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Mark Nierwetberg, Vorsitzender des Vereins nextMG e. V./ Foto: privat
Mark Nierwetberg, Vorsitzender des Vereins nextMG e. V./ Foto: privat

#nextMG e.V. Zukunft gestalten

Der Verein nextMG e. V. hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Digitalisierung in MG zu fördern und die Stadt für Gründer attraktiver zu machen. Wir sprachen mit dem Vorsitzenden des Vereins, Mark Nierwetberg.

Interview: Marc Thiele

Der Begriff „Digitalisierung“ geistert seit längerem durch alle Medien, die Politik und die Köpfe der Menschen. Aber was bedeutet „Digitalisierung“ eigentlich?

Digitalisierung ist nicht nur WLAN oder das Smartphone, Digitalisierung ist eigentlich die Erbringung oder besser Dematerialisierung von Dienstleistungen und das Vernetzen von Informationen überall und jederzeit. Hört sich kompliziert an, ist aber einfach. Ein Beispiel: „Früher bin ich in einen Plattenladen gegangen und habe mir eine CD gekauft, heute gehe ich nicht mehr dahin, heute nutze ich zum Beispiel Spotify oder Apple Music. Man muss sich Digitalisierung als einen Prozess vorstellen, der jegliche Art von Interaktion, die ich habe oder Produkt, das ich nutze, umfassen kann. Dazu noch ein anderes Beispiel: Angenommen, ich muss nächste Woche in eine andere Stadt. Dort brauche ich ein Hotelzimmer. Das Zimmer kann man natürlich nicht digitalisieren. Ich brauche also ein echtes Zimmer. Hotelketten haben bis vor ein paar Jahren gedacht, Platteneine Website zur Onlinebuchung reicht. Das war deren Digitalisierungsstrategie. Das reicht aber nicht – denn es kam Airbnb und zeigte den Hotelketten – du brauchst gar kein Hotel mehr, miet’ doch einfach das freie Zimmer von irgendeinem in der Stadt, in die du willst. Und warum kann ich das jetzt? Weil mir über Digitalisierung die Information, dass Zimmer von Privatleuten in dieser Stadt frei sind, jederzeit zur Verfügung gestellt wird. Ich kann die eigentliche Dienstleistung „Übernachten“ nicht digitalisieren, aber was Digitalisierung uns auf einmal zeigt – und darum wird es uns alle betreffen – ist, man kann Transparenz über diesen Markt herstellen, mit Rechenleistung und Konnektivität, und dadurch entsteht auf einmal ein völlig neues Produkt, das es in diesem Umfang früher nicht gab. Jetzt ist Airbnb da und seit dem gibt es das Produkt „Schlafen bei Privatleuten – obwohl ich die gar nicht kenne“. Airbnb hat kein einziges Hotel gebaut, sondern nur eine App und trotzdem sind sie die am schnellsten wachsende „Hotelkette“. Das ist Digitalisierung.

Herr Nierwetberg – wie kommen Sie zum Thema Digitalisierung? Wo liegen Ihre Beweggründe, sich so an diesem Standort für dieses Thema zu engagieren?

Ich beschäftige mich schon immer beruflich damit. Als Journalist habe ich in Frankfurt Internetunternehmen beobachtet, bin dann in ein Telekommunikationsunternehmen gewechselt, das sehr viel mit Digitalem zu tun hat. Ich finde die Branche spannend und Mönchengladbach ist halt meine Heimatstadt und hier möchte mich bei etwas engagieren, wo ich einen Mehrwert habe und was ich kann, also engagiere ich mich in dem Feld.

Wie sehen Sie den aktuellen „Stand der Dinge“ in Mönchengladbach in punkto Digitalisierung?

Ich glaube, dass Mönchengladbach aufwacht, aber es ist noch ein langer Weg. Wir sind hier in der Darstellung, wie sich die Stadt im Internet präsentiert, wie Apps und die digitalen Möglichkeiten genutzt werden noch eher am Anfang. Es gibt Städte, die sind schon deutlich weiter. Aber es gibt aktuell in der Stadt viel Aufschwungsstimmung. Was mir fehlt ist, dass aus der positiven Stimmung auch wirklich Handlung erwächst.

Wird das Thema Digitalisierung von den Unternehmen wahr und ernst genommen? Reicht der Kenntnisstand der Unternehmen zu diesem Thema aus oder müsste hier mehr Aufklärung/Information erfolgen?

