie zur Komödie sind deutlich wahrzunehmen. Die Gesellschaft hat sich gewandelt, weg von Bodenständigkeit und Gottvertrauen hin zu Geldgier und Neid. Das sind die Gegensätze.

Daneben bauen Gemeinsamkeiten weitere Brücken: Beide Opern thematisieren Geld und Liebe, Gier und Eifersucht. Viele der Protagonisten aus „Cavalleria rusticana“ sehen wir entsprechend gealtert in „Gianni Schicchi“ wieder. Dahinter steckt in der Inszenierung, dass Millionen von Sizilianern und Süditalienern in den 1950er Jahren nach Norditalien ausgewandert sind, hin zum Geld und zu den Jobs.

Verraten Sie uns schon jetzt, wie Sie die beiden Zeitalter auch optisch unterschiedlich inszenieren?

François de Carpentries: Bühnenbild und Kostüme sind bei „Cavalleria rusticana“ bestimmt von der schlichten Ästethik, die Schwarz-Weiß bietet, „Gianni Schicchi“ ist bunter – damit greifen wir mit der ersten Oper den Faschismus vor dem Zweiten Weltkrieg auf, mit der zweiten dann die Einführung des Farbfernsehens später in den 1960er Jahren sowie den Durchbruch des Technicolor-Verfahrens für Filme und Fotos ein paar Jahre zuvor.  

Sie reisen viel, kehren aber immer wieder zum Theater Krefeld Mönchengladbach zurück …

François de Carpentries: Und das seit vielen Jahren! Ich inszeniere regelmäßig mit viel Vergnügen in Krefeld und Mönchengladbach, weil an beiden Orten großartige Menschen wundervolle Arbeit leisten, vom Generalintendanten und Geschäftsführer Michael Grosse bis zum Techniker. Beide Spielstätten bieten zudem eine tolle Atmosphäre.

„Cavalleria rusticana“ und „Gianni Schicchi“ – die Inhalte

Beide Opern werden in Mönchengladbach in italienischer Sprache gesungen und mit deutschen Übertiteln übersetzt. Beide haben alles, was eine gute Oper braucht: Leidenschaft, Dramatik und Spielwitz.

„Cavalleria rusticana“:

Unter den argwöhnischen Augen der Bewohner
eines kleinen italienischen Dorfes spielen sich eine Tragödie und eine Komödie ab: Als Turiddu vom Militärdienst heimkehrt, muss er feststellen, dass seine Verlobte Lola in der Zwischenzeit einen anderen Mann geheiratet hat. Er tröstet sich in den Armen von Santuzza, die ihn aufrichtig liebt. Als Lola jedoch wieder Interesse an ihm zeigt, hintergeht er Santuzza und wird Lolas Geliebter. Als deren Ehemann Alfio von der Liebschaft seiner Frau erfährt, fordert Turiddu zum Duell und tötet ihn.

„Gianni Schicchi“

Am Totenbett beklagen seine Verwandten heuchlerisch das Hinscheiden von Buoso Donati. Doch ihre schlimmste Befürchtung, er könnte sein gesamtes Vermögen den „Klosterbrüdern“ vermacht haben, bewahrheitet sich. Einer der Erben, der junge Rinuccio, möchte die schöne Lauretta heiraten. Ihr Vater Gianni Schicchi gilt als gewiefter Schelm und wird schleunigst herbeigeholt und um Rat gefragt. Prompt heckt er einen spektakulären Plan aus: Um das Testament zu Gunsten der Hinterbliebenen zu fälschen, wird Buoso Donati kurzerhand wieder zum Leben erweckt und Schicchi spielt die Rolle seines Lebens …

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