Ich glaube, dass im Moment noch viele Unternehmen das Thema verdrängen oder nicht wissen, wie sie sich dem Thema nähern sollen. Ich habe bei einem Vortrag dazu mal den Rat gegeben, man soll das eigene Unternehmen gewollt zerlegen. Nehmen Sie sich die zwei jüngsten Mitarbeiter, surfen Sie im Internet und schauen sich alles Mögliche an. Setzen Sie sich dann mit den beiden zusammen und stellen die Frage, was passiert, wenn ein neuer Wettbewerber in den Markt kommt und alle diese Möglichkeiten nutzt. Wie würde das Unternehmen dann aussehen? Wenn die beiden dann das Unternehmen „zerlegt“ haben, sehen Sie sich die Ergebnisse an und setzen sie um. Das ist übrigens eine Methode, die tatsächlich im Silicon Valley von Managern eingesetzt wird, z. B. bei neuen Technologien wie Blockchain. Man setzt sich zusammen und fragt sich, was passiert, wenn man das konsequent auf das eigene Unternehmen anwendet und was passiert, wenn die Konkurrenz das wirklich macht? In den USA gehört das „Zerlegen“ zum guten Ton, so wie Geschäftsmodelle entwickeln, und da müssen wir hinkommen. Wir müssen uns fragen, wie geht „Digital“ in meinem Geschäft und wie kann ich es einsetzten und davon sind wir hier noch ein ganzes Stück entfernt.

Welche Schritte wären Ihrer Meinung nach notwendig, um den Standort Mönchengladbach bei der Digitalisierung wirklich nach vorne zu bringen?

Wir haben ja mit der WFMG, der IHK, der Stadt und anderen Partnern den Verein nextMG gegründet, damit das Thema auf die Agenda kommt und weil alle der Meinung sind, dass es gebündelt werden muss und man sich bei dem Thema nicht untereinander Konkurrenz machen sollte. Wenn man sieht, was in den letzten Wochen und Monaten hier in Mönchengladbach passiert ist, mit Vorträgen, Gründerwoche, in der das Thema „Digital“ auch eine große Rolle gespielt hat, und anderem, dann glaube ich, dass da schon sehr viel im Gange ist.

Thema Start-ups. Auch hier sind Sie und der Verein ja sehr aktiv, wie man in der Gründerwoche sehen konnte. Wie sehen Sie die Start-up/Gründerszene in MG?

Wir haben in Mönchengladbach bisher nicht verstanden, wie sich eine Gründerszene aufbaut, nämlich durch Communitybuilding. Das heißt, man muss erst einmal Leute zusammenbringen, Ideen und Kontakte müssen fließen. Beides braucht Nähe. Größere Städte haben das einfacher, alleine durch die schiere Masse. Da muss man einfach nur einmal einen Ort schaffen und durch die Masse werden schon genug Kontakte hergestellt. Wir müssen hier in Mönchengladbach viel kämpfen. Jeden Monat veranstalten wir von nextMG ein „Meetup“. Das hat dieses Jahr dazu geführt, dass sich schon viele Leute vernetzt haben, die sich vorher nicht kannten, die vielleicht nicht wussten, dass sie in ähnlichen Geschäftsfeldern unterwegs sind oder sich ergänzende Produkte haben. Diese Methode haben wir als nextMG in Mönchengladbach erst eingeführt. Dadurch entwickeln sich Start-ups. Wir haben zum Beispiel auch den Rheinland Pitch nach Mönchengladbach geholt, um zu zeigen: „Wenn Du wirklich mit einem Team an Deiner Idee arbeitest, kannst Du über den Rheinland Pitch zu Leuten kommen, die dir wirklich Geld geben.“ Am Ende des Tages bringt es nichts, wenn man irgendwo mit Freunden beim Bier eine fixe Idee hat, sondern sie müssen von der fixen Idee zum Geschäftsmodell kommen. Und da gab es in Mönchengladbach bisher zu wenig Angebote.

MG ist ein Standort im Aufbruch, mit großartigen Perspektiven, einer wachsenden Hochschule, einer starken Wirtschaftsförderung und engagierten Menschen wie Sie und der Verein es sind. Was müsste Ihrer Meinung nach in MG passieren, dass sich hier mehr in diesem Bereich tut?

Wir brauchen viel intensiveren Kontakt zur Hochschule – da sind wir gerade dabei, das aufzubauen. Die Hochschule ist für das Gründerthema und für den Innovationstransfer unerlässlich. Wir müssen hier viel mehr Möglichkeiten bieten, für Innovationstransfer, für Vernetzung und für die Förderung auch mit ganz kleinem Geld oder mit Möglichkeiten. Das Projekt WestendMG im SMS Businesspark ist eine Riesenchance. Da ist genug Platz, da ist Industrie und da sind Start-ups, die sich vermischen. Das ist das, wo wir hin wollen. Ein „Gewächshaus“ mit einem Haufen Start-ups drin, die alle irgendwie vor sich hindümpeln, bringt nichts, sondern wir müssen diese Start-ups mit relevanten Playern z. B. aus dem Mittelstand zusammenbringen, damit sie skalieren können. Dazu brauchen sie Mittel, Prozesse und Kapital. Das ist der Vorteil, den eine Stadt der kurzen Wege wie Mönchengladbach haben kann. Irgendein etabliertes Unternehmen kann einfach zu WestendMG kommen, sich das ansehen und sagen: „Hey – das ist ja spannend, kommt doch nächste Woche mal zu uns und zeigt uns, was ihr da macht.“ Das ist die Offenheit, die eine Gründerszene braucht. Wir brauchen eine Kultur des Austauschs und der offenen Diskussion.

Eine Hochschule ist normalerweise Inkubator für eine Start-up-Szene. Wie sieht das in Mönchengladbach aus? Kommen aus dieser Richtung Impulse und Entwicklungen und gibt es überhaupt eine Zusammenarbeit mit der Hochschule, z. B. bei Projekten des Vereins?

Ja. Die Hochschule ist Mitglied bei nextMG und Herr Professor Treibert ist im Vorstand. Wir haben ja auch den Rheinland Pitch zusammen mit der Hochschule veranstaltet und wir werden auch in Zukunft versuchen, immer stärker auf die Hochschule zuzugehen, einzelne Professoren oder Angebote auf nextMG aufmerksam zu machen und ich glaube, das ist der Weg. Man muss nicht immer in großen Kooperationen denken und „Dickschiffen“. Viele kleine, enge Kontakte zu guten motivierten Professoren, die Lust haben was zu machen, ist für uns und die Stadt viel wichtiger. Perspektivisch braucht Mönchengladbach einen Innovationstransfer in den Bereichen Digitalisierung, IT, Textilwirtschaft – das sind Felder, die in Zukunft wichtig werden, Felder mit disruptiven Innovationen – also wo es Innovationen geben wird, die wirklich alles verändern. Darin muss Mönchengladbach zusammen mit der Hochschule in Zukunft seine Stärke sehen.

Wie bewerten Sie die Gründerwoche 2017 in Mönchengladbach und welche Schlüsse ziehen Sie daraus für zukünftige Gründerwochen?

Wir sind gerade dabei Feedback einzusammeln. Man sollte aber nicht ungeduldig werden, weil wir diese Community erst aufbauen und im Endeffekt gerade erst ein Jahr wirklich dabei sind. Wir müssen uns ein wenig Zeit geben. Diesmal haben wir für die Gründerwoche deutlich mehr „getrommelt“ als letztes Jahr und ich glaube, auf dem Weg müssen wir weitergehen. Wir machen Fortschritte, sind aber noch nicht an einer kritischen Masse. Das ist noch kein Prozess, bei dem alles von alleine läuft, bei dem man nur sagen muss „Kommt!“ und alle kommen. Es gibt noch zu wenig Interessierte, aber wir werden jetzt nach und nach über Formate und Ansprachen den Kreis erweitern und ich hoffe, dass man das dann bei der Gründerwoche 2018 schon richtig sieht.

Welche Projekte stehen bei nextMG für 2018 an?

Wir werden uns verstärkt darum bemühen, Digitalisierung, Mittelstand und Start-ups zusammenzubringen und den Aufbau der Community intensivieren. Die nächste Gründerwoche steht im November wieder an. Ansonsten wollen wir versuchen mehr interessierte und engagierte „Köpfe“ von der Hochschule dazu zu bewegen, in Mönchengladbach unternehmerisch tätig zu werden.

nextMG e. V.
will die Digitalisierung am Wirtschaftsstandort Mönchengladbach voranbringen, Aktivitäten rund um die digitale Transformation unterstützen und die Stadt für Gründer und Start-ups attraktiver machen.
www.nextmg.org

Westend.MG
Das neue Startup-Center im SMS Businesspark
www.westend-mg.de

